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„Kleinere und gezieltere Projekte“ : „Fridays For Future“ Berlin beschließt neue Strategie

Protestieren wollen sie weiterhin, nur anders. Auf Gewalt wollen die Organisatoren der „Fridays For Future“-Proteste in Berlin weiterhin verzichten.

Saara von Alten
Seit rund einem Jahr demonstriert die Bewegung "Frudays For Future" regelmäßig in Berlin.
Seit rund einem Jahr demonstriert die Bewegung "Frudays For Future" regelmäßig in Berlin.Foto: Jens Büttner/zb/dpa

Die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ hat am Wochenende ein neues strategisches Vorgehen beschlossen. „Wir wollen weiterhin demonstrieren, aber anders“, sagte Franziska Wessel, Mitorganisatorin der „Fridays-for-Future“-Proteste in Berlin. Geplant sei, dass die Bewegung  „mehr in die Bezirke reingehe“, außerdem wolle sich die Protestgruppe künftig einzelne Themen raussuchen, um dann gezielte Kampagnen zu starten, die den „Klimaschutz wirklich voranbringen sollen“.

Franziska Wessel (15) aus Steglitz-Zehlendorf organisiert Friday for Future mit.
Franziska Wessel (15) aus Steglitz-Zehlendorf organisiert Friday for Future mit.Foto: Felix Hackenbruch

„Einfach nur weiter jeden Freitag wie bisher im Invalidenpark zu demonstrieren, das bringe nichts, angesichts des gescheiterten Klimapakets der Bundesregierung“, sagte Wessel dem Tagesspiegel. „Der Frust, darüber, dass wir trotz einjährigem Streik politisch kaum etwas bewirkt haben, ist bei uns groß. Noch nie waren wir vom 1,5-Grad-Ziel so weit entfernt wie heute“.

3,2 Millionen Menschen habe die Bewegung im letzten Jahr auf die Straße gebracht, um für den Klimaschutz zu protestieren. „Angesichts der Menge an Menschen, die mit uns demonstriert haben und in Anbetracht der Aufmerksamkeit, die wir bekommen haben, ist es frustrierend zu sehen, dass die Bundesregierung nichts Einträchtiges unternommen hat, um den Klimaschutz ernsthaft voranzubringen.“ Das Klimapaket der Großen Koalition bezeichnet die Umweltbewegung als „unzureichend“ und „schlechten Kompromiss“.

Künftig werde sich die Berliner Ortsgruppe „kleinere und gezieltere Projekte“ vornehmen, um damit „dann aber auch mehr zu bewirken“. Der Kohleausstieg sei dabei eines der zentralen Themen. Unternehmen könnten dabei in den Fokus geraten. Als positives Beispiel nannte Wessel die „Friday-for-Future“-Proteste gegen den Konzern Siemens, beziehungsweise gegen dessen Mitwirken an einer Kohlemine in Australien. Momentan hat der Konzern aufgrund der enormen Proteste seine Entscheidung dazu vertagt, sich dann aber doch für Adani entschieden.

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Außerdem soll es kleinere Protestaktionen auf Bezirksebene geben. Die Arbeit dazu soll in Bezirksgruppen stattfinden. Momentan sei es aufgrund der Größe der berlinweit organisierten Gruppe, manchmal schwierig Entscheidungen zu treffen oder neue Ideen zu entwickeln und auch umzusetzen.

Druck auf die Bundesregierung ausüben, damit sie ein „besseres Klimaschutzgesetz“ schafft, wollen die Berliner Mitglieder von „Fridays for Future“ natürlich weiterhin. Eben nur mit anderen und kreativeren Strategien.

Nächster Streiktag ist der 24. Januar

Am Samstag hatte sich die Berliner Ortsgruppe von „Fridays for Future“ für Beratungen zusammengetan. Acht Stunden hätten sie zusammengesessen und überlegt, wie es weitergehen soll, sagte Wessel. Dabei sei auch darüber gesprochen worden, ob die Klimaaktivisten künftig radikaler vorgehen sollten – wie beispielsweise die Gruppe Extinction Rebellion. Sitzblockaden oder Straßensperren lehnen die Initiatoren von „Friday for Future“ momentan aber ab.

„Wir sind definitiv eine friedliche und gewaltfreie Bewegung.  Auf unsere Demonstrationen kommen viele Minderjährige, die zum ersten Mal in ihrem Leben politisch aktiv sind, manchmal auch Kindergartenkinder“, sagte Wessel. Von daher hätten sie eine ganz andere „Verantwortung“ als andere Umweltaktivisten.

Den nächsten großen Klimastreik soll es allerdings wieder am 24. Januar geben. Dann ist es genau ein Jahr her, dass die Bewegung zur ersten Großdemonstration aufrief. Rund 10.000 Schüler und Schülerinnen versammelten sich damals lautstark vor dem Bundeswirtschaftsministerium, während innen die Bundesregierung über den Kohleausstieg verhandelte.

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