Aus der Kinotraum : Cinestar im Sony-Center droht Schließung

Lange war es eines der gefragtesten Kinos der Stadt - nun soll das Cinestar im Sony-Center geschlossen werden. 120 Mitarbeiter könnten davon betroffen sein.

Schon Spiderman klebte an der Wand des "Cinestar" Kinos im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte.
Schon Spiderman klebte an der Wand des "Cinestar" Kinos im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte.Foto: Thilo Rückeis

Das erste Mal hatte sich Spider-Man 2002 unterm Zeltdach des Sony-Centers durch die Lüfte geschwungen, zwei Jahre später war er wieder da. Klar, nicht der echte Peter Parker, nicht mal Darsteller Tobey Maguire, nur eine aufgeblasene Gummipuppe, aber als Premierendekoration imponierend.

Auch das Trojanische Pferd war nicht echt, als Wolfgang Petersen und Brad Pitt 2004 dort den Start ihrer Illias-Version feiern ließen, und nicht flugtauglich waren die dort gelandeten Zwei- und Dreidecker, als Matthias Schweighöfer in „Der Rote Baron“ vors Premierenpublikum trat. Von dem 2008 anlässlich der Premiere von „10.000 BC“ seinen Rüssel schwingenden Riesenmammut ganz zu schweigen.

Das Kino Cinestar am Potsdamer Platz hatte sich seit der Eröffnung des Sony-Centers im Januar 2000 zu einem der gefragtesten Premierenkinos der Stadt entwickelt, die Stars gaben sich dort zeitweise die Klinke in die Hand, bejubelt von ihren Fans – ein vertrautes Bild, von dem man sich möglicherweise bald verabschieden muss: Laut einer Meldung des rbb soll das Multiplex-Kino Ende des Jahres geschlossen werden, so habe es Verdi-Gewerkschaftssekretär Jörg Reichel gegenüber der rbb-„Abendschau“ am Montag gesagt.

Von der Kinokette kein Kommentar

Für die Nachnutzung gebe es den Informationen nach noch keine konkreten Pläne. Es seien Wohnungen und Büroräume im Gespräch. Wie Reichel dem Sender weiter sagte, seien 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Schließung betroffen. Gestern seien rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Cinestar in den Streik getreten, die Vorführungen liefen aber weiter, hieß es in der „Abendschau“. Von der Kinokette Cinestar, die in etwa 50 deutschen Städten vertreten ist und sich derzeit mit Verdi in einem Tarifkonflikt befindet, war keine Stellungnahme mehr zu erhalten. Bei der „Abendschau“ hieß es, der Betreiber sei auf Anfrage nicht zu erreichen gewesen.

Das im Untergeschoss gelegene Cinestar mit seinen acht Sälen und 2276 Sitzplätzen nimmt in Berlins Kinolandschaft nicht nur durch seine Tradition als Premierenkino eine besondere Stellung ein. Als eines der wenigen in der Stadt zeigt es Filme ausschließlich in der – englischen – Originalsprache. Aus der rbb-Meldung geht nicht hervor, ob auch das Imax-Cinestar im Obergeschoss von der offenbar drohenden Schließung betroffen ist.

Erhebliche Einbuße an Möglichkeiten für Berlinale

Eine Schließung würde aber nicht nur die Freunde originalsprachiger Filme und die Autogrammjäger betreffen, sondern ebenso die Berlinale. Eine Stellungnahme des Festivals war am Montag nicht zu erhalten, doch würde die Schließung des Kinos für das Festival, zu dessen traditionellen Orten das Cinestar längst gehört, eine erhebliche Einbuße an Abspielmöglichkeiten bedeuten. Auch bei der Berlinale im vergangenen Februar wurden dort wieder Filme aus den Sektionen Panorama und Forum gezeigt.

Das Ende des zentral gelegenen Cinestar als eines der wichtigsten Berlinale-Kinos dürfte daher der neuen Festivalleitung einiges Kopfzerbrechen bedeuten – zumal das angedachte Filmhausprojekt als unfinanzierbar und damit tot gilt und auch der Mietvertrag mit dem Musicaltheater am Potsdamer Platz nur noch bis 2022 läuft. Die Berlinale ist dort nur Untermieter. Hauptmieter ist die Stage Entertainment, aber auch nur noch bis 2022.

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