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Das Kraftwerk Reuter West ist Berlins größter Verbraucher von Steinkohle.

© dpa / dpa/Carsten Koall

Tagesspiegel Plus

Berlins wichtigster Energieversorger: Vattenfall kauft keine russische Kohle mehr

Der Konzern sucht neue Lieferanten für seine Kraftwerke. Nicht alle kommen in Betracht. Fürs Erste sollen Vorräte die Wärmeversorgung sichern.

Berlins größter Energieversorger Vattenfall bezieht keine Kohle mehr aus Russland. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher am Sonntag dem Tagesspiegel. Zuvor hatte der RBB darüber berichtet. Man suche jetzt alternative Lieferanten und sei dabei, Steinkohle aus anderen Ländern zu testen. Das sei nötig, weil es je nach Herkunft Unterschiede beim Verbrennungsprozess und den Emissionen gebe. Woher der Ersatz perspektivisch kommen soll, hänge auch vom Preis ab.

Engpässe sind nach Angaben von Vattenfall nicht zu erwarten: Man habe sich bevorratet. Mit welcher Kohle, war am Sonntag nicht zu klären, allerdings war es wohl mindestens teilweise noch russische, die vor dem Überfall auf die Ukraine bestellt worden war.

Von den neun großen Heizkraftwerken, die Vattenfall in Berlin betreibt, werden fünf mit Gas befeuert, das ebenfalls überwiegend aus Russland stammt, und zwei mit Steinkohle. Die genauen Mengen sind nicht publik, aber die Größenordnung lässt sich anhand des Kohlendioxid-Ausstoßes errechnen: Die 1,58 Millionen Tonnen CO2, die das Umweltbundesamt für 2019 fürs Kraftwerk Reuter West angibt, entsprechen knapp 600.000 Tonnen Steinkohleverbrennung.

Vattenfalls zweiter Kohlemeiler, das Heizkraftwerk Moabit, blies 369.000 Tonnen CO2 in die Luft, was knapp 140.000 Tonnen verbrannter Steinkohle entspräche. Allerdings wird dort in geringem Umfang auch Biomasse verbrannt. Vattenfall-Wärme-Chefin Tanja Wielgoß hatte kürzlich den Steinkohleausstieg bis 2030 bekräftigt. Die Verbrennung der noch klimaschädlicheren Braunkohle im Berliner Heizkraftwerk Klingenberg hatte das Unternehmen bereits 2017 beendet und das Kraftwerk an der Spree auf Gasbetrieb umgerüstet.

Den Verzicht auf Erdgas ab 2040 bezeichnete Wielgoß als „extrem ambitioniert“. Das Gas durch Öl zu ersetzen, sei nur kurzzeitig realistisch, aber keine Alternative im Fall eines längeren Embargos. Rund ein Drittel der Berliner Haushalte erhalten Fernwärme von Vattenfall. Der Strom, den die Kraftwerke gleichzeitig produzieren, wird ebenfalls direkt in der Stadt verbraucht, könnte aber im Unterschied zur Fernwärme auch aus anderen Regionen beschafft werden.

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