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Nachnutzung von TXL : So könnte die Zukunft Tegels aussehen

Nach Einstellung des Flugbetriebs soll in Tegel die Stadt von morgen entstehen – mit Wohnungen, Wissenschaft und Innovationspark.

Wenn alles nach Plan läuft, muss der Flughafen Tegel 2021 schließen.
Wenn alles nach Plan läuft, muss der Flughafen Tegel 2021 schließen.Foto: picture alliance / dpa

Der Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, Philipp Bouteiller, geht nach wie vor davon aus, dass der neue Flughafen in Schönefeld seinen Betrieb im Herbst 2020 aufnehmen und Tegel entsprechend im Frühjahr 2021 schließen kann. Bei der 9. Öffentlichen Standortkonferenz zur Nachnutzung des Flughafen Tegel sagte er am Dienstagabend  im Technologie- und Innovationspark Humboldthain, auch der Volksentscheid, bei dem es eine Mehrheit für die Offenhaltung von TXL gegeben hatte, könne daran nichts ändern, denn das Abgeordnetenhaus habe ja festgestellt, dass dieser Volksentscheid mit der geltenden Rechtslage kollidiere.

In Tegel würden im sogenannten Schumacher-Quartier an der Ostseite des Flughafens 5000 Wohneinheiten für 10.000 Menschen entstehen, außerdem im Bereich des Forschungs- und Innovationsparks 20.000 Arbeitsplätze. Auf dem Gelände von TXL, von dessen Gesamtfläche von 495 Hektar nur 221 Hektar überbaut würden, wachse eine menschengerechte Stadt der Zukunft, die ein Gegenbild zur Autogerechten Stadt der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sei.

Zusammenarbeit von Forschung und Unternehmen

Die Beuth-Hochschule wolle nach Tegel mit Projekten und Studienrichtungen kommen, die relevant für die Stadt von morgen seien, sagte deren Vizepräsident Hans Gerber auf derselben Veranstaltung. Hier werde an dem geforscht und das entwickelt, was die Menschen in der Stadt von morgen brauchen. Die Nähe zum von Siemens geplanten Campus in Spandau empfindet Gerber als befruchtend, zumal die Beuth-Hochschule seit Jahrzehnten mit Siemens eng zusammenarbeite.

Wie wichtig die Zusammenarbeit von Forschung und Technik und Unternehmen sei, erläuterte Professor Sahin Albayrak von der technischen Universität und deren Projektleiter für angewandte Studien und weltweit anerkannter Spezialist für die Entwicklung des autonomen Fahrens. Er konnte sich eine autonome Fahrverbindung zwischen dem Ernst-Reuter-Platz und dem neuen Campus auf dem TXL-Gelände vorstellen, zumal die TU bereits in der City-West mit Modellen autonomen Fahrens experimentierte. Den größten Heiterkeitserfolg des Abends erzielte Sahin Albayrak mit einer persönlichen Einschätzung: „Wenn ein Auto so intelligent ist, sich am Ernst-Reuter-Platz zurecht zu finden, wird es das auf der ganzen Welt schaffen“.

Für Landesbranddirektor Karsten Homrighausen bietet sich künftig in Tegel nicht nur für die Berliner, sondern auch für alle deutschen Feuerwehren in den dann ehemaligen Hangars ein ideales Übungsfeld im Rahmen der Feuerwehrakademie, die sich um die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrleute in der ganzen Bundesrepublik kümmert.

Konferenzen auch für Laien geeignet

Die Standortkonferenzen zur Nachnutzung von Tegel dienen vor allem dazu, eine interessierte Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Planungen zu unterrichten. Dies geschah von Anfang an sehr professionell, gelingt aber von Mal zu Mal noch anschaulicher. Animierte Grafiken und auf die Informationsbedürfnisse von Laien zugeschnittene Schaubilder geben einen guten Überblick etwa über das künftige, Schumacher-Quartier genannte, Wohngebiet für 10 000 Menschen am Ostende des heutigen Flughafens. In die ehemalige große Maschinenhalle in Humboldthain, die heute von der Technischen Universität genutzt wird, waren am Dienstag fast 500 Menschen gekommen, nach dem Ergebnis von Befragungen zu 80 Prozent Anwohner des Flughafens.

Wie sehr sich aber die Theorien von der modernen Stadt, und die Praxis des Berliner Alltags aneinander reiben, lernten am Abend die Nutzer des Parkplatzes auf dem Gelände. Der einzige Kassenautomat an der Ausfahrt nahm weder Scheine, noch konnte er auf Münzen Wechselgeld herausgeben; die Maschine verlangte korrekte Zahlung. Wer das nicht leisten konnte, hatte Pech – oder musste einen nicht ganz korrekten Ausweg suchen...

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