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ICC

© dpa

Sanierung: ICC-Architekt will das Haus selbst umbauen

Das ICC soll möglicherweise abgerissen werden. Grund: Es sei unwirtschaftlich. Architekt Ralf Schüler greift in die Diskussion ein. Er lässt sich sein Werk nicht schlechtreden.

Der ICC-Architekt Ralf Schüler erwartet, bei einem möglichen Umbau des Internationalen Congress Centrums beauftragt zu werden. „Ich habe einen guten Urheberrechtsvertrag.“ Wie berichtet, will der Senat nach vorliegenden Gutachten demnächst über die Sanierung entscheiden. Schüler betont, er halte das ICC für das „beste Haus der Welt“ und wüsste nicht, was daran geändert werden sollte. Er habe aber bereits vor 17 Jahren dem Senat vorgeschlagen, das Parkhaus abzureißen und an seiner Stelle einen Erweiterungsbau mit kleinen Sälen zu errichten.

Der Architekt sagt, er habe den Eindruck, das Land Berlin habe den Bau „verkommen“ lassen und suche nun nach Wegen, sich mit Hilfe von Gutachten aus der Affäre zu ziehen. Von Anfang an sei klar gewesen, dass man ein Gebäude dieser Art – „wie auch ein Krankenhaus“ – nicht ohne Subventionen bewirtschaften könne. Derzeit sind das jährlich rund 14 Millionen Euro. Anderseits leiste das ICC gesellschaftliche Dienste, was sich auch an den über 1,5 Milliarden Euro Kaufkraft zeige, die es in die Stadt gebracht habe.

Deshalb sei es eine „große Lüge“, wenn die Messe das ICC als unwirtschaftlich darstelle. Messesprecher Michael Hofer hatte vor kurzem noch einmal darauf hingewiesen, dass einer Bruttogeschossfläche von 152 450 Quadratmetern nur 16 200 Quadratmeter Hauptnutzfläche gegenüberstünden, dass das landeseigene Gebäude „viel frische Luft“ habe und leere Flächen, die zwar für Info- und Austellungsstände genutzt werden könnten, sich aber nicht rentierten. „Fläche muss in Geld umgesetzt werden“, sagte Hofer. Messechef Raimund Hosch hatte in letzter Zeit schon vorgeschlagen, das Gebäude „gewerblich vielseitiger“ zu gestalten und die Hauptnutzfläche auf einen Anteil von 40 bis 50 Prozent zu erhöhen.

Nach Ansicht von Ralf Schüler, 77, lassen sich solche Vorstellungen eher mit einer Messehalle, nicht aber mit einem Kongresszentrum verbinden, in dem die Gäste nach den Veranstaltungen ausreichend Platz für Gespräche haben müssten. Das ICC sei in den siebziger Jahren nach dem damaligen Raumprogramm des Senats entstanden, „unter strengster Aufsicht der Behörden“ und nach geltenden Vorschriften. Die „Riesenflächen“ der Foyers seien damit begründet, dass die großen Veranstaltungsräume mit bis zu 14 000 Plätzen keinen Ausgang nach außen haben und die notwendigen Fluchtwege innen geschaffen werden mussten. Und diese Fluchtwege führten über die Foyers zu den außenliegenden Treppenhäusern. Es gebe also eine Doppelnutzung der Foyers – als Versammlungsraum und Fluchtweg.

Im Übrigen, sagt Schüler, sei das Haus am Messedamm nach internationalen Kongressvorgaben entstanden und dürfe sich deshalb auch Internationales Congress Centrum nennen. Es sei „außerordentlich sparsam, nicht überdimensioniert“ geplant worden. Der Sanierungaufwand sei auch längst nicht so hoch wie in einem früheren Gutachten mit rund 150 Millionen Euro angegeben. Das von Ralf Schüler und seiner Frau Ursulina Schüler-Witte erbaute Bauwerk, inzwischen mehrmals als weltbestes Kongresszentrum ausgezeichnet, war 1979 eröffnet worden. Es kostete eine Milliarde D-Mark.C. v. L.

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