Berlin-Pankow : Jugendliche wehren sich gegen Dealer-Verdacht

Die Berliner Polizei wollte vermeintlichen Drogenhändler in der Tram kontrollieren, dann eskalierte die Situation.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und Polizisten, die in der Nacht zu Sonnabend an einer Tramhaltestelle auf der Danziger Straße in Prenzlauer Berg aneinandergeraten waren, ist laut Polizei durch den Anruf eines nicht näher beschriebenen Zeugen ausgelöst worden. Demnach solle in der Tram ein Dealer gesessen haben, der zuvor in der Warschauer Straße mit Drogen gehandelt habe. Aus der Tram sei den ihr folgenden Beamten von einem jungen Mann der Stinkefinger gezeigt worden.

An der Haltestelle holten sie den 16-jährigen aus dem Waggon, die Situation eskalierte: Der junge Mann wehrte sich, ein 17-jähriger soll einen Beamten auf den Hinterkopf geschlagen haben, kurz danach lagen beide Jugendlichen auf dem Boden. Eine Gruppe von 20 bis 30 Personen sei hinzugekommen, habe die Beamten bedrängt, Reizgas sei eingesetzt, eine 18-Jährige wegen versuchter Gefangenenbefreiung festgenommen worden.
Von Drogenfunden ist im Polizeibericht nicht die Rede.

„Nehmen Sie die Hände von meinem Scheißhandy, das ist keine Straftat.“

Aus der Gruppe der Jugendlichen kommen nun Vorwürfe, die Beamten hätten unverhältnismäßig gehandelt. Der 16-Jährige sei aus dem Waggon gezerrt worden. Hätte man den Grund für die Überprüfung genannt, wäre sicher nichts passiert, sagte ein Mitglied der Gruppe dem Tagesspiegel. Ein anderes schickte ein Video: Viel Aufregung, über zwei Personen kniende Beamte, keineswegs bedrohlich drum herumstehende Jugendliche, aus dem Off eine Stimme, an einen Beamten gerichtet, der das Filmen unterbinden will: „Nehmen Sie die Hände von meinem Scheißhandy, das ist keine Straftat.“ Sie seien alle gerade von einer Party gekommen, hätten den Einsatz als unbegründet und nicht nachvollziehbar empfunden. Dealer seien sie keine.

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