Berlins Kampf gegen das Coronavirus : Covid-19-Klinik benötigt 800 Mitarbeiter

Ex-Landesbranddirektor Albrecht Broemme soll in der Halle 26 der Messe Berlin ein Ad-hoc-Krankenhaus errichten. Geplant sind 1000 Betten.

Erfolgreiche Katastrophenschutzübung im Emil-von-Behring-Krankenhaus in Berlin 2019 - nun brauchen alle Kliniken mehr Personal.
Erfolgreiche Katastrophenschutzübung im Emil-von-Behring-Krankenhaus in Berlin 2019 - nun brauchen alle Kliniken mehr Personal.Kai-Uwe Heinrich

Der Ausbau der geplanten Covid-19-Klinik startet nächste Woche. Das sagte Albrecht Broemme, Leiter des Projekts und Berlins einstiger Landesbranddirektor. Die Ad-hoc-Klinik soll in Halle 26 auf dem Messegelände entstehen und „Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße“ heißen. Die schwersten Fällen würden in den dort 1000 geplanten Betten nicht behandelt, sagte Broemme, man rechne dennoch mit massivem Bedarf. Die Klinik werde keine eigene Küche haben, sondern mit Essen beliefert.

Personal aus Reha-Kliniken und Hochschulen?

Unklar ist noch, ob in Berlin ausreichend Fachpersonal angeworben werden kann. Die Krankenhausgesellschaft hatte frühere Pflegekräfte und Ärzte aufgerufen, sich in Kliniken zu melden. Broemme sagte, er rechne damit, im Schichtsystem der Covid-19-Klinik würden bis zu 800 Mitarbeiter gebraucht: „Wir werden Personal von dort anwerben, wo es gerade nicht im Dienst ist. Beispielsweise aus Reha-Kliniken, die derzeit oft geschlossen sind.“ Zudem kämen Ärzte und Pflegekräfte infrage, die bislang als sogenannte Belegkräfte von den etablierten Krankenhäusern für planbare, große Operationen zugebucht wurden.

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Alle planbaren, nicht drängenden Eingriffe sind in Berlins Kliniken verschoben worden, um Ressourcen freizuhalten. Womöglich, sagte Broemme, könnten Medizinstudenten auf Basis des Infektionsschutzgesetzes zu Diensten herangezogen werden.

Amtshilfeersuchen an Bundeswehr soll bald rausgehen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhöht derweil den Druck auf die Bundesländer, polnische Studienabschlüsse deutscher Mediziner anzuerkennen. Die Landeszulassungsbehörden sind letztlich nicht an Bundesweisungen gebunden, dürften ihre Praxis aber überdenken. Hiesige Behörden erteilen deutschen Absolventen polnischer Medizin-Fakultäten seit 2019 nicht mehr automatisch Approbationen. Grund ist die neue EU-Richtlinie über die Qualifikationsanerkennung, die so ausgelegt wird, dass in Polen vorgeschriebene Extrazertifikate auch für später in Deutschland tätige Ärzte verpflichtend seien.

Broemme sagte auch, die genaue Rolle der Bundeswehr, die ihre Hilfe angeboten habe, werde bald festgelegt: Ein entsprechendes Amtshilfeersuchen sei bislang weder gestellt noch nötig – formal werde das Ersuchen demnächst von Innensenator Andreas Geisel (SPD) eingereicht. Auch mit Blick auf nötige Utensilien und Arzneien sei er vorsichtig optimistisch, sagte Broemme, man werde sie beschaffen können. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) wird Broemmes Plan bald den Abgeordneten vorstellen: Am Mittwoch tagt Berlins Hauptausschuss, der das Geld für die Covid-19-Klinik freigeben muss.

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