• Mehr Platz für Fußgänger wegen Corona: Berlin prüft „Pop-Up-Gehwege“ auf Straßen

Mehr Platz für Fußgänger wegen Corona : Berlin prüft „Pop-Up-Gehwege“ auf Straßen

Straßenstreifen für Fußgänger umwidmen – das fordert der Grünen-Politiker Gelbhaar. Die Senatsverwaltung erwägt das tatsächlich an „Hotspots“.

Rush Hour auf dem Gehweg. Viele Menschen verzichten jetzt lieber auf öffentliche Verkehrsmittel und sind zu Fuß unterwegs
Rush Hour auf dem Gehweg. Viele Menschen verzichten jetzt lieber auf öffentliche Verkehrsmittel und sind zu Fuß unterwegsFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Senatsverkehrsverwaltung erwägt die Einrichtung von "Pop-Up-Gehwegen". So könnten Berlins Fußgänger in der Corona-Krise mehr Platz bekommen, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Das teilte eine Verwaltungssprecherin dem Tagesspiegel auf Nachfrage mit. Man beobachte "aktuell insbesondere die Entwicklung in den Hotspots des Fußverkehrs", so die Sprecherin. "Es ist möglich, dass dort, wo nach den Lockerungen der Eindämmungsverordnungen wieder größere Herausforderungen bei den Abstandsregelungen entstehen können, auch andere Verkehrslösungen gesucht werden müssen."

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Damit geht die Verkehrsverwaltung auf eine Forderung von Stefan Gelbhaar ein. "Auf den engen Gehwegen im Land, die oft auch noch zugeparkt sind, ist es vielfach schlicht unmöglich, die Corona-Abstandsregelungen überhaupt  einzuhalten", sagt der Sprecher für städtische Mobilität und Radverkehr der Grünen-Bundestagsfraktion. "Der Fußverkehr braucht zur  Einhaltung der Abstandsregelungen mehr Platz - hierfür muss auch die Fahrbahn genutzt werden." Auch die Fußverkehrslobby FUSS e.V. hatte Fußgänger unlängst aufgefordert, zum Einhalten der Abstandsregel im Zweifel auf die Fahrbahn auszuweichen. Enge Gehwege seien aktuell eine "Gefahr für Leib und Leben". Die Polizei Berlin kritisierte diesen Rat: Fußgänger würden damit sich und andere gefährden.

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Deshalb schlägt Gelbhaar nun temporäre Gehwegverbreiterungen analog zu den aufgemalten "Pop-Up-Radwegen" vor. Länder und Kommunen sollten "ad-hoc" breitere Gehwege markieren, temporäre Spielstraßen oder Begegnungszonen und geschützte Wartezonenbereiche für Schlangen vor Geschäften einrichten. Innerorts sollten Fahrbahnen von Nebenstraßen für den Fußverkehr freigegeben werden, der Autoverkehr solle "jederzeit besondere Rücksicht" nehmen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wolle in der Frage zwar nicht selbst tätig werden, so Gelbhaar. "In der Antwort auf meine Mündliche Frage hat das Ministerium aber immerhin erklärt, dass es Gehwegverbreiterungen für  gesetzeskonform hält. Damit haben die Kommunen nun wenigstens ein Hebel  in der Hand."

Friedrichshain-Kreuzberg geht mit Spielstraßen voran

Berlins Senatsverkehrsverwaltung steht dem nun offen gegenüber. Außerdem "unterstützen wir ausdrücklich die aktuellen Angebote" des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, sagte die Sprecherin. Es sei sinnvoll, "während der Pandemie-Lage bestimmte Plätze nur für Fußgänger*innen oder als Spielstraßen freizugeben, um mehr Platz zum Abstandhalten zu schaffen. Wir würden es begrüßen, wenn auch weitere Bezirke, die für die Anordnungen im Nebenstraßennetz zuständig sind, dem Beispiel von Friedrichshain-Kreuzberg folgen."

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Zumindest in Berlins bevölkerungsreichstem Bezirk aber ist das nicht geplant. Pankow habe für Fußgänger und Kinder "mehr Flächen inklusive großzügiger Spielplätze gerade im Ortsteil Prenzlauer Berg und ist auch überwiegend nicht so hochverdichtet wie der Nachbarbezirk", so  Baustadtrat Vollrad Kuhn (B'90/Grüne). "Da wir nicht so gut aufgestellt sind wie das SGA im Nachbarbezirk und auch Straßensperrungen nur nach entsprechenden Vorleistungen und Anordnungen vorgenommen werden können, ist das gegenwärtig keine Option für uns."

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