House of Music : Es könnte laut werden

Hier spielt die Musik: In der alten Radsatzdreherei auf dem RAW-Gelände ist ein Raum für Musikschaffende entstanden.

Die alte Radsatzdreherei auf dem RAW-Gelände wird zum Co-Working-Space für Musikschaffende.
Die alte Radsatzdreherei auf dem RAW-Gelände wird zum Co-Working-Space für Musikschaffende.Thilo Rückeis

Beim Betreten der riesigen Halle muss sich der Besucher entscheiden: abhängen, quatschen und was beim „House of Music Späti“ trinken – oder „einchecken“? Das weiträumige Foyer erinnert an eine Hotellounge, ist aber der Eingang zu einem neuen Co-Working-Space für Musikschaffende.

Die ehemalige Radsatzdreherei auf dem Friedrichshainer RAW-Gelände wurde seit 2016 aufwendig umgebaut und heißt jetzt „House of Music“. Das gemeinnützige Unternehmen Noisy Musicworld hat 23 Proberäume („Noisy-Rooms“) eingerichtet.

Die Bauarbeiten auf den rund 4500 Quadratmeter großen Nutzflächen auf drei Etagen sind noch nicht endgültig abgeschlossen, doch bis Anfang Juni soll es so weit sein. Dann können auch Räume für Workshops und eine Live-Bühne für etwa 200 Besucher gemietet werden. Neben Noisy sind bereits das Netzwerk Music Pool Berlin und die Musikakademie British Irish Modern Music (BIMM) eingezogen, die Beratung und Bachelorstudiengänge anbieten.

Seit 18 Jahren gibt es Noisy schon in Friedrichshain, das Proben im ehemaligen Standort in der Warschauer Straße kostete bis zu 18 Euro pro Stunde. Die 23 neuen schallisolierten Probeboxen seien zehn Prozent teurer. Gewinnmaximierung sei nicht das Ziel, heißt es, und so wurde das Prinzip der stundenweisen Vermietung beibehalten. „Hier haben die Musiker die besten Bedingungen“, erzählt Noisy-Geschäftsführer Christian Rüsenberg.

Im „Premium-Raum“ der Probeboxen liegen Perserteppiche, darauf stehen Schlagzeuge und Verstärker. Springen die Musiker mal hoch, landen sie auf schwingendem Boden. „Die Boxen sind freischwebend auf 800 Federn“, weiß der Architekt Jens Bauermeister. Durch die zwölf Wandschichten soll kein Ton nach außen dringen.

Der Umbau zum House of Music sei fast doppelt so teuer gewesen wie geplant

Beim Umbau stieß der Architekt auf einige „Überraschungen“. Durch die Halle führten noch Bahngleise. Ausgegraben wurden auch Zugtüren und Ölauffangwannen. Und das hohe Gewicht der Boxen, die auf den Federn schweben, musste auf die begrenzte Tragfähigkeit der 150 Jahre alten Stützen abgestimmt werden. Erhalten wurde die alte Ziegelsteinfassade, ein paar Graffiti erinnern noch daran, wie die seit Mitte der achtziger Jahre leerstehende Halle vor Baubeginn aussah.

Saitenweise. Bei der Eröffnung des House of Music auf dem RAW-Gelände.
Saitenweise. Bei der Eröffnung des House of Music auf dem RAW-Gelände.Foto: Thilo Rückeis

„Fast das Doppelte“ als ursprünglich geplant hat der Umbau gekostet, sagt Cornelius Kurth. An die zwölf Millionen Euro haben die Kurths investiert. Die Kurth-Gruppe erwarb 2015 mehr als fünf der sieben Hektar des RAW-Geländes. Für die Planung des House of Music und die Auswahl der Mieter wurde mit Noisy zusammengearbeitet. Ein Drittel der Mieter wurde noch nicht bekannt gegeben. Laut Kurth stehen sie aber schon fest: Instrumentenhersteller und weitere Künstlermanagements. Leute, die sich für die Community im Haus interessierten.

Gordon Raphael, Musiker und Produzent der Rockband „The Strokes“, wird künftig häufiger in der Halle anzutreffen sein und als Tutor für die BIMM internationale Studierende coachen. Die Räume schnellstmöglich nutzen („I can’t wait getting my hands dirty there“), darauf freut er sich. Schmutzig wird in der Halle dann aber nichts mehr sein.

House of Music, Revaler Straße 99, Friedrichshain. Die Noisy Rooms haben montags bis sonnabends (11 – 0 Uhr) geöffnet, sonntags bis 22 Uhr. Infos: houseofmusic.berlin; noisy-musicworld.com/rooms.

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