Kolumne Sonntagsfragen : Wie reagieren auf herablassende Männer?

Ob Kollegen, die beim Gespräch hinterm Schreibtisch sitzen bleiben, oder Autofahrer, die das Fenster herunterlassen, um Frauen anzuranzen. Sollte man Kontra geben?

Eine Frau und zwei Männer stehen zusammen (Symbolbild).
Eine Frau und zwei Männer stehen zusammen (Symbolbild).Foto: Oliver Berg/dpa

"Mich erstaunt es immer wieder, dass es auch im Jahr 2018 Männer gibt, die einen als Frau herablassend behandeln. Ob sie einfach hinter dem Schreibtisch sitzen bleiben, während man in ihrem Büro das Gespräch mit ihnen sucht, oder allen Ernstes das Autofenster herunterlassen, um mich anzuranzen, ich, die „junge Frau“, hätte „schlecht“ geparkt und wohl meinen Führerschein sonst wo „gewonnen“ – solche Exemplare machen mich fassungslos. Soll man ihnen verbal Kontra geben oder sich einfach auf dem Absatz umdrehen? Wenn man nichts sagt, bekommt man Bauchschmerzen." - fragt Karla

Leider fallen einem wirklich schlagfertige Reaktionen oft erst später ein. Aber egal. Ihr Bauch hat Recht, wenn er Ihnen rät, in jedem Fall zu reagieren. Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass ein Mann es unbedingt gelernt und auch verinnerlicht hat, dass er aufstehen sollte, wenn ein Besucher den Raum betritt. Es gab eine Zeit, da es selbstverständlich war, dass er sich erheben sollte, wenn eine Dame den Raum betrat.

Nach wie vor würde ich denken, er kann sitzen bleiben, wenn eine junge Anfängerin, die Praktikantin oder auch eine alte Freundin vorbeischauen. Aber bei einer gestandenen Kollegin, die er nicht allzu persönlich kennt, sollte er aufstehen oder ihr einen Platz anbieten. Tut er das nicht, könnten Sie sich ihrerseits auf einen freien Stuhl niederlassen, zum Beispiel mit dem Hinweis „Ich darf doch, es ist immer besser, auf Augenhöhe zu kommunizieren.“ Ist kein Stuhl da, könnten Sie sich Variationen zum Thema „Es ist mir unangenehm auf Sie/Dich herabzuschauen“ einfallen lassen.

Während man mit Kollegen so umgehen sollte, dass nicht der Rest des Berufslebens in diesem Unternehmen vergiftet wird, also möglichst rücksichtsvoll und auch bei Unarten nicht verärgert, kann man sich bei wild gewordenen Fremden schon deutlichere Reaktionen gestatten. Leute, die das Bedürfnis haben, andere zu belehren und zu maßregeln, obwohl sie sie nicht mal kennen, wollen im Grunde nur kostengünstig ihren Frust und ihre Aggressionen abreagieren.

Das würde ich nicht als „herablassend“ einstufen, sondern einfach als ganz miserables Benehmen. Schlecht geparkt ist immer noch besser, als mit einer schlechten Kinderstube durchs Leben zu gehen. Das sollten Sie die mies gelaunten Aggressoren wissen lassen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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