Chef von Berlin Partner lenkt ein : Stefan Franzke stößt private Beteiligung ab

Berlins oberster Wirtschaftsstandortwerber hatte privat in ein Berliner Start-up investiert - und dann dafür geworben. Nun räumte er Fehler ein.

Stefan Franzke ist seit 2014 Geschäftsführer der Berlin Partner.
Stefan Franzke ist seit 2014 Geschäftsführer der Berlin Partner.Foto: Promo

Stefan Franzke, Berlins oberster Wirtschaftsstandortwerber, war am Montag Zeuge einer eher unangenehmen Sitzung des Aufsichtsrates seiner Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, deren Geschäfte er seit 2014 führt. Bei dem turnusgemäßen Treffen des Kontrollgremiums, das drei bis vier Mal im Jahr zusammenkommt, ging es nämlich nicht um eine neue Marketingstrategie oder einen Tarifvertrag für die Beschäftigten. Zu Franzkes Unmut war ein privates Investment, das er getätigt hat, kurzfristig auf die Tagesordnung geraten.

Anlass war ein Bericht der „Morgenpost“. Die hatte am Wochenende berichtet, dass „viele Berliner Unternehmen“ kürzlich einen Werbebrief mit einem Grußwort des Berlin-Partner-Chefs erhalten hätten. „Welcome to findervest – greetings from Stefan Franzke from Berlin“ („Willkommen bei findervest, Grüße von Stefan Franzke aus Berlin“), heiß es darin.

Das Pikante: Der zumindest in Kreisen der Berliner Wirtschaft prominente Manager hatte so für eine Firma geworben, an der er persönlich beteiligt ist – wenn auch „nur“ mit einer Einlage in Höhe von 7500 Euro, wie es hieß. Findervest betreibt eine englischsprachige App, die Start-ups und Kapitalgeber zusammenbringen möchte – ähnlich einer digitalen Flirtplattform. Mit an Bord ist offenbar auch Berlin Partners Abteilungsleiter für Start-ups, Christian Herzog.

Das Blatt zitierte Aufsichtsratsmitglieder, darunter den Vorsitzenden Jürgen Allerkamp, Chef der landeseigenen Förderbank IBB, mit Kritik an „diesen Aktivitäten“. Franzke hatte sich für eine derartige Finanzbeteiligung die Erlaubnis von Allerkamps Vorgänger, dem Medizintechnik-Unternehmer Andreas Eckert, eingeholt. Vor diesem Hintergrund habe der promovierte Maschinenbauingenieur Franzke die Kritik nach einer ersten Anfrage Ende vergangene Woche noch zurückgewiesen, wie es hieß.

Nach drei Nächten Drüberschlafen hat Franzke, der sich bisher mit keinerlei Vorwürfen dieser Art konfrontiert sehen musste, offenbar seine Meinung und Strategie korrigiert. Laut Teilnehmerkreisen habe er in der Aufsichtsratssitzung am Montag seinen Fehler eingestanden und die Mitglieder und speziell den Vorsitzenden Allerkamp für das Verhalten um Entschuldigung gebeten.

„Anschein möglicher Interessenskonflikte“ vermeiden

Offiziell teilte das Gremium nach der Sitzung in einer kurzen Stellungnahme lediglich mit, dass Franzke angeboten habe, sein privates Beteiligungsengagement zu beenden, „um so auch schon den Anschein möglicher Interessenkonflikte zu vermeiden“. Der für Franzke erlösende Satz lautete: „Damit kann die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie ihre erfolgreiche Arbeit für Berlin fortsetzen.“

Dem Vernehmen nach hat Franzke auch seinen Abteilungsleiter Christian Herzog angewiesen, sich von der Beteiligung an dem Start-up zu trennen. Es war die Notbremse. In Kreisen des Aufsichtsrates wunderte man sich gleichwohl, wie erfahrene und von vielen für seine Erfolge geschätzte Manager in diesem Fall das Gespür für die Situation verlieren konnte.

Kritisch sah man auch, dass Franzke und Herzog offenbar Adressen der Empfänger dieser Werbemail aus ihren LinkedIn-Profilen generiert haben. Diese Kontakte der Microsoft-Plattform für berufliche Kontakte haben sie ja nur wegen ihrer Funktionen als Berlin-Partner-Manager gefunden, hieß es.

So scheint ein Thema abgeräumt zu sein, bevor es zu einer ernsthaften Gefahr für Franzkes Position werden konnte. Er wird also weiterhin in Sakko, Turnschuhen und mit meist bester Laune Berlins Spitzenpolitiker bei größeren Auslandsreisen begleiten, um für den Standort Berlin zu werben. Im Mai war er mit Michael Müller (SPD) in Tokio, im September begleitet er Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) nach New York und Boston.

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