• Kostenexplosion bei der Staatsoper: Regula Lüscher - die Frau, die die Verantwortung trägt

Die Erfolge und Herausforderungen der Amtsinhaberin.

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Kostenexplosion bei der Staatsoper : Regula Lüscher - die Frau, die die Verantwortung trägt
Regula Lüscher wurde 1961 in Basel geboren. Nach einigen Jahren Tätigkeit in Architekturbüros übernahm sei im Jahr 2000 die Leitung der Stadtplanung im Amt für Städtebau in Zürich. 2007 kam sie nach Berlin.
Regula Lüscher wurde 1961 in Basel geboren. Nach einigen Jahren Tätigkeit in Architekturbüros übernahm sei im Jahr 2000 die...Foto: picture alliance / dpa

Für die verheerende Fehleinschätzung bei der Staatsoper steht sie allein in der Verantwortung: Denn sie ist zuständig für die Abteilung „Hochbau“ in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Mittes früherer Baustadtrat Ephraim Gothe, heute wie sie Staatssekretär in der Bauverwaltung, könnte das auch tun, doch der gewiefte Politstratege hat dankend abgelehnt. Die arbeitsreiche Aufgabe lud man der Eidgenossin Lüscher auf, die eigentlich die Stadt als Ganzes denken und gestalten soll. Und zwar nicht als „Geschmackspolizei“, wie manche das Amt beschreiben, auch wenn diese Kritik eher auf Amtsvorgänger Hans Stimmann, den knorrigen Hanseaten, gemünzt sein dürfte.

Stimmans Werk wollte Lüscher, die in Zürich als niedergelassene Architektin und Stadtbauchefin gearbeitet hatte, nicht einfach fortsetzen. Die Umstände hätten es aber auch gar nicht zugelassen. Als Lüscher ihren Dienst vor fünf Jahren antrat, da lag Berlin in Agonie. Der Baurausch der 90er Jahre war verflogen, die Investoren weitergezogen und die Stadt wegen der Haushaltsnot zum Sparen verdammt. Was aber bleibt einem Gestalter, dem die Mittel zum Gestalten fehlen? Improvisieren, mit Provisorien! Die Öffnung des Tempelhofer Feldes, die Auswahl von „Pionieren“ für temporäre Gärten, für Sport- und Kulturveranstaltungen – das hält sie sich zugute.

Sanierung der Staatsoper Unter den Linden
Große Baustelle. Die Sanierungsarbeiten an der Staatsoper Unter den Linden sind schon lange nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan.Weitere Bilder anzeigen
1 von 27Foto: dapd
09.02.2013 14:47Große Baustelle. Die Sanierungsarbeiten an der Staatsoper Unter den Linden sind schon lange nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan.

Beharrlich bestellt sie das Feld. Wo Stimmann schon mal mit dem Rotstift über Bauzeichnungen fuhr, krittelt sie ruhig aber eindringlich, ist auf Widerspruch gefasst und begegnet ihm geduldig. Innige Feindschaft verbanden große Teile der Architektenschaft mit Stimmann – über Lüscher ist allenfalls zu hören, ihr fehle als „politischer Freelancer“ die Machtbasis, die es braucht, um in den sozialdemokratischen Ränkespielen bestehen zu können. Aber auch jene, die viel in der Stadt bauen und sie loben für ihren Sachverstand, sie gar „Kämpferin für die gute Sache“ nennen, tun dies auch dann noch, wenn Lüscher ihnen sicher geglaubte Aufträge aus der Hand schlägt: Weil die Senatsbaudirektorin Wettbewerbe fordert – und Investors Liebling zurück ins Glied schickt.

Große Gesten darf man nicht erwarten von Regula Lüscher – und so fragt sich mancher, ob die Internationale Bauausstellung jemals über das Stadium von Fachkolloquien und Seminaren hinauskommen wird. Auch die geplanten Neubauten am Tempelhofer Feld scheinen in einer ewigen Planungsschleife gefangen. Stattdessen rief Lüscher jüngst den Ideenwettbewerb für die Zentral- und Landesbibliothek aus, Wowereit-Gedenkbibliothek nennen sie Spötter. Noch so ein Großprojekt voller Risiken.

Daran wird man sie messen – und an der Europa-City am Hauptbahnhof. Dort steht das Meininger-Hotel, jene Bausünde, die eine Debatte über die Mittelmäßigkeit der Berliner Architektur auslöste – und ihr zugerechnet wurde. Zu Unrecht. Ihre Vorgänger genehmigten den Sündenfall. Seitdem entsteht im Quartier kein Neubau mehr ohne Wettbewerb. Das Hochhaus des Öl-Multis Total zum Beispiel. In Berlin wurde weiß Gott schon schlechter gebaut.

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