Ein Semester in Berlin kostet 25 000 Dollar

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US-Studenten : Berliner Campus, amerikanische Disziplin
Exklusive Einblicke. Auch an den Berliner Universitäten besuchen die Gäste aus den USA Kurse, hier an der Humboldt-Uni.
Exklusive Einblicke. Auch an den Berliner Universitäten besuchen die Gäste aus den USA Kurse, hier an der Humboldt-Uni.Foto: Susanne Cholodnicki

Andererseits arbeiten amerikanische Universitäten daran, ihre Studenten für den internationalen Markt vorzubereiten. Immer wieder fällt das Stichwort „Globalisierungsdruck“. Das Vokabular, mit dem sie hier hantieren, ist ohnehin recht ökonomisch eingefärbt. Obwohl ein Auslandsaufenthalt noch teurer ist als ein Studium auf amerikanischem Boden, heißt es auf der Webseite des American Institute for Foreign Study (AISF), dass man es sich es heute „nicht mehr leisten“ könne, nicht ins Ausland zu gehen. Weil die Planung eines solchen Aufenthalt zeitraubend ist, bieten die Unis ihren Studenten einen Rundum-Service an. Die Berliner New York University (NYU) betreibt für diese Zwecke ein Wohnheim und bietet fast alle Seminare auf Englisch an.

In Deutschland, wo Eigenaufwand und kulturelle Reibungen als Teil der Auslandserfahrung gelten, werden solche „Inselprogramme“, wie die amerikanischen Außenstellen traditionell heißen, gerne belächelt. Das Heer von Betreuern (manchmal fliegen gar die eigenen Professoren mit), diese unbedingte Vereinbarkeit: Keiner versteht so recht, warum jemand derart abgeschirmt ein Jahr im Ausland verbringen möchte. Dass man 25 000 Dollar für ein Universitätssemester zahlt wie in Duke, kann sich hierzulande aber auch niemand vorstellen.

Robin Curtis, die bis zum Frühjahr Filmkurse an der NYU in Berlin gegeben hat, kennt die deutsche Kritik gut. Den amerikanischen Isolationismus in Berlin findet sie nicht unproblematisch, aber sie schätzt auch die Vorteile der Inseln. Die Kanadierin ist 1986 auf eigene Faust nach Berlin gekommen, um Germanistik zu studieren. „Klar, durch das ganze Organisieren habe ich richtig Deutsch gelernt“, sagt sie. Aber weil sie alles selbst besorgen musste – von der Aufenthaltsgenehmigung bis zur Immatrikulation –, hat sie im ersten halben Jahr „praktisch gar nicht studiert“.

NYU, Duke und vor allem die UC haben auf die Kritik reagiert und bieten auch Kurse an den Berliner Unis an. Curtis sagt aber auch, dass die „study abroad“-Programme ein Betreuungsverhältnis böten, „von dem deutsche Unis nur träumen können“. Wenn sie mit ihrem Kurs den Heimatbegriff im deutschen Film besprach, hörten ihr 15 Studenten zu, aufmerksam, diskussionsfreudig. „Oxford-Verhältnisse.“

Betreuung bedeutet auch, dass ein Mathekurs geschaffen wird, wenn ein Student noch ein paar Punkte in Mathe braucht. Curtis weiß von einem Kollegen, der einen einzigen Studenten unterrichtet – eine großartige Erfahrung, auch für den Wissenschaftler. Ähnlich war es bei Thomas Silvers, dem letzten Herbst auffiel, dass er noch ein Praktikum brauchte. Beim Abschiedsessen (Flammkuchen und Kartoffelsuppe) erzählt er, dass Jochen Wohlfeil einen einzigen Anruf brauchte, um ihm die Stelle in Adlershof zu besorgen.

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