Berlin : Hübscher Plan

Am 24. März wird der Geburtstag der EU gefeiert – Berlins Museen laden zur „Nacht der Schönheit“

Philipp Lichterbeck

Was hält Europa zusammen, was eint den Kontinent? Ist es die Bibel, die Erfahrung zweier Weltkriege oder einfach nur die Begeisterung für den Fußball? Die staatlichen Museen zu Berlin sind zu einer ganz eigenen Antwort gekommen: Es ist die Schönheit und die ständige Suche nach ihr. Zum 50. Geburtstag der Europäischen Union am 24. März veranstalten sie daher die Europa-Nacht der Schönheit. Parallel zum Europa-Fest der Bundesregierung werden 14 staatliche Museen am Kulturforum und auf der Museumsinsel von 18 bis 2 Uhr öffnen. Diese sollen zu Kulissen für Tanz- und Musikdarbietungen sowie für Klanginstallationen umfunktioniert werden.

Das Ganze als Nacht der Schönheit zu betiteln, ist natürlich gewagt. Denn was für den einen schön ist, ist für den anderen Kitsch und für den nächsten ganz und gar hässlich. Wohlweislich hat man deswegen das Programm so weit aufgefächert, dass auch notorischen Schönheitsskeptikern das Nörgeln schwerfallen könnte. Die spektakulärste Darbietung findet im Pergamonmuseum statt: Vor dem Pergamonaltar und seinen brutalen Szenen des Kampfes der Giganten gegen die Götter will sich die Tänzerin und Choreografin Sasha Waltz tänzerisch dem Mythos der Kindsmörderin Medea nähern. Unterstützt wird sie von Musikern der Akademie für Alte Musik Berlin und den Sängern des Vocalconsort Berlin. Die Epochen Mittelalter, Barock und Moderne feiern also vor dem Hintergrund der Antike Hochzeit, was man ja auch als Sinnbild für die Geschichte Europas verstehen kann.

Ein Sinnbild für die Vielsprachigkeit des Kontinents hat Armin Petras gesucht. Der noch frische und schon gelobte Intendant des Maxim-Gorki-Theaters will in der Neuen Nationalgalerie eine Klanginstallation mit europäischen Gedichten präsentieren. Welche Dichter und Werke er auswählen wird, weiß man allerdings noch nicht. Hingegen bekannt ist, dass in der Friedrichswerderschen Kirche gegenüber dem Außenministerium der irische Tenor Paul McNamara die Poeme seiner Landsleute James Joyce, W.B. Yates und Thomas Moore singen wird.

Die Schönheit der Großzügigkeit hat die Gemäldegalerie am Kulturforum entdeckt. Sie holt einige äußerst selten zu sehende Kupferstiche aus ihrem Lager – darunter die lichtempfindlichen Werke der Renaissancemaler Lucas Cranach der Jüngere und Peter Paul Rubens. Weil die Veranstalter mit einer Besucherinvasion rechnen, haben sie zum Schutz der Museen die Karten auf 20 000 kontingentiert. Sie kosten im Vorverkauf zehn, ermäßigt sechs Euro.

Das volle Programm im Internet: www.smb.spk-berlin.de

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