• Keine Großveranstaltungen wegen Coronavirus: Absage des Berlin-Marathons überrascht Veranstalter

Keine Großveranstaltungen wegen Coronavirus : Absage des Berlin-Marathons überrascht Veranstalter

Bis zum 24. Oktober sind Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen in Berlin untersagt. Organisatoren und Erfinder des Berlin-Marathons sind enttäuscht.

Die Straßen werden leer bleiben. Der Berlin-Marathon fällt in diesem Jahr aus.
Die Straßen werden leer bleiben. Der Berlin-Marathon fällt in diesem Jahr aus.Foto: imago

Noch tickt der Countdown für den Start des 47. Berlin Marathons am 27. September auf der Homepage der Veranstaltung, doch offenbar muss Deutschlands größte Laufveranstaltung in diesem Jahr ausfallen. Bis zum 24. Oktober untersagt das Land Berlin zur Eindämmung des Coronavirus alle Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmern. Darunter fällt auch der seit Monaten ausverkaufte Berlin-Marathon mit seinen 44.000 Läuferinnen und Läufern aus der ganzen Welt.

„Wir wollten Planungssicherheit für die Organisatoren von Großveranstaltungen herstellen“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) im Anschluss an die Senatssitzung am Dienstag und erwähnte explizit auch den Marathon.

Geisel: Wäre unfair Veranstalter in Sicherheit zu wägen

„Ich bin absolut überrascht“, sagte Jürgen Lock, Geschäftsführer beim SCC, dem Verein, der den Berlin-Marathon seit 1974 organisiert. Er sei vorab nicht von den Behörden informiert worden und habe die Nachricht aus der Presse erfahren, sagte er am Nachmittag. Lock wollte noch am Abend mit Andreas Geisel (SPD) telefonieren, der als Innensenator auch für Sport zuständig ist.

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Auf Anfrage sagt Geisel dem Tagesspiegel: „Als Sportsenator bedauere ich jedes Sportereignis, das nicht stattfinden kann.“ Der Berlin Marathon sei ein Highlight im Berliner Sportkalender. „Es wäre aber unfair, die Veranstalter in falscher Hoffnung zu wägen und eine Sicherheit zu suggerieren, die es so noch nicht gibt.“

Wurde von der Senats-Entscheidung überrascht. SCC-Geschäftsführer Jürgen Lock.
Wurde von der Senats-Entscheidung überrascht. SCC-Geschäftsführer Jürgen Lock.Foto: imago

Noch vor wenigen Tagen hatte sich der SCC-Geschäftsführer optimistisch geäußert. „Im Moment spricht nichts gegen den Marathon und wir können mit den Planungen nicht bis zum 31. August warten“, hatte Lock dem Tagesspiegel am Sonnabend gesagt. Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten vereinbart, dass keine Großveranstaltungen bis Ende August stattfinden sollten. „Dass der Senat offenbar darüber hinaus handelt, habe ich nicht erwartet“, sagte Lock am Dienstag.

SCC schickt Mitarbeiter in Kurzarbeit

Für den SC Charlottenburg ist die Entscheidung ein harter Schlag. Zuvor hatte der SCC wegen der Coronakrise bereits den Halbmarathon Anfang April mit rund 35.000 Teilnehmern absagen müssen. Die Rückzahlung der Startgebühren läuft noch, die meisten Teilnehmer haben sich offenbar aber für einen Gutschein für einen Startplatz in 2021 entschieden. „Das hilft uns, um liquide zu bleiben“, sagte Lock am Sonnabend. Den Großteil seiner Mitarbeiter hat er bereits in Kurzarbeit schicken müssen. Die Arbeit beschränkt sich aktuell vor allem auf das Abwickeln von Veranstaltungen. Auch der vom SCC organisierte Frauenlauf am 16. Mai, die Team-Staffel vom 3. bis 5. Juni und der City Night Run am 1. August mussten bereits abgesagt werden.

„Das Jahr ist gelaufen“, sagte Jürgen Lock mit Blick auf die Finanzen. Zwar profitiere man davon, konservativ gehaushaltet zu haben, doch die Einnahmeverluste könne man nicht einfach aufholen. Mehr als 44.000 Teilnehmer dürfen beispielsweise beim Marathon laut Regularien nicht an den Start gehen.

Marathon-Erfinder enttäuscht

Enttäuscht äußerte sich auch der Erfinder des Berlin-Marathons Horst Milde. „Ich muss das erst einmal verdauen“, sagte er. 1974 hatte der Tempelhofer den ersten Marathon in West-Berlin organisiert. Lediglich 286 Läufer waren damals gemeldet, die Strecke führte durch den Grunewald. 1981 wurde er dann erstmals als „Stadtmarathon“ ausgetragen und wuchs fortan zum Massenevent. „Vielleicht können wir ja nur das Profifeld laufen lassen“, regte Milde an.

Offiziell abgesagt ist der Berlin-Marathon noch nicht, dafür muss eine Anordnung der verschiedenen Bezirksbehörden beim SCC vorliegen. So lange wird der Countdown noch weiterlaufen.

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