• „Das ist einfach unvernünftig“: Osterfeuer sind in Brandenburg ein großes Risiko

„Das ist einfach unvernünftig“ : Osterfeuer sind in Brandenburg ein großes Risiko

Die Waldbrandgefahr in Brandenburg ist hoch, viele Osterfeuer wurden daher abgesagt. Die Folgen der anhaltenden Trockenheit für die Wälder sind kaum absehbar.

Feuerwehr löscht Brand in der Nähe von Groß Kreutz (Kreis Potsdam-Mittelmark)
Feuerwehr löscht Brand in der Nähe von Groß Kreutz (Kreis Potsdam-Mittelmark)Foto: dpa/Julian Stähle

„Das ist einfach unvernünftig“, sagt ein Cottbuser Waldbesitzer: „Selbst wenn die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr das Osterfeuer absichern… Vielleicht brennt es ja gleichzeitig anderswo und sie sind dann nicht da, wo sie gebraucht werden.“

Seinen Namen will der Mann nicht nennen, er habe sich wegen seiner Meinung schon mit den Nachbarn zerstritten, sagt er. Die seien der Ansicht, dass „Osterfeuer etwas ganz Besonderes und Wichtiges für die Menschen sind und deshalb nicht einfach so abgesagt werden“ dürften. „Einfach so“ ist allerdings reichlich untertrieben. Seit Tagen kommt es in Brandenburg immer wieder zu Waldbränden, sagte der Waldbrandschutzbeauftragter des Landesbetriebs Forst, Raimund Engel, dem Tagesspiegel: „Zum Glück sind es bislang nur kleine lokale Brände mit einer Größe von 100 bis 3000 Quadratmetern.“

So hatte es bis Freitagmittag unter anderem bei Königs Wusterhausen (Landkreis Dahme-Spreewald), bei Übigau-Wahrenbrück und Elsterwerda (Elbe-Elster) und im Schlaubetal (Oder-Spree) gebrannt.

Und das Wetter wird sich über die Osterfeiertage wohl nicht wesentlich ändern. Gerade im Süden Brandenburgs knallte die Sonne am gestrigen Karfreitag vom Himmel als sei es August, aber nicht April. Zwar war die Waldbrandgefahr von den höchsten Stufen vier und fünf etwas herabgesetzt worden, das bedeute jedoch keine Entlastung, sagte Raimund Engel: „Das ist nur aufgrund der etwas höheren Luftfeuchtigkeit geschehen und kann sich schnell wieder ändern.“

In Brandenburg gab es 2019 bereits zwei Dutzend Waldbrände

Insgesamt gab es in Brandenburg in diesem Jahr bereits etwa zwei Dutzend Waldbrände, nachdem 2018 aufgrund der monatelangen Dürre mehr als 1600 Hektar Wald bei rund 500 Feuern zerstört worden waren. Auf die Frage, ob die Situation im Land dramatisch werden könne, antwortete Engel: „Sie ist schon dramatisch. Wir haben bereits jetzt ein aktuelles Defizit in der Niederschlagsmenge. Und wir haben keine Ahnung, wie sich diese nun schon das zweite Jahr anhaltende Dauer-Trockenheit auf unsere Wälder auswirken wird.“

Nicht kommentieren wollte der Waldbrandschutzbeauftragte die Frage, ob es angesichts der dramatischen Lagen nicht sinnvoller sei, auf alle Osterfeuer zu verzichten. „Das ist nun einmal Sache der Kommunen“, sagte er: „Viele haben Klauseln, die sich nach den Waldbrandwarnstufen richten, andere entscheiden von Fall zu Fall, was geht und was nicht.“

Welche Osterfeuer stattfinden, müssen daher Interessierte vor Ort bei den Veranstaltern erfragen. Womöglich wird sogar erst wenige Stunden vor dem geplanten Anzünden entschieden, also am Samstagnachmittag oder -abend. Die Stadt Potsdam hingegen hat bereits jetzt alle Osterfeuer abgesagt. Auch in Neuruppin, Bad Wilsnack, Fürstenberg, Lübben, Bad Liebenwerda, Herzberg und vielen anderen Orten gibt es Verbote. Andere Feuer dürfen bislang unter strengen Auflagen stattfinden. So hat die Stadt Cottbus alle beantragten Feuer genehmigt – wenn entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wie Brandschutzstreifen angelegt werden. Die Polizei wird das wohl eher bedauern, gibt es doch jedes Jahr bei den Osterfeuern auch Ausschreitungen.

Der obligatorische Osterspaziergang am Sonntagmorgen kann allerdings trotz allem in den Wald führen, findet Raimund Engel. Natürlich sollte Rauchen und jegliches andere offene Feuer unterbleiben. Auch liegengelassene Scherben, etwa von zerschlagenen Bierflaschen, können einen Brand entfachen. Andererseits leiste jeder aufmerksame Waldbesucher auch einen Beitrag zur Früherkennung, wenn er ein Feuer entdecke und schnell melde.

In Berlin ist die Situation nicht ganz so dramatisch

Das gilt in besonderem Maße auch für die Berliner Wälder, sagt der Wildtierbeauftragte der Senatsverwaltung für Umwelt, Derk Ehlert. Dort sei die Situation nicht ganz so dramatisch wie in Brandenburg, weil die Wälder in erster Linie der Erholung dienten. „So viele, viele Menschen nutzen sie“, sagt Ehlert. „Und das sind alles potenzielle Brandmelder.“

Unter der extremen Trockenheit leidet allerdings auch die Natur in der Hauptstadt. Das betrifft nicht nur die Pflanzen-, sondern auch die Tierwelt. Wasser fehle, und wenn dann noch vom Menschen verursachter Nahrungsmangel hinzukomme, werde es kritisch. Sogar für den Oster- beziehungsweise Feldhasen, sagt Ehlert. Der leidet als echter Vegetarier am Kräutermangel, hervorgerufen durch Umweltgifte. Deswegen darf er in Berlin im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern nicht gejagt werden.

Sehen kann man Berliner Feldhasen übrigens in der Nähe des Tierparks, in Lübars, Gatow und Kladow. Erkennbar ist das Tier an der Größe und den langen Ohren. Für die Kinder tun es beim Osterspaziergang vielleicht aber auch die „kleinen Helfer des Osterhasens“ – die überall in der Hauptstadt herumhoppelnden Kaninchen.

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