• Michael Grunst über die Fangemeinde von Union Berlin : „Andere haben ein Parkleitsystem, zu Union geht es durch den Wald“

Michael Grunst über die Fangemeinde von Union Berlin : „Andere haben ein Parkleitsystem, zu Union geht es durch den Wald“

Bezirksbürgermeister Grunst ist Dauerkartenbesitzer bei Union Berlin. Schon 90 Minuten vor dem Derby wird er an seinem Platz stehen.

Michael Grunst trifft sich schon vor dem Spiel an einer Union-Tanke mit anderen Fans.
Michael Grunst trifft sich schon vor dem Spiel an einer Union-Tanke mit anderen Fans.Foto: Promo

[Michael Grunst (Linke) ist seit 2016 Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, wo er seit 1980 lebt. Er ist Dauerkartenbesitzer bei Union]

„Mein erstes Spiel im Stadion an der Alten Försterei? Es war der 25. Mai 1983. Der 1. FC Union gewann gegen Dynamo Dresden mit 2:0. Seither hat mich der Union-Virus gefangen. Union ist ein ganz besonderer Verein: Hier kann man den Zeitgeist vorbeiziehen lassen; im Sinne von nicht jedem Hype hinterherrennen, sich treu bleiben.

Als Dauerkarteninhaber für den Sektor 3 (Block P – Höhe Mittellinie) werde ich mich rechtzeitig mit meinen Freunden auf den Weg machen. Mit der S-Bahn geht’s nach Köpenick. Zwei Stunden vorher treffen wir uns an der Union-Tanke in der Nähe des Bahnhofs. Eine Open-Air-Kneipe, in einer ehemaligen Tankstelle. Nur geöffnet an Spieltagen. Von da aus geht’s zu Fuß durch den Wald.

90 Minuten vor Spielbeginn stehen wir an unserem Platz

Bei Union sagen wir, andere Stadien haben ein Parkleitsystem, zu Union kommt man auf dem Waldweg. An der Alten Försterei angekommen werden Programmhefte, Bratwürste und Getränke geordert, und 90 Minuten vor Spielbeginn stehen wir an unserem Platz im Stadion. Außenstehende schütteln da mit dem Kopf. Wir aber brauchen das, nicht nur um gute Plätze zu haben, sondern um emotional hochzufahren für das, was kommt.

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Gut gelaunt - gut angestimmt, mit Kerze und Liederbuch.Alle Bilder anzeigen
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23.12.2014 22:25Gut gelaunt - gut angestimmt, mit Kerze und Liederbuch.

Wir unterhalten uns dabei über Gott und die Welt. Etwa 30 Minuten vor Spielbeginn ist dann auch der letzte Stehplatz voll.

Fans und Mannschaft laufen sich warm

Die Mannschaften laufen sich warm, die Fans aber auch. Den Rest erledigen der Stadionsprecher Christian Arbeit und Nina Hagen mit der offiziellen Vereinshymne. 18.30 Uhr Spielbeginn: Ausnahmezustand. Über 100 Dezibel Lautstärke erzeugen die Fans. Torjubel, den man noch am BER hört. Eine Mannschaft, die sich zerreißt und gegen Hertha BSC gewinnen wird.

Danach Ehrenrunde; die Fans feiern die Mannschaft. Die Verabschiedung durch den Stadionsprecher: „Und niemals vergessen: Eisern Union!“ Dazu die Musik von Iron Henning. Wir feiern an der Union- Tanke, vielleicht auch in der Altstadt, und gehen glücklich nach Hause. Und niemals vergessen: Eisern Union!“

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