Berliner Statistik : Migranten fallen in der Schule noch weiter zurück

Berlins Schulstatistik bleibt das, was sie immer war: Ein Spiegel der sozialen Lage in den Bezirken. In Neukölln gibt es mehr als dreimal so viele Abbrecher wie in Pankow.

Im Wartestand. Jugendliche ohne Abschluss finden sich meist im Jobcenter wieder - dauerhaft.
Im Wartestand. Jugendliche ohne Abschluss finden sich meist im Jobcenter wieder - dauerhaft.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Anteil der Berliner Schüler ohne Abschluss bleibt auf hohem Niveau: Wie schon im Vorjahr haben knapp zehn Prozent der Schulabgänger noch nicht einmal die einfache Berufsbildungsreife erreicht. Dies geht aus der Antwort auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor. Demnach lag der Anteil der Schüler ohne Abschluss bei den Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) sogar bei knapp 16 Prozent gegenüber knapp sieben Prozent bei den Schülern, die zu Hause Deutsch sprechen (dH). Die Zahlen beziehen sich auf das Schuljahr 2016/17.

Das aber bedeutet, dass sich die Ergebnisse der Schüler aus Migrantenfamilien weiter verschlechtert haben, denn vier Jahre zuvor hatten unter ihnen nur zwölf Prozent den Abschluss verpasst, wie damals aus einer Anfrage Langenbrincks hervorging. Im Jahr drauf, 2014, waren es 14,7 Prozent.

Das Bezirksgefälle ist - wie in den Vorjahren - aufgrund der sozialen Unterschiede erheblich: In Pankow verfehlten nur knapp fünf Prozent (4,7) %) den Abschluss, in Neukölln fast 17 Prozent (16,9). Dazwischen liegen Steglitz-Zehlendorf (5,1), Tempelhof-Schöneberg (6,2), Treptow-Köpenick (6,6), Lichtenberg (8,7 %), Charlottenburg-Wilmersdorf (8,8), Friedrichshain-Kreuzberg (11,3), Reinickendorf und Mitte (je 11,6), Marzahn-Hellersdorf 12,8), und Spandau (14,9).

Die Abiturquote liegt zwischen 32 und 65 Prozent

Das Abitur wurde berlinweit von 45 Prozent des Jahrgangs erreicht, aber nur von einem Drittel der ndH-Schüler gegenüber 52 Prozent der dH-Schüler. Mit dem Mittleren Schulabschluss verließ ein knappes Drittel die Schule, der Rest hatte die einfache oder erweiterte Berufsbildungsreife.

Die Abiturquote lag in Steglitz-Zehlendorf mit fast 65 Prozent am höchsten, in Marzahn-Hellersdorf mit knapp 32 Prozent am niedrigsten. Dazwischen liegen Charlottenburg-Wilmersdorf (58,5), Tempelhof-Schöneberg und Pankow (je 45), Mitte (42,4), Friedrichshain-Kreuzberg (41,2), Treptow-Köpenick (40,6), Spandau (40,3) und Neukölln (36,3). In drei Bezirken verlässt jeder fünfte ndH-Jugendliche die Schule ohne Abschluss: Das betrifft Spandau, Marzahn-Hellersdorf und Neukölln.

Gegenden, in denen Schulen relativ machtlos sind

An der Spitze der Schulen mit hohem Anteil von Abgängern ohne Abschluss steht denn auch seit Jahren die Neuköllner Kepler-Schule, eine ehemalige Hauptschule, die ohne Fusion mit einer Realschule ihren Weg finden musste: Rund 30 Prozent bleiben hier 2016 auf der Strecke. In der Region ist es unverändert schwierig, Schüler aus bildungsnäheren Elternhäusern anzuziehen. Auch die - in der Nähe gelegene - Rütli-Schule, die sogar eine gymnasiale Oberstufe anbieten kann, seit über zehn Jahren im Fokus steht und alle Register zieht, musste sich 2016 bei einem knappen Fünftel ihrer Zehntklässler geschlagen geben.

In einer sozial ähnlich schwierigen Gegend wie Hellersdorf gibt es Schulen mit ähnlichen Befunden, etwa die Jean-Piaget-Schule mit 22 Prozent Abgänger ohne Abschluss oder die Mozart-Schule mit 18 Prozent. Die Zahlen von 2017 waren in den Schulporträts im Internet noch nicht eingestellt.

Millionenschwere Reformen scheinen zu verpuffen

Die gleichbleibend hohen Anteile von Schülern ohne Abschluss sind umso alarmierender, als der Senat seit Jahren etliche aufwändige und teure Reformen vorgenommen hat, um die Abschlussquoten zu verbessern. Auch von der Abschaffung der Hauptschule hatte man sich mehr Effekte in dieser Hinsicht erhofft, zumal die Sekundarschulen Ganztagsangebote machen. Auch das millionenschwere Bonusprogramm dient dem Ziel, den Nachteil im sozialen Brennpunkt wenigstens etwas auszugleichen. Im Herbst hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein neues Indikatorenmodell vorgestellt, das Schulen helfen soll, Schwachpunkte besser erkennen und bekämpfen zu können.

Gerade erst hatten die neuen Ergebnisse der Vergleichsarbeiten der Drittklässler gezeigt, dass es nicht voran geht.

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