Hitze-, UV- und Ozonbelastung in Berlin : „Kein sehr guter Cocktail“

Was machen abrupte Temperaturschwankungen mit dem Körper und wie soll man damit umgehen? Ein Interview mit einem Forscher des DWD.

Nach der Hitze am Sonntag kam am Montag der Temperatursturz.
Nach der Hitze am Sonntag kam am Montag der Temperatursturz.Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Am letzten Junitag hat Berlin einen neuen Hitzerekord aufgestellt. In Tempelhof wurden 38,3 Grad gemessen – nie war es in Berlin im Juni heißer. Am Montag sanken die Temperaturen merklich. Was bedeutet das für den Menschen?

Ein Interview mit Andreas Matzarakis, Professor am Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg.

Von Sonntag zu Montag ist die Temperatur in Berlin um fast zehn Grad gefallen. Die meisten nehmen das als Erleichterung wahr. Aber ist nicht auch der abrupte Wechsel eine Herausforderung für den Körper?
Prinzipiell ist der Mensch sehr anpassungsfähig. Das gilt vor allem für einen angenehmen bis leicht unbehaglichen Temperaturbereich. Sogar wenn die Bedingungen sich schon im unbehaglichen Bereich befinden, können die meisten Menschen sich daran anpassen. Für Risikogruppen wie ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen kann es dann aber schwieriger werden. Auch wenn man nicht genau beziffern kann, bis wo die Temperatur als "leicht unbehaglich" einzustufen ist, waren die hohen Temperaturen in den letzten Tagen eine hohe Herausforderung. Da tut eine Abkühlung gut und schafft Erleichterung.

Wenn die Temperatur sich verändert, kann der Mensch sich in Richtung Kälte besser anpassen als wenn es auf einmal wärmer wird: Wenn es über Nacht abkühlt und wir frieren, nehmen wir uns eine Decke. Wenn es heißer wird, gehen uns die Möglichkeiten der Anpassung aus. Daher gibt es bei starker Hitze nach dem zweiten oder dritten Tag meist eine erhöhte Mortalität und mehr Einlieferungen in die Krankenhäuser.

Andreas Matzarakis, Professor am Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg.
Andreas Matzarakis, Professor am Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg.Foto: Privat

Die letzte Woche war also eine besondere Strapaze für den Körper?
Ja, und das nicht nur wegen der Hitze. Hinzu kamen eine Warnung vor einer hohen UV-Strahlung, die der Haut gefährlich werden kann, und eine Warnung vor erhöhter Ozonbelastung, die die Atemwege beeinträchtigen kann. Kein sehr guter Cocktail also.

Haben Sie Empfehlungen, wie man dem Körper den Umgang mit dem Temperaturwechsel erleichtern kann?
Es gilt weiterhin die Empfehlung: Versuchen Sie, die Innenräume in einer behaglichen Temperatur zu halten. Und auch in Bezug auf die Ernährung sollte man schauen, dass man den Körper nicht zu sehr belastet: Also keine schwere Kost essen und genug trinken.

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