• TU-Präsident unterstützt Video des Youtubers: „Rezo zitiert sauberer als so mancher Bundesminister“

TU-Präsident unterstützt Video des Youtubers : „Rezo zitiert sauberer als so mancher Bundesminister“

Rezo hat Recht: Die Politik ignoriert bewusst die wissenschaftliche Erkenntnis, dass nun gehandelt werden muss, um den Klimawandel zu stoppen. Ein Gastbeitrag.

Christian Thomsen
Der Youtuber Rezo
Der Youtuber RezoFoto: dpa/Privat

Kurz vor der Europawahl taucht überraschend ein einstündiges Video des Youtubers Rezo auf, das die Politiker und die Parteien für ihr Nicht-Handeln eloquent und scharf kritisiert, sie damit überrascht und sogar in die Defensive bringt. Innerhalb weniger Tage wird es 10 Millionen Mal gesehen und alle versuchen – mehr oder weniger hilflos – zu reagieren.

Jedenfalls können Rezo und auch das Folgevideo von 70 Youtubern sauberer zitieren als so manche Bundesminister oder Landespolitiker. Diese empfinden eine Überprüfung von (fehlenden) Zitaten in ihren Doktorarbeiten oft lediglich als lästig und wollen sie als unsachlichen Angriff auf ihr Politikerdasein wegreden. Das macht die Youtuber weder zu Politikern noch zu Wissenschaftlern, das ist aber auch nicht ihr Anspruch. Sie fordern stattdessen sachgerechtes Handeln der Politiker abgeleitet richtigerweise von Ergebnissen der Wissenschaft. Nicht zu handeln ist ihr Vorwurf an die etablierten Parteien.

Politik soll gestalten, aber nicht frei von jedweden Erkenntnissen der Wissenschaft zum Klimawandel. Eine Kohlendioxid-Steuer einfach nicht einzuführen, weil sie Lobby-Verbänden wegen des daraus entstehenden Innovationszwangs nicht gefällt, oder den Kohle-Ausstieg wegen der anstehenden Wahlen in die Mitte des Jahrhunderts zu verschieben, kommt nicht an.

Es zeigt vielmehr die allgemeine Ideenlosigkeit der Politik zu den zukünftigen Arbeitsplätzen der Menschen in den vom Kohle-Ausstieg betroffenen Regionen. Die Regierung vernachlässigt die Verpflichtung, sich um das Wohl Aller zu bemühen. Bewusst ignoriert wird dabei die vielfache wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Klimawandel nur zu bewältigen ist, wenn jetzt gehandelt wird. Und genau das fordern Rezo und die Beteiligten an der Friday-for-Future-Bewegung.

Der Physiker Christian Thomsen leitet die TU Berlin seit 2014.
Der Physiker Christian Thomsen leitet die TU Berlin seit 2014.Foto: David Ausserhofer/promo

Kein Video gegen die CDU, sondern gegen die Behäbigkeit der etablierten Parteien

Das Rezo-Video ist auch kein Video gegen die CDU, sondern eines gegen das behäbige und vermeintlich an Wählerstimmen orientierte Verhalten der sogenannten etablierten Parteien. Sie berufen sich auf die am Anfang einer Legislaturperiode verhandelten Koalitionsverträge, anstatt entstehende Notwendigkeiten und Interessen der Gesellschaft aufzugreifen, parlamentarisch zu diskutieren und zu handeln.

Und im Gegensatz zu den konventionellen Kommunikationskanälen wie Fernsehen und  Zeitung erreicht das Video innerhalb von wenigen Tagen mal schnell 10 Millionen Zuschauer. Was haben die traditionellen Medien falsch gemacht, und warum nehmen so viele über das Rezo-Video die kommunizierten und zitierten Fakten der Wissenschaft wahr?

Besser vorbereitete und qualifizierte Politiker

Es fragt sich aber auch, was die Universitäten und die Wissenschaften anders oder besser machen können, damit ihre soliden Ergebnisse nicht einfach von den Entscheidungsträgern in der Politik ignoriert werden? Der Austausch der Wissenschaft mit der Gesellschaft wird in Zukunft wichtiges Element von Wissenschaftskommunikation sein, so wie es sich die Technische Universität Berlin und die Berliner Universitätsallianz auf die Fahnen geschrieben haben.

Nun, man kann auch Einiges an dem Video kritisieren. Die gezeigten kläglichen Auftritte der Drogenbeauftragen oder der Regierungssprecher sind Zeichen der Überforderung und der Nicht-Befassung mit dem Thema durch die Verantwortlichen. Sie sind aber nicht charakteristisch für die Parteien. Vielmehr rufen solche Auftritte nach besser vorbereiteten und qualifizierten Politikern, die sich mit den wichtigen gesellschaftlichen Themen ernsthaft befassen und für die Parteien arbeiten und damit für uns Bürger handeln.

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