• Berliner Club Griessmühle muss schließen: Techno-Club hofft auf Gespräch mit Eigentümern
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Berliner Club Griessmühle muss schließen : Techno-Club hofft auf Gespräch mit Eigentümern

Mehrere Lokalpolitiker sprechen sich für Verbleib des bekannten Clubs aus. Darunter auch Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel.

In Berlin sind viele Clubs vom Aussterben bedroht. (Symbolfoto)
In Berlin sind viele Clubs vom Aussterben bedroht. (Symbolfoto)Foto: Sophia Kembowsk/dpa

Um die drohende Schließung des Techno-Clubs Griessmühle doch noch abzuwenden, hoffen die Betreiber auf einen Dialog mit den Eigentümern. Alle Versuche, mit der „S Immo AG“, einer Aktiengesellschaft der Österreichischen Sparkasse, über eine mögliche Verlängerung des Mietvertrags ins Gespräch zu kommen, seien bislang gescheitert, sagte Michaela Krüger vom Griessmühlen-Team am Dienstag bei einer Sitzung des Kulturausschusses der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung.

Auch das Bezirksamt stellt sich an die Seite der Clubbetreiber. „Nicht nur der Club und seine Partys, auch das vielfältige Kulturangebot in der Location direkt am Kanal war in den letzten Jahren eine zunehmende Bereicherung für unseren Bezirk. Die perfekte Lage - weitgehend isoliert, entfernt von Wohnbebauung und gleichzeitig direkt an der Ringbahn gelegen - ist ein wichtiges Argument in Zeiten, in denen viele Clubs schon geschlossen wurden oder in Gefahr sind“, schrieb Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) in einem Facebookpost.

Auch Klaus Lederer appelliert an Investor

Die zuständigen Stadträte für Kultur und Stadtentwicklung, Karin Korte (SPD) und Jochen Biedermann (Grüne), baten die „S Immo“ in einem gemeinsamen Brief um eine Vertragsverlängerung. Auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) appellierte laut Angaben seines Sprechers in einem Brief an den Investor.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) appellierte auf Twitter an den Eigentümer, den Standort zu sichern. Das Abgeordnetenhaus soll sich nächste Woche mit dem Thema beschäftigen. Die CDU-Fraktion brachte etwa einen Antrag ein, der den Senat dazu auffordert, "kurzfristig eine geeignete landeseigene Fläche als neuen Standort für den Club Grießmühle" zu finden und diese Fläche langfristig zu sichern.

Ein Telefonat mit der „S Immo“ sei am Dienstag ohne Ergebnis geblieben, sagte Biedermann dem Tagesspiegel am Mittwoch. Am 21. Januar soll ein weiteres Gespräch zwischen dem Investor und der Berliner Clubcommission, an dem auch der Grünen-Abgeordnete Georg Kössler teilnehmen will, stattfinden.

Er finde die Verweigerung der „S Immo“ äußerst unprofessionell, sagte Griessmühlen-Gründer David Ciura dem Tagesspiegel. „Hier hängen ja auch Existenzen dran, ich bin Geschäftsmann und mache den Club nicht zum Spaß in meiner Freizeit am Wochenende“, sagte Ciura.

Kaufanfragen von Seiten der Griessmühle seien ignoriert worden

Eine Sprecherin der „S Immo AG“ erklärt auf Anfrage, dass die Griessmühlen-Betreiber nicht um einen Gesprächstermin gebeten und auch keine Kaufinteressenten für das Grundstück vorgeschlagen hätten. Das sei "absurd", sagt David Ciura. Vielmehr würden direkte Anfragen vonseiten der Griessmühle und auch potentiell interessierter Käufer einfach ignoriert.

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Parallel verweist die Sprecherin der „S Immo“ darauf, dass es keinen direkten Mietvertrag mit der Griessmühle gebe. Das bestätigt auch Ciura: Er gab es lediglich einen Untermietvertrag mit einer Logistikfirma. Bislang sei der Kontakt zur „S Immo“, sofern es einen gegeben habe, auch meist über diese Firma gelaufen. Dass der Vertrag ab Februar womöglich nicht verlängert wird, sei auch bereits bei der letzten Vertragsunterzeichnung im Sommer 2019 angedeutet worden. Allerdings soll ein Vertreter der „S Immo“ im mündlichen Gespräch eine mögliche Duldung über diesen Zeitpunkt hinaus angedeutet haben.

Ob das Grundstück verkauft wird, ist noch unklar

„Was uns vor allem stört, ist, dass von uns vorgeschlagene Investoren nicht angehört werden, obwohl die zum Teil sogar bereit wären, mehr als den geforderten Kaufpreis für das Gelände zu zahlen“, sagt Ciura. Dem Vernehmen nach soll das Grundstück in der Sonnenallee 221, das die „S Immo“ vor vier Jahren für 2,3 Millionen Euro erworben haben soll, nun für rund den zehnfachen Wert veräußert werden. Ciura will zwei Investoren gefunden haben, die den Fortbestand der Griessmühle für bis zu zehn Jahre garantieren würden.

Ob das Grundstück wirklich verkauft werden soll, ist laut Angaben der „S Immo“ selbst allerdings noch gar nicht klar. Aktuell würden verschiedene Möglichkeiten geprüft, zu denen auch ein Verkauf gehöre, erklärt die Sprecherin der Aktiengesellschaft. Gespräche mit potenziellen Käufern würden allerdings bereits geführt. Im November erteilte der Bezirk eine Baugenehmigung für das Grundstück. Auf dem Gelände sollen demnach Bürohäuser, Lofts, ein Workshop-Gebäude und eine Community Hall entstehen. Mit den bauvorbereitenden Maßnahmen soll „zeitnah“ begonnen werden, teilt die „S Immo“ mit.

„Ich will keinen Druck aufbauen, ich will eine gütliche Einigung“, sagt David Ciura. Er hofft auf eine Duldung bis zum tatsächlichen Baustart auf dem Gelände. Innerhalb der verbleibenden zwei Wochen eine Alternativfläche für den Club zu finden, sei schlicht unmöglich, sagt Ciura. Mit einer Unterschriftenkampagne und Berichten in österreichischen Medien wollen die Griessmühlen-Betreiber die breite Unterstützung für ihren Club demonstrieren. Die Zeit wird knapp.

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