Das Gefühl von Kindheit.

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Dreamhouse eröffnet in Berlin-Mitte : Barbies rosarote Lebenswelt

Ans Bett dürfen die Pressefotografen nicht heran. Anordnung des Herstellers Matell. Selina hält das Armband mit dem Chip gegen die Rückwand des Bettes. Drauflegen will sie sich nicht, die Kissen und Decken sind aufgemalt, das Plastik hart. Am Himmel des Himmelbettes drehen sich Wolken, SELINA, steht da. Aber Selina kann noch nicht lesen.

Barbie - Ein pinkes Traumhaus auf dem Alexanderplatz
Die dreijährige Selina kam mit ihrer Mama Doreen zum Barbie-Haus am Alexanderplatz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 31Foto: Kitty Kleist-Heinrich
17.05.2013 15:17Die dreijährige Selina kam mit ihrer Mama Doreen zum Barbie-Haus am Alexanderplatz.

Sie will viel lieber wissen, wo Barbie aufs Klo geht. Vor der Toilette drückt Selina auf einen Knopf, der Deckel öffnet sich, hinaus springt ein Delfin. Selina erschrickt, weicht zurück.

Nun geht es vorbei an Barbies Kleiderschrank, an- und ausziehen, darum ging es doch immer. Erinnerungen an Barbies mit Rastazöpfen, Jeansjacken und knappen Lederröcken. Auch das Schamgefühl ist wieder da. Die Eltern wollten, dass man mit richtigen Puppen spielt, mit der schwarzen Puppe und dem Puppenjungen, mit Puppen, die von Oma gestrickte Kleider tragen und Fantasienamen haben. Barbie war immer ein Kampf: Herz gegen Verstand.

In kleinen Fenstern stehen Hunderte von Schuhen. Barbieschuhe – Kindheitserinnerungsschuhe. Weiße Pumps, neongrüne Sandalen und immer rutschten sie von Barbies schlanken Füßen. Immer fehlte einer. Immer gab es Streit deshalb.

Da trägt eine Frau – „Friend“ heißt es auf ihrer Brust – Glitzer auf Selinas Wangen und Lidschatten auf, dreht ihr die blonden Locken zur Seite. Neben Selina bekommt eine Vierjährige ihre erste Maniküre. „Schminken nur heute“, sagt Selinas Mama, „wir sind ja hier nicht in Amerika.“ Kurz darauf laufen drei Mädchen in Engelsflügeln über einen schimmernden Laufsteg. Selina will auch, sie klatscht im Takt zur Musik. Aber ihre Mutter hat die Zusatztickets für die „Fashion World“ nicht gekauft, zehn Euro kostet Umziehen und Laufen.

Selina und ihre Mutter kamen geschmückt ins pinke Haus.
Selina und ihre Mutter kamen geschmückt ins pinke Haus.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Dann beginnt sie eine Büste zu kämmen, bringt violette Klammern an, lachsfarbene Bänder. Selinas Mutter fotografiert das Werk. „Für die Arbeit.“ Selinas Mutter ist Frisörin.

Da ist es wieder, das Gefühl von Kindheit. Diese glatten Strähnen, die durch die Finger fallen, zu seidig, um echt zu sein. Manchmal hat man sie aus Experimentierfreude abgeschnitten, bestimmt auch einmal aus Wut, und es dann bereut.

Am Ausgang bekommt Selina ein Barbiekleid und den Barbiekopf zum Kämmen. Komm, sagt Selina, noch mal zum Laufsteg! Ach lass mal. Selinas Mutter ist ein wenig schwindelig. Der Plastikgeruch, das grelle Pink, Barbies Stimme im Ohr. Das Gefühl, erwachsen zu sein.

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