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Junge Alternative Berlin : AfD-Jugend: Neuer Vorstand, alte Gräben

Die Junge Alternative Berlin hat einen neuen Vorstand gewählt. Der will "mit provokanten Aktionen" auf die Jugendorganisation aufmerksam machen.

Karten hoch: Mitglieder der Jungen Alternative in Berlin.
Karten hoch: Mitglieder der Jungen Alternative in Berlin.Foto: Robert Kiesel

Inmitten der Diskussion über eine mögliche Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz hat der Berliner Landesverband der AfD-Jugend Junge Alternative (JA) einen neuen Vorstand gewählt. Der bisherige Vorsitzende David Eckert wurde dabei ebenso im Amt bestätigt wie sein Vize Stefan Mörs, einer von drei Stellvertretern Eckerts. An Mörs' Seite wählten die 35 stimmberechtigten Mitglieder Talisa Barfuss und Jan Streeck. Beide hatten bereits zuvor dem Vorstand des 105 Mitglieder zählenden Landesverbandes angehört, Barfuss als Beisitzerin, Streeck als Vize-Vorsitzender.

Moderat und kämpferisch

Eckert, der zuletzt zweimal beim AfD-Landesvorstand hatte vorstellig werden müssen und sich in der Öffentlichkeit um ein gemäßigtes Erscheinen des Landesverbandes bemühte, kündigte einen moderaten und dennoch kämpferischen Kurs an: „Wir werden mit Kreativität, Humor und provokanten Aktionen auf uns aufmerksam machen, um allen Berlinern unter 35 eine politische Heimat zu bieten. Mein Ziel ist es, die letzten Wohlfühlzonen des grünen Spektrums in unserer Stadt aufzumischen. Konservative Ideen sowie Patriotismus sind auf dem Vormarsch, in der Hauptstadt sind wir deren Speerspitze“, so Eckert.

Tatsächlich kann Eckert diese Ziele mit zahlreichen frischen Kräften - darunter der zum stellvertretenden Schatzmeister gewählte Polizist Marc Bernicke - in seinem auf ein Jahr gewählten Landesvorstand angehen. Weil Joel Bußmann und The-Hao Ha auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatten - Bußmann war zuletzt Stellvertreter Eckerts, Ha Beisitzer - dürfte der Druck des AfD-Landesverbandes in seine Richtung zumindest etwas nachlassen. Bußmann und Ha hatten in der Vergangenheit enge Kontakte zu Akteuren der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB) gehalten und wiederholt an Veranstaltungen der Gruppe teilgenommen. Verbindungen zwischen JA und IB hatten dazu geführt, dass der AfD-Jugendverband insgesamt verstärkt in den Fokus des Verfassungsschutzes geraten war. Eine Abspaltung der JA von der Partei stand zur Debatte, initiiert unter anderem durch den Berliner AfD-Landes- und Fraktionschef Georg Pazderski. Frank Scheermesser und Jeannette Auricht, ebenfalls Mitglieder des AfD-Landesvorstandes, beobachteten die Wahl der JA-Berlin vor Ort.

Alte Bekannte

Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass die Grabenkämpfe zwischen moderaten und radikalen Kräften in der JA-Berlin ebenso wenig überwunden sind wie in der Gesamtpartei. Die zur Vize-Vorsitzenden aufgestiegene Talisa Barfuss hatte in der Vergangenheit an Aktionen der IB teilgenommen genau wie Vadim Derksen, einer von fünf frisch gewählten Beisitzern im Vorstand der JA, von denen mehrere dem Lager der Burschenschaften angehören. Zu diesem zählt ganz offensichtlich auch weiterhin Jörg Sobolewski, auch wenn dieser zwischenzeitlich aus der Berliner Burschenschaft Gothia ausgeschlossen wurde. Der IB-Sympathisant und ehemalige Vize-Chef des JA-Bundesverbands tauchte mit einigen Stunden Verspätung ebenfalls auf dem Landeskongress auf, was einzelne Teilnehmer des gemäßigten Lagers als Provokation empfanden. Sobolewski trat dabei selbstbewusst als Strippenzieher des radikalen Burschenschafter-Lagers auf. Die Einschätzung David Eckerts, der Einfluss Sobolewskis in der JA gehe "gegen Null", wurde von dessen Auftreten und dem beinahe herzlichen Miteinander zwischen Sobolewski und einzelnen Mitgliedern des alten und neuen JA-Vorstands konterkariert.

Gemeinsames Sommerfest

Dass der Flügelkampf zwischen beiden Lagern längst nicht entschieden ist, zeigte sich bei der Wahl des vierten Beisitzers im elfköpfigen JA-Vorstand. In die Stichwahl gingen Lennart Schneider und Herbert Mohr, der für die AfD im Abgeordnetenhaus sitzt und sein Wahlkreisbüro für den Landeskongress zur Verfügung gestellt hatte. In der entscheidenden Abstimmung unterlag Mohr - Kandidat des gemäßigten Lagers - mit einer Stimme Unterschied. Der mit 18 zu 17 Stimmen siegreiche Schneider feierte das Ergebnis euphorisch - unter anderem mit Jörg Sobolewski.

Interessante Randnotiz mit Blick auf die Verbindung zwischen JA und IB: Schneider hatte sich - genau wie Jan Streeck - gemeinsam mit dem Chef der IB-Berlin, Robert Timm, auf einem Sommerfest der JA im Jahr 2017 fotografieren lassen. Schneider trug dabei ein Sweatshirt des IB-Labels "Phalanx Europa". Timm wiederum war zuletzt an einer "Aktion" der Identitären gegen die Redaktionen der Tageszeitung "taz" beteiligt.

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