• Ku'damm-Karree in Berlin-Charlottenburg: Am Ku’damm entsteht ein großer Coworking-Space

Ku'damm-Karree in Berlin-Charlottenburg : Am Ku’damm entsteht ein großer Coworking-Space

Für junge Unternehmen ist die westliche Innenstadt oft zu teuer. Ein Anbieter von Coworking will das mit Büros im Ku'damm-Karree ändern.

Geadelt. So stellt sich Architekt Jan Kleihues das umgestaltete Ku’damm-Karree vor, das jetzt „Fürst“ heißt.
Geadelt. So stellt sich Architekt Jan Kleihues das umgestaltete Ku’damm-Karree vor, das jetzt „Fürst“ heißt.Simulation: promo

Noch ist der Kurfürstendamm wegen der hohen Gewerbemieten kein gefragter Standort für Start-up-Unternehmen – doch das soll sich bald ändern. Denn ins Ku’damm-Karree, dessen Umbau in vollem Gange ist, zieht als einer der Hauptmieter der Berliner Coworking-Anbieter Rent24. Bis zu 900 Untermieter werden sich Büros auf dem Dach des Parkhauses an der Uhlandstraße teilen können. Früher residierte dort die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Nach deren Auszug standen die Penthäuser mit 7000 Quadratmetern Bürofläche und einer 2000 Quadratmeter großen Terrasse lange leer.

Preise wie in Mitte

„Eigentlich ist die Start-up-Szene ja sehr nach dem Osten Berlins orientiert“, sagt Rent24-Chef Robert Bukvic. Bei einem vergleichbaren Angebot sei aber auch die City West attraktiv für Gründer. Die Preise für einen Coworking-Arbeitsplatz sollen hier bei 350 bis 500 Euro pro Monat liegen. Laut Bukvic entspricht das etwa dem Betrag, den Rent24 in Berlin-Mitte verlangt. International hat das Unternehmen mehr als 55 Standorte und expandiert weiter.

In modernisierten Bürobauten auf dem Parkhaus (hinten im Bild) entstehen Coworking-Arbeitsplätze.
In modernisierten Bürobauten auf dem Parkhaus (hinten im Bild) entstehen Coworking-Arbeitsplätze.Foto: Cay Dobberke

Aus dem Karree wird „Fürst“

Auch sonst tut sich einiges im Karree, wie ein Baustellenrundgang am Donnerstag zeigte. Mit Bezug auf den Kurfürstendamm hat der Investor Cells Bauwelt das ganze Projekt in „Fürst“ umbenannt. Der erste Bauabschnitt an der Uhlandstraße soll im Oktober fertig werden.

Außer den Coworking-Büros gehört dazu das umgestaltete Parkhaus, das der Betreiber Q-Park übernimmt. Die Zahl der Autostellplätze sinkt von 1050 auf rund 800. Dafür kommen 1000 Stellplätze für Fahrräder hinzu. Geschäftsführer Norman Schaaf von Cells Bauwelt spricht vom „größten Fahrradparkhaus Berlins“. Zum Konzept gehören auch Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos, ein Fahrradverleih und eine Fahrradwerkstatt. Ebenfalls im Oktober sollen ein Rewe-Supermarkt und ein paar weitere Läden entlang der Uhlandstraße öffnen.

„Story of Berlin“ zieht in den Bunker

Die derzeit geschlossene Ausstellung „The Story of Berlin“ kehrt voraussichtlich im Frühjahr 2020 zurück. Ihre oberirdischen Räume musste sie verlassen, weil sie geplanten Läden im Weg stand. Künftig nutzt die Schau nur noch den unterirdischen alten Atomschutzbunker.

Ende 2022 soll das insgesamt fast 100.000 Quadratmeter große „Fürst“-Quartier nach Entwürfen des Architekten Jan Kleihues komplett sein. Inzwischen liegt auch die Genehmigung für den zweiten Bauabschnitt vor. Dabei geht es um die Ersatzbühne für das Theater am Kurfürstendamm, einen Stadtplatz im Hof, ein Hotel mit 155 Zimmern sowie Geschäfte, Restaurants, Büros, eine Kita und ein Fitnessstudio.

Das bestehende Bürohochhaus erhält eine andere Fassade und wird auch innen modernisiert. Alle bisherigen Mieter müssen dafür raus. Mehrere Radiosender, darunter 104.6 RTL und Jam FM, ziehen in den Bereich an der Uhlandstraße um.

Durchbruch zum Hof. Die alten Ku'damm-Bühnen verschwinden. Nebenan sind ein unterirdisches neues Theater und ein "Stadtplatz" geplant.
Durchbruch zum Hof. Die alten Ku'damm-Bühnen verschwinden. Nebenan sind ein unterirdisches neues Theater und ein "Stadtplatz"...Foto: Cay Dobberke

Vielleicht doch keine Spielbank

Auf der Kippe steht dagegen die Ansiedlung der Spielbank Berlin auf dem Gelände. „Wir führen weiter Gespräche“, sagte Cells-Manager Schaaf, mit einer Entscheidung rechne er in acht Wochen. Anfang 2017 hatte die Spielbank angekündigt, ihren Hauptstandort am Potsdamer Platz zu schließen und 2020 ins Ku’damm-Karree zu verlagern. Nun ist das Vorhaben offenbar ins Stocken geraten. Aus der Verwaltung des Glücksspielbetriebs heißt es dazu nur: „Wir kommentieren dieses Thema derzeit nicht.“

Früher hatte die Spielbank schon einmal in Charlottenburg residiert, nämlich im Europa-Center am Breitscheidplatz. Für den erneuten Umzug war laut Schaaf „eine Vereinbarung“ geschlossen worden, die aber nicht bindend sei. Er habe „natürlich einen Plan B“. So könnten die Flächen für mehr Gastronomie oder ein vergrößertes Fitnessstudio genutzt werden.

Verwaist. Die ursprüngliche Passage im Ku'damm-Karree steht vor dem Abriss.
Verwaist. Die ursprüngliche Passage im Ku'damm-Karree steht vor dem Abriss.Foto: Cay Dobberke

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