Auf den Spuren von Beethoven in Berlin : Dickes B an der Spree

Einmal nur war Ludwig van Beethoven in Berlin, im Sommer 1796. Viele Orte in der Stadt erinnern an den Komponisten - und Berlin feiert seinen 250. Geburtstag.

In Berlin erinnern Straßen, eine Schule und ein Hotel an Beethoven, außerdem das Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmal im Tiergarten.
In Berlin erinnern Straßen, eine Schule und ein Hotel an Beethoven, außerdem das Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmal im Tiergarten.Foto: imago / Pemax

Für Richard Wagner wurde 1903 im Tiergarten ein riesiges Monument erschaffen, mit einer überlebensgroßen Statue des Musikdramatikers, der von Charakteren seiner Opern umringt wird. Auch für Ludwig van Beethoven gibt es im östlichen Teil der Parkanlage ein Denkmal – das aber muss er sich mit Mozart und Haydn teilen.

Es entstand ein Jahr nach der Wagner-Weihestätte und nimmt sich im Vergleich bescheiden aus: Die drei Wiener Klassiker sind jeweils nur als Halbfiguren zu sehen, darüber halten immerhin drei Putten einen vergoldeten Lorbeerkranz in die Höhe. Dabei ist keinesfalls Richard Wagner der meistgespielte Komponist der Welt, sondern Ludwig van Beethoven, der vor 250 Jahren das Licht der Welt erblickte, was deutschlandweit gefeiert wird und natürlich auch in Berlin (siehe weiter unten).

[Freude schöner Götterfunken! Klassik-Fans aus der Tagesspiegel-Redaktion schildern hier ihre ganz persönlichen Beethoven-Geschichten.]

1926 gab es mal eine Berliner Initiative für ein Solo-Standbild zu Ehren des Komponisten, doch wie so oft in dieser Stadt kam am Ende nichts Konkretes heraus. Einer der Wettbewerbsteilnehmer, der Bildhauer Peter Christian Breuer, konnte seinen Entwurf später immerhin noch in verkleinerter Form realisieren – für Beethovens Geburtsstadt Bonn.

Eine "goldene Dose mit Louisdor gefüllt" von Friedrich Wilhelm II.

Mit 22 Jahren war der aufstrebende Künstler von dort aufgebrochen, um die Wiener Musikwelt zu erobern. Die damals bedeutendste Musikmetropole wurde ihm dann bis zu seinem Lebensende zur Wahlheimat.

Bevor er mit seinen Kompositionen bekannt wurde, war Beethoven bereits als Pianist und Improvisator geschätzt. Und eine der Tourneen, die er als Virtuose unternahm, führte ihn über Prag, Dresden und Leipzig auch nach Berlin.

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Am 20. Mai 1796 registrierten die Zeitungen seine Ankunft – und dass er in einem der ersten Häuser der Stadt, dem Hotel „Paris“ in der Brüderstraße, gar nicht weit vom Schloss, abstieg. Zwei Besuche bei der Sing-Akademie, dem renommierten Chor und Treffpunkt der Kulturbürger, sind belegt. Dabei setzte sich Beethoven auch ans Piano. Zudem war er wiederholt bei Hofe eingeladen, wo er unter anderem zwei frisch komponierte Sonaten für Klavier und Cello vorstellte.

Das geschah nicht ohne Hintergedanken: Denn der preußische König Friedrich Wilhelm II. spielte selber dieses Streichinstrument. Zum Dank erhielt der Musiker „eine goldene Dose mit Louisdor gefüllt“, wie er seinem Komponistenkollegen Ferdinand Ries später berichtete. Ob der König tatsächlich mit dem Gedanken spielte, Beethoven eine Stellung anzubieten, wie manche Biografen vermuten? Und kam es deshalb nicht dazu, weil Friedrich Wilhelm II. im Jahr darauf starb?

Die Originalpartitur der 9. Sinfonie verlässt den Tresor der Staatsbibliothek

Anfang Juli 1796 jedenfalls begab sich der musikaffine Monarch nach Bad Pyrmont. Und weil sich daraufhin auch der Adel auf die Landsitze zerstreute, fielen weitere Auftrittsmöglichkeiten für Beethoven weg, sodass er sich aus Berlin verabschiedete. Die Notendrucke seiner Werke aber verkauften sich auch in der folgenden Saison noch gut in der preußischen Hauptstadt, wie Kirsten Jüngling in ihrem Buch „Beethoven. Der Mensch hinter dem Mythos“ schreibt.

1826, zwei Jahre nach der Wiener Uraufführung, wurde Beethovens berühmteste Komposition – die 9. Sinfonie mit der „Ode an die Freude“ – erstmals in Berlin gespielt, im damals noch neuen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Dort ist heute eine der Pausenhallen nach Beethoven benannt.

Die Originalpartitur der Neunten übrigens wird ab Mitte März in der Berliner Staatsbibliothek zu sehen sein. Sie gehört zu den größten Schätzen des Hauses und verlässt den Tresor kaum jemals. Für die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Genies aber wird eine Ausnahme gemacht. Auch Manuskripte zur Oper „Fidelio“ und zur „Missa Solemnis“ werden gezeigt, ebenso wie die Konversationshefte, die der taube Beethoven brauchte, um mit seinen Besuchern kommunizieren zu können.

Fünf Berliner Straßen sind nach Beethoven benannt, in Wilhelmsruh, Mahlsdorf, Lichtenrade, Biesdorf sowie im Lankwitzer Komponistenviertel. Es waren sogar mal sieben, doch die Beethoven-Straße im Tiergarten, die das Kronprinzenufer mit der Flaniermeile „In den Zelten“ verband, wurde 1963 dem Park zugeschlagen, während jene in Köpenick seit 1935 Birnbaumer Straße heißt.

Infizierte sich Beethoven in Preußen mit der Krankheit, die ihn taub machen sollte?

In Lankwitz, aber nicht im Komponistenviertel, befindet sich auch das Beethoven-Gymnasium. Die Oberschule trägt seit 1954 den klangvollen Namen des Komponisten, unter den Abiturientinnen und Abiturienten des Gymnasiums haben es der SPD-Politiker Kevin Kühnert, die Historikerin Benedicte Savoy und der Sportjournalist Hajo Seppelt selber zu medialer Prominenz gebracht.

In einem weniger bürgerlichen Kiez, an der Hasenheide nämlich, findet man seit 1999 das Hotel „Ludwig van Beethoven“, ein Drei-Sterne-garni-Haus mit 68 Zimmern, das mit seiner „ruhigen und doch zentralen Lage“ wirbt.

Für die Namenswahl hat Inhaber Per Reul eine gute Erklärung: Er ist gebürtiger Bonner und war dort jahrzehntelang als Hotelier aktiv. Als die Entscheidung fiel, dass die Hauptstadt vom Rhein an die Spree verlegt wird, beschloss er, auch in Berlin ein Hotel zu eröffnen – das er als guter Lokalpatriot natürlich nach dem berühmtesten Sohn seiner Heimatstadt benannte.

Dass sich Beethoven 1796 in Preußen jene Krankheit eingefangen hat, durch die er schließlich taub wurde, wie manche Biografen vermuten, bestreitet Kirsten Jüngling in ihrer Musiker-Biografie. Zwar klagte der Komponist nach der Rückkehr aus Berlin über Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag, doch einen „Flecktyphus“ will die Autorin darin nicht erkennen. Der hätte nämlich sofort zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens führen müssen. Erste Symptome einer Schwerhörigkeit aber bemerkte Beethoven erst ab 1798.

Veranstaltungstipps: Beethoven in Berlin erleben

Deutschlandweit wird 2020 der 250. Geburtstag Beethovens gefeiert, auch in Berlin. Mit einem Kinderfest feiert das Musikinstrumentenmuseum am 23. Februar den Komponisten. Am 27. Februar spielt Starpianist Lang Lang im Konzerthaus das 2. Klavierkonzert zusammen mit dem Orchestre de Paris unter der Leitung von Christoph Eschenbach.

Und am 29. Februar sowie am 1. und 8. März interpretieren Pinchas Zukerman und Daniel Barenboim Beethovens Sonaten für Violine und Klavier im Pierre Boulez Saal.

Vom 12. bis 18. März präsentiert die Akademie der Künste mit dem „Labor Beethoven 2020“ experimentelle Lesarten seines Werks, mit Konzerten, Lecture-Performances, Musiktheater und einer Ausstellung. Mehr Infos unter www.bthvn2020.de.

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