• Berliner Förderplattform „Draußenstadt“: Sieben Millionen Euro für Open-Air-Kultur im Winter

Berliner Förderplattform „Draußenstadt“ : Sieben Millionen Euro für Open-Air-Kultur im Winter

Wie Söder, Schröder und Platzeck: Kultursenator Klaus Lederer zieht die Gummistiefel an, um die Kultur zu retten – mit der „Draußenstadt“.

Übers Wasser gehen kann selbst Klaus Lederer nicht, aber die Kultur will er retten.
Übers Wasser gehen kann selbst Klaus Lederer nicht, aber die Kultur will er retten.Foto: Moritz van Dülmen

Wenn Politiker die Gummistiefel auspacken, wird es fast immer symbolisch. Markus Söder (CSU) zog sie 2011 an der Donau an, Matthias Platzeck (SPD) wurde 1997 zum „Deichgrafen“ an der Oder, Gerhard Schröder (SPD) verteidigte 2002 seine Kanzlerschaft in Gummistiefeln an der Elbe. Das Zeichen immer: Hier kommt ein Retter!

Am Donnerstag zog Kultursenator Klaus Lederer (Linke) die Gummistiefel an – und watete durch das Regenwasserrückhaltebecken des früheren Flughafen Tempelhofs. Zwischen Schilf und Stockenten lautete seine Botschaft: Berlins Kultur wird auch über den Pandemie-Winter gerettet.

Dabei helfen soll die neue Plattform „Draußenstadt“, die der Senat mit sieben Millionen Euro fördert. Sie stellte Lederer gemeinsam mit Vertretern der Club- und Kulturszene in der Floating University, einem Umwelt-Experimentier-Projekt neben dem Tempelhofer Feld, vor.

Über die neue Plattform sollen künstlerisch-soziale Projekte und Initiativen gefördert werden, die Veranstaltungen und Räume in der Pandemie schaffen. Im Fokus stehen Aktivitäten, die im Freien stattfinden. „Draußenstadt“ soll aber auch für die Erschließung des öffentlichen Raums jenseits der Innenstadtbezirke stehen.

Am 3. Oktober ist "Tag der Clubkultur"

Man könne mit Sofort- und Liquiditätshilfen die Kulturszene unterstützen, sagte Lederer. „Aber wir können nicht die Pandemie einfach wegmachen.“ Auf Kunst und Kultur wolle man trotzdem nicht verzichten, und der sicherste Ort dafür sei coronabedingt draußen. Auch in den Wintermonaten wolle man deshalb Open-Air-Kultur fördern. So soll beispielsweise am 3. Oktober ein Tag der Clubkultur stattfinden, bei dem sich 40 Clubs auf Freiflächen und mit strengen Hygienekonzepten in der ganzen Stadt präsentieren können.

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Konkret steht das Förderprogramm auf drei Stufen: Der Großteil des Geldes, rund vier Millionen Euro, geht an die Plattform „Draußenstadt“, die von den Kulturprojekte Berlin koordiniert wird. In zwei Wochen sollen sich Interessierte unbürokratisch für die Förderung bewerben können. Vorgesehen sind Anträge bis zu 5000 Euro, in Ausnahmen auch mehr. Hunderte Projekte, auch im kommenden Jahr, würden damit gefördert, versprach Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin.

1,5 Millionen Euro um Freiflächen zu beleben

Zudem bekommen die Bezirke je 100.000 Euro zur Bewilligung kleiner Kiezprojekte. 1,5 Millionen Euro erhält die Initiative „Urbane Praxis“ des Rats für die Künste. Sie sollen genutzt werden, um Räume für Kunst und Kultur zu erschließen. „Schon vor der Pandemie war eine der größten Bedrohungen der Stadt das Verschwinden öffentlicher Freiflächen“, sagte Sabine Kroner vom Rat der Künste. Dabei brauche es mehr Raum zum Ausprobieren und zur Begegnung. Dafür sei man auf das Wohlwollen der Bezirke angewiesen.

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Nach diversen illegalen Raves und Parkverschmutzungen im Sommer hatten sich viele Bezirksbürgermeister zuletzt skeptisch geäußert. Es sei nach wie vor nicht ganz einfach mit den Bezirken, gab auch Lederer zu und äußerte Verständnis für Nachbarschaftskonflikte.

Er wolle aber Ängste abbauen. „Da bricht nicht die Welt zusammen, wenn mal zwei Tage in einer Grünanlage oder auf einem Parkplatz was los ist.“ Er werbe für mehr Experimente, sagte er und zog sich die Gummistiefel an.

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