Berliner Stiftungswoche : Eine neue Gerechtigkeitsdebatte anstoßen

Wem gehört die Stadt? Das ist das Motto der 10. Berliner Stiftungswoche im April. Am Mittwoch wurde diskutiert, wie politisch Stiftungen sein dürfen.

Wem gehört die Stadt. Graffiti an einer Hauswand in der Bergmannstraße in Kreuzberg.
Wem gehört die Stadt. Graffiti an einer Hauswand in der Bergmannstraße in Kreuzberg.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Wem gehört die Stadt?“, lautet das Motto der 10. Berliner Stiftungswoche, die vom 2. bis 12. April an wechselnden Veranstaltungsorten stattfindet. Über 100 Stiftungen zeigen in dem Zeitraum in rund 150 Veranstaltungen, woran sie arbeiten, und wofür sie sich einsetzen.

Wie politisch dürfen Stiftungen sein?

Das Motto führte beim jährlichen Stiftungsdinner im Max Liebermann Haus am Mittwochabend rasch zu der Frage, wie politisch Stiftungen sein dürfen und sollten. Es sei gar nicht möglich, nicht politisch zu sein, sagte Selmin Caliskan, Direktorin für Institutional Relations bei den „Open Society Foundations“. Weltweit sind sie der größte private Förderer von Initiativen, die sich für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Demokratie einsetzen. Gegründet wurden sie von George Soros, der seit 1984 insgesamt 32 Milliarden Dollar aus seinem persönlichen Vermögen gespendet hat.

Letztes Jahr haben die Open Society Foundations ihren regionalen Hauptsitz von Budapest nach Berlin verlegt wegen des zunehmend repressiven politischen Umfeldes in Ungarn. Damit sind sie auf Anhieb Berlins größte Stiftung geworden. Derzeit fördern sie rund 50 Projekte in Deutschland mit 1,5 Millionen Euro. Damit die Projekte nicht abhängig würden, beschränke sich die Förderung auf 33 Prozent der benötigten Mittel, sagte Selmin Caliskan. Schon die Frage, wie man einen Kindergartenplatz fürs Kind bekommt, sei politisch, und auch eine bewusst unpolitische Stiftung offenbare eine Haltung. „Uns ist es wichtig, dass es eine gesunde öffentliche Debatte gibt.“

Mitwirkung der Zivilgesellschaft

Die thematische Ähnlichkeit des Mottos der 10. Stiftungswoche zur Langzeitrecherche „Wem gehört Berlin?“, die der Tagesspiegel zusammen mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv im vergangenen Herbst startete, sei zufällig, sagte der Geschäftsführer der Stiftungswoche, Stefan Engelniederhammer. Man habe das erst nach der Entscheidung über das diesjährige Thema bemerkt.

Für ihn ist das gleichwohl ein Zeichen, dass das Thema hochaktuell ist und den Puls der Zeit trifft. In den vergangenen Jahren sei man immer wieder überrascht worden, wie kreativ gerade auch kleinere Stiftungen mit den gesetzten Themen umgehen, und was für eine Diskussionsvielfalt dabei entstehe. Ohne Mitwirkung der Zivilgesellschaft würden Probleme wie explodierende Mieten und Gentrifizierung nicht zu lösen sein. Es soll aber auch eine neue Gerechtigkeitsdebatte angestoßen werden, und es soll um Kultur und Freiräume in der Stadt gehen.

www.berlinerstiftungswoche.eu

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