• Heß-Demo in Berlin: Neonazis und Gegendemonstranten treffen in Lichtenberg aufeinander
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Heß-Demo in Berlin : Neonazis und Gegendemonstranten treffen in Lichtenberg aufeinander

Die Gegendemonstranten hatten die Neonazis in Spandau erwartet

Nazi-Demo in Lichtenberg.
Zug der Rechtsradikalen setzt sich in Bewegung.Foto: Frank Jansen

Sie marschieren schweigend. „Keine Parolen“, hatte der Ex-Chef der Berliner NPD, Sebastian Schmidtke, als Losung ausgegeben. Die Demonstranten halten sich dran, klassische Musik klingt aus den Lautsprecherwagen, die Neonazis schwenken schwarz-weiß-rote Fahnen, wollen weihevoll wirken. Die Gegendemonstranten sind gut zu hören. „Haut ab, haut ab!“, rufen sie, und: „Ob Ost, ob West, nieder mit der Nazipest!“ Aus dem offenen Fenster einer Wohnung erschallt der Ton-Steine-Scherben-Song „Keine Macht für niemand“. Doch es sind diesmal nicht genug Nazigegner zur Stelle, um die Rechtsextremisten aufzuhalten.

"Omas gegen rechts", steht auf den Plakaten einiger Gegendemonstranten. Insgesamt sind derzeit rund 1400 unterwegs.
"Omas gegen rechts", steht auf den Plakaten einiger Gegendemonstranten. Insgesamt sind derzeit rund 1400 unterwegs.Foto: Christoph Soeder/dpa

Verwirrspiel um Demostandort

700 Neonazis sind am Sonnabend durch Berlin gelaufen, vom Platz der Vereinten Nationen über die Landsberger Allee nach Lichtenberg. Anders als 2017 in Spandau ist es den Gegendemonstranten nicht gelungen, den Marsch zur Erinnerung an Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß zu blockieren. 1400 linke Demonstranten versammelten sich am Vormittag in Spandau, wo man die Rechten erwartet hatte. „Kein Platz für Nazis“, stand auf Luftballons. Frauen hielten Schilder hoch mit der Aufschrift „Omas gegen Rechts“, auf anderen stand „Spandau bleibt nazifrei“. Die Veranstalter des Aufmarschs hatten zwei Routen angemeldet, eine in Spandau und eine vom Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain zum Bahnhof Lichtenberg. Am Treffpunkt in Spandau, bei einem Seniorenstift, fanden sich am Vormittag jedoch lediglich 40 Neonazis ein. Der Versammlungsleiter sagte die Demo in Spandau ab. Das war offenbar geplant. Die meisten Neonazis fuhren sofort nach Friedrichshain. So waren es die friedlichen Gegendemonstranten, die in Spandau den Vormittag dominierten: mit Luftballons, Transparenten und Trommeln.

Die Neonazis in ihrer "Ersatzuniform": schwarze Hose, weißes Hemd.
Die Neonazis in ihrer "Ersatzuniform": schwarze Hose, weißes Hemd.Foto: Frank Jansen

Gegendemonstranten eilen von Spandau nach Friedrichshain

Etwa die Hälfte von ihnen machte sich dann in Richtung Friedrichshain auf, als sich herumsprach, dass die Neonazis die andere Route laufen würden, die Sebastian Schmidtke,, Ex-Chef der Berliner NPD, angemeldet hatte. Von 14 Uhr an sammelten sich die Rechten am Platz der Vereinten Nationen, gekleidet in Ersatzuniformen, wie im vergangenen Jahr: weiße Hemden, schwarzen Hosen. Offenbar nach dem Vorbild der Nazischlägertruppe SA, die Anfang der 1930er Jahre auf ein Uniformverbot mit dem demonstrativen Tragen weißer Hemden reagierte.

Die Polizei ist vorbereitet: In einem Zelt werden die Demonstranten auf Pfefferspray und Waffen untersucht.
Die Polizei ist vorbereitet: In einem Zelt werden die Demonstranten auf Pfefferspray und Waffen untersucht.Foto: Frank Jansen

Die Polizei war auf das Katz-und-Maus-Spiel vorbereitet

Die Polizei zeigte sich allerdings am Sonnabend auf die Finten der Neonazis gut vorbereitet. 2300 Beamte waren im Einsatz, um Konflikte zwischen Rechten und Linken vorzubeugen. Gegen 15 Uhr setzten sich die Rechten in Bewegung. An der Spitze hielten sie wie 2017 das Transparent mit der Heß-Parole „Ich bereue nichts – Nationale Sozialisten Berlin“. Auf vielen der weißen T-Shirts stand „Mord verjährt nicht“. Gemeint ist die angebliche Ermordung von Heß, der sich am 17. August 1987 im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis erhängt hatte. Die etwa 500 Gegendemonstranten in Lichtenberg schafften es nicht, einen Schwerpunkt zu bilden, um den Aufmarsch zu stoppen. Vereinzelte Rangeleien mit Neonazis stoppte die Polizei. Um 18 Uhr kamen die Rechten am Bahnhof Lichtenberg an, die Demonstration endete mit markigen Ansprachen. Da die Neonazis in diesem Jahr marschieren konnten, ist zu erwarten, dass sie es auch 2019 wieder probieren.

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