„Engel der Großstadt“ werden ausgezeichnet : Kinder aus Feuer und Wasser gerettet

Am Montagabend zeichnet die Feuerwehr 45 Helfer aus, die in Notfallsituationen eingegriffen haben. Dieses Mal gibt es so viele Helfer wie noch nie.

Idylle am Groß-Glienicker See retteten zwei Helfer ein Kind.
Idylle am Groß-Glienicker See retteten zwei Helfer ein Kind.Foto: Imago

Herr M. sah die lodernden Flammen, er sah die Rauchwolken, er reagierte sofort. In der Wohnung im achten Stock seines Nebenhauses brannte es, gut möglich, dass Menschen in Gefahr waren, er musste sofort handeln.

Wenn die Feuerwehr einträfe, wäre es vielleicht schon zu spät. Herr M. rannte zum Haus, er hetzte in den acht Stock und in die betroffene Wohnung. Dort befanden sich noch vier Kinder, aber keine Erwachsenen.

Herr M. rettete zwei der Kinder, acht und zehn Jahre alt, die anderen Beiden konnte sich selber in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr traf kurz darauf ein, sie löschte die Flammen, doch der Schaden war zu groß. In dieser Wohnung konnte erstmal niemand mehr leben.

Am Montagabend wird den Menschen gedankt

Herr M., der Retter, steht für insgesamt 45 Menschen. Personen, die im vergangenen Jahr eine Notfallsituation erkannt und sofort reagiert haben, Menschen, die Schlimmstes verhütet haben, bevor professionellen Helfer eingetroffen sind, Feuerwehr, Ärzte, Polizei.

Diese Menschen erhalten am Montagabend besonderen Dank. Im Großen Saal der Feuerwehr-Wache Mitte in der Voltairestraße, sind diese 45 Helfer – 13 Frauen, 32 Männer – als „Engel der Großstadt“ ausgezeichnet worden. Die Laudatio auf sie hält unter anderem der Stellvertretende Landesbrand-Direktor Karsten Göwecke. Bei der Zeremonie werden alle Helfer-Geschichten erzählt, auch die von Herrn M.

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45 geehrte Helfer, so viele waren es noch nie. Seit 2010 zeichnet die Feuerwehr „Engel der Großstadt“ aus, die höchste Zahl an Ausgezeichneten hatte es bis jetzt 2015 und 2018 mit jeweils 25 Engeln gegeben.

Neben Herrn M., der die Kinder aus dem Feuer gerettet hat, wird auch Felix am Montag ausgezeichnet. Er und sein Freund gehören zu einem Wettkampf-Team der Schwimm-Gemeinschaft Neukölln.

Am 11. Februar 2019 absolvierten sie ihren üblichen, monatlichen Leistungstest: ein Streckentauchen im Becken eines Hallenbads. Nach 50 Metern tauchte Felix wie geplant auf. Er bemerkte, dass sein Freund nicht neben ihm an die Oberfläche gekommen war und entdeckte ihn Momente später am Beckenboden.

Sofort tauchte Felix wieder ab und zog seinen Partner an die Oberfläche, wo ihm mehrere Trainer zu Hilfe kamen. Die zogen den Freund auf den Beckenrand und leisteten Erste Hilfe. Er hat den Zwischenfall unbeschadet überstanden.

Herr M. und Frau B. retteten ein Kind

Auch bei der Geschichte von Frau B. und Herrn M. handelt es sich um einen Bade-Unfall. Die Beiden badeten Mitte Juni am Großglienicker See, als sie eine alarmierende Entdeckung machten. Ein dreijähriges Kind trieb an der Wasseroberfläche, das Gesicht nach unten, regungslos.

Die Eltern waren nicht zu sehen. Die beiden Erwachsenen brachten das Kind sofort an Land. Das Gesicht des Dreijährigen war bereits blau angelaufen, jede Sekunde zählte jetzt. Herr M. und Frau B. begannen sofort mit der Reanimation. Sie hörten mit ihren Bemühungen erst auf, als Rettungskräfte eintrafen. Ein Rettungshubschrauber transportierte das Kind ins Klinikum Friedrichshain, wo es auf eine Intensivstation gebracht wurde.

Frau I. half einem Fahrradfahrer

Und dann ist da auch Frau I.. Sie ist eine Fahrschullehrerin und war mit einer Fahrschülerin am 3. August 2019 auf der Johannisthaler Chausee unterwegs. Sie beobachtete einen Unfall an der Ecke Johannisthaler Chaussse/Fenchelweg; ein Auto war mit einem Fahrradfahrer zusammen gestoßen.

Der Fahrradfahrer flog durch die Luft und blieb bewusstlos liegen. Frau I. stieg aus und versorgte den Mann. Er wurde wach, sie kümmerte sich darum, dass er ruhig liegen blieb und seine Wirbelsäule schonte.

Kurze Zeit später übernahmen die Feuerwehr die medizinische Betreuung und regelten den Verkehr, damit kein Fahrzeug den Patienten gefährdete. Rettungskräfte brachten den Radfahrer ins Krankenhaus, Frau I. setzte ihre Ausbildungsfahrt fort.

Das sind nur vier der vielen Geschichten, die hinter der Ehrung der „Engel der Großstadt“ stehen.

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