Grenzenlos studieren? Widerspruch auch in der Linkspartei

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Zwangsexmatrikulation : Zu langsam: FU Berlin wirft Studenten raus
Politisch aktiv. Patrick Luzina, Ex-FU-Student, will wieder rein.
Politisch aktiv. Patrick Luzina, Ex-FU-Student, will wieder rein.Foto: Thilo Rückeis

Die FU hingegen beruft sich auf ihre Satzung für Studienangelegenheiten. Danach müssen Studierende aller Studiengänge in ein Beratungsgespräch, wenn sie einen Studienabschnitt um mehr als zwei Semester überschritten haben. Den Studierenden wird eine Frist gesetzt. Ihre „persönlichen Umstände“ müssen dabei berücksichtigt werden.

Luzinas Fall dürfte nun Wasser auf die Mühlen vieler FU-Studierender sein. Seit Monaten kämpfen sie gegen die Pläne zu einer neuen Rahmen- und Studienprüfungsordnung (RSPO) der FU. Diese neue Ordnung soll die bisher geltende FU-Satzung ablösen, die gerade auf Luzina angewandt wird. Doch auch der neuen RSPO nach sollte es verpflichtende Beratungen für langsame Studierende, Auflagen und die Möglichkeit der Exmatrikulation geben – wie gehabt unter Berücksichtigung „persönlicher Umstände“. Studierendenvertreter haben jedoch immer wieder erklärt, die Studierenden blieben so von der Willkür der beratenden Professoren abhängig. Nach vielen Protesten gelang es FU-Studierenden im Juni, die „Zwangsberatung“ und die „Zwangsexmatrikulation“ aus dem RSPO-Entwurf zu kippen. Wird die RSPO im Wintersemester verabschiedet, kann es einen weiteren Fall Luzina an der FU nicht mehr geben – dann heißt es wie früher: Jeder nach seiner Façon.

Grenzenlos studieren? Das wünschen sich nicht alle Studierenden. So forderte die Junge Union gerade erst die Abschaffung der Asten, weil sie ein Auffangbecken für Bummelstudenten seien. Aber sogar in der Linkspartei gibt es Stimmen gegen ein anything goes: „Die Gesellschaft stellt für einen Studienplatz viel Geld zur Verfügung, sie hat auch Anforderungen“, hat der Berliner Abgeordnete Wolfgang Albers einmal klargestellt: „Der Studienplatz ist kein Privatbesitz.“

Luzinas Anwalt Matthias Trenczek hat dem Studenten empfohlen, sofort gegen die Exmatrikulation zu klagen. Er glaubt, dass er gute Chancen hat, wieder an die FU zurückzukehren. Denn solange man ein rechtliches Interesse am Studium geltend machen kann – also wie Luzina wirklich weiterstudieren will – gibt es in Trenczeks Augen keinen Grund für das Gericht, der Uni Recht zu geben. Auch die Auflagen, die die FU Luzina gemacht hat, hält der Anwalt für zweifelhaft.

Die Zahl der gegen ihre Exmatrikulation Klagenden liegt jährlich „im niedrigen einstelligen Bereich“, heißt es aus der FU. Üblicherweise kommt es zwischen der FU und dem Kläger zu einem außergerichtlichen Vergleich. Darauf hofft auch Luzina. Er dürfte weiterstudieren, müsste aber die Kosten des Verfahrens tragen.

Anfang September ist Luzina von seinem Sprecheramt bei Campus Grün zurückgetreten. Er will jetzt „erst mal studieren“. Sein Diplom-Studiengang läuft 2016 aus. Bis dahin schafft er es locker, sagt er. Er hat ja jetzt 30 Stunden mehr Zeit.

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