Newcomer in Berlin : Diese neun Restaurants sollten Sie ausprobieren

In der Auswahl: Ein japanisches Fischrestaurant unter lettischer Führung, authentisch-koreanische Küche, Berliner Klassiker und schottische Bierpunks.

Felix Denk
„Causa Wacker“ heißt dieses Gericht aus dem Nauta in Mitte.
„Causa Wacker“ heißt dieses Gericht aus dem Nauta in Mitte.Foto: promo

1. The Catch

Berlin ist keine Hafenstadt und hat keine Fisch-Tradition – das merkt der Gast vor allem, wenn er Sushi isst und nie über die Stufe „okay“ hinauskommt. Diese Neugründung mit lettischen Wurzeln in den Räumen des sanft verdämmerten „Reste Fidele“ hat offenbar bessere Lieferwege, denn die Fischqualität überzeugt durchweg durch Meeresaroma statt nichtssagender Neutralität, beim Sashimi ebenso wie bei den Nigiri-Sushi und den Rolls in (endlich einmal) hauchdünnem Teig. Poke Bowls und Gutes vom Josper-Grill sind eine angenehme Ergänzung, Mittagsangebote und Kombiteller gibt es, selbstbewusst, nicht. bm
Charlottenburg, Bleibtreustr. 41, täglich ab 12, Sonntag ab 18 Uhr

2. Le Faubourg

Le Faubourg. René Klages, der in Saarbrücken auf Zwei-Sterne-Ebene tätig war und in der „Bleiche“ in Burg nur ein paar Monate bis zum ersten Stern benötigte, ist ein perfektionistischer Filigranhandwerker, der weltweit nach den besten Produkten und Inspirationen sucht und sich keine Sekunde mit regionalen Erwägungen aufhält – damit ist er in Berlin fast schon ein Außenseiter.
Le Faubourg. René Klages, der in Saarbrücken auf Zwei-Sterne-Ebene tätig war und in der „Bleiche“ in Burg nur ein paar Monate bis...Foto: promo

Das ist natürlich kein neues Restaurant, und auch der neue Küchenchef wohnt schon lange in Berlin. Dass er hier aber auch kocht, ist die Nachricht und macht den Unterschied. René Klages, der in Saarbrücken auf Zwei-Sterne-Ebene tätig war und in der „Bleiche“ in Burg nur ein paar Monate bis zum ersten Stern benötigte, ist ein perfektionistischer Filigranhandwerker, der weltweit nach den besten Produkten und Inspirationen sucht und sich keine Sekunde mit regionalen Erwägungen aufhält – damit ist er in Berlin fast schon ein Außenseiter. Wer ihn in Burg erlebt hat, wird einiges wiedererkennen, zum Beispiel das Kalbstatar mit japanischen Aromen, Avocado und marinierten Buchenpilzen oder das confierte Eigelb mit Lardo, Hühnerhaut und geröstetem Blumenkohl. Aber er ist eben auch keiner, der seine betont leichte, geschmacksintensive Küche mit allerhand Umami-Akzenten alle halbe Jahre umschmeißt. Gegenwärtig ist das (noch) zum ausgesprochenen Vorzugspreis zu haben, und auch den sehr günstigen Lunch gibt es noch, allerdings ohne Zutun von Klages.
Schöneberg, im Sofitel, Augsburger Str.41, Mo–Sa 12–15 und ab 18 Uhr

3. Nauta

Nauta, Restaurant in Mitte
Nauta, Restaurant in MitteFoto: promo

Diego Velasquez Jimenez hat im Juli die Nachfolge von Juan Danilo in der Küche übernommen und zeigt nun seine Version der japanisch beeinflussten peruanischen Nikkei-Küche. Mit gemischtem Erfolg: Seine Ceviche sind herausragend komponiert und abgeschmeckt, allen voran das vegetarische mit Melone, Artischocke und Süßkartoffeleis mit einem Hauch Anis. Allerdings wiederholen sich einige Elemente allzu oft und manchmal tendiert Jimenez zum Verkünsteln wie bei Causa Wacker (erstes Foto), einer überdrehten Version des traditionellen Kartoffel-Schichtsalats mit Aal, Chilikaviar, Kabeljau und Calameretti. Immer empfehlenswert ist der Brunch, bei dem neben Ceviche mehr ungewöhnliche Frühstücksideen à la carte serviert werden. kr
Mitte, Kastanienallee 49, Di–Sa ab 18.30 Uhr, Sa/So Brunch 11–16 Uhr

4. Lausebengel

Das Restaurant Lausebengel in Kreuzberg
Das Restaurant Lausebengel in KreuzbergFoto: promo

Der Currywurst widmeten wir schon unsere Seite1, aber auch die anderen geschickt und nicht überdreht renovierten Berliner Klassiker zeugen davon, dass es hier nicht um eine lustige Geschichte, sondern um akkurates Küchenhandwerk geht. Die Idee kam, wie so oft in letzter Zeit, von Kristof Mulack. Am Herd stehen aber Profis, die mit guten Produkten und mit Blick über den Berliner Tellerrand hinaus aus Fischstäbchen, Blutwurstkroketten, Blumenkohl polnischer Art und – besonders gelungen – Forelle Müllerin so etwas wie eine Kneipenküche auf Festtagsniveau erfinden. Angenehm auch das unaufgeregt edle Design, das, wie die Küche, zeitgemäße Ansprüche mit Kiezatitüde verbindet. Und klar, es gibt Craft-Bier vom Fass. kr
Kreuzberg, Grimmstr. 21, Mo–Fr ab 17, (Mo/Di kleinere Karte), Sa/So ab 16

5. Grossherz

Morgens Café, mittags Lunch, dann wieder Café – so war das schon, als hier noch das „Café Hilde“ war, weshalb wir den Wechsel Anfang des Jahres schlichtweg übersahen. Aber was hier abends geboten wird, ist auch jetzt noch eine Meldung wert: die Teufelsleber zum Beispiel, punktgenau gebratene Stücke auf Beutebrot von Domberger, überzogen mit einem himmlisch sämigen Kalbsjus, akzentuiert mit fermentierter Tomate und Meerrettich. Oder die knusprig frittierten Onseneier mit Senfhollandaise und Kartoffelespuma – eine unaufdringliche Reminiszenz an den Klassiker Senfeier. Vieles ist hier fermentiert, alles schmeckt, hier kann einer kochen! Wenige, aber gute Weine. kr
Prenzlauer Berg, Metzer Str. 22, Mo–Fr ab 12, Sa/So ab 9 Uhr

6. Choi

Das Konzept – winziges Tresenrestaurant, puristisch designt, Speisen nur im Menü – erinnert nicht von ungefähr an das japanische „Shiori“ in Mitte: Sooyeon Choi ist die Schwägerin von Shiori Arai, beide beschäftigten den gleichen Innenarchitekten. Aber im Choi wird koreanisch gekocht, drei Menüs (Fisch/Fleisch/vegetarisch) in sechs Gängen stehen zu Wahl (34–39 Euro). Es beginnt mit einer Reissuppe, die mehr dem Wohlbefinden als dem Geschmack dient, und endet mit einfachen Desserts, dazwischen aber begeistern ausgefeilte und zugänglich abgeschmeckte Kreationen sowie herausragend gute Kimchi-Variationen. Gute Sakeauswahl und Weinbegleitung. kr
Prenzlauer Berg, Fehrbelliner Str. 4, Di–Fr Lunch bis 14.30 Uhr, Di–So ab 18 Uhr

7. Dog Tap

Bewegte Zeiten in Mariendorf: Im April verlässt „Stone Brewing“ aus San Diego das alte Gaswerk mit Brauerei und Großgastronomie, im Mai verkünden die Craft-Kollegen von Brewdog aus Aberdeen, Schottland, das Areal zu übernehmen. Jetzt haben sie es eröffnet. Von den 1,5 Millionen Euro für die Renovierung dürfte ein gar nicht so kleiner Teil in das Riesengraffiti auf der Rückwand geflossen sein (pinke Monsterkraken im Ringkampf mit Dreimastern). Es gibt 60 Craft-Biere vom Fass, sehr anständiges „Farm to Table“-Junkfood (Pizza, Burger, Tacos, Salate), und wer will, kann flippern, Shuffleboard spielen oder sich im Biergarten beim Minigolf beweisen. fx
Mariendorf, Im Marienpark 22, Mo–Do 16–23, Fr 16–24, Sa 9–24, So 9–22 Uhr

8. Iro Izakaya

Das Genre „Izakaya“ könnte man frei aus dem Japanischen mit „Tapas-Bar“ übersetzen, nur dass man hier Bier und Sake statt Wein trinkt. Die Häppchen im „Iro“ – mehr als 30 an der Zahl, alle gut zum Teilen – sind ein Medley beliebter Spezialitäten, vom einfachen Edamame über Gyza bis zum gut gemachten Nasu no Denaku, frittierter Aubergine in süßlicher Misosauce. Sushi gibt es traditionell keines, dafür moderne Snacks, wie die Reisbällchen Onigiri, den Pfannkuchen mit Kohl, Okonomiyaki, und verschiedenes Frittiertes, etwa Karaage. Dazu einige größer angelegte Grillgerichte sowie Lunch bis 16 Uhr. Nicht Spitze, aber gut und mit Sorgfalt zubereitet. Zum Reinschmecken. kr
Friedrichshain, Krossener Str. 19, täglich ab 12 Uhr

9. Margherita

Keine Neueröffnung, sondern eine Umwidmung, die hier Erwähnung findet, weil sie symptomatisch für die Gastronomie in Prenzlauer Berg steht: Ambitioniert als „Mitu“ gestartet, sollte hier authentische norditalienische Küche ohne Italo-Klischees präsentiert werden. Das Restaurant ist groß, zu groß, wie sich bald zeigt. Die Küche war sperrig, die Gäste kamen einmal und nicht wieder. Die Betreiber sind aber geblieben, haben akzeptiert, dass sie nicht verstanden wurden, und machen jetzt Pizza. Ziemlich gute: Die Napoli mit Sardellen und Knoblauch ist sogar herausragend. Sperrig sind immerhin noch die Weine. Stolz und Anpassung – so geht das zusammen. kr
Prenzlauer Berg, Danziger Str. 35, Di–So ab 16 Uhr

Wenn René Klages nun im „Le Faubourg“ am Herd steht, was macht dann eigentlich Felix Mielke? Antwort: „Schüsseldienst“. Und was hat Kristof Mulack denn noch mitkonzipiert? Antwort: „Bonvivant“. Einige neue Restaurants fehlen hier, sie wurden bereits von uns vorgestellt. Die Besprechungen von „Joseph“, „Carl & Sophie“, „Bar Brass“, „Bob & Thoms“, „Boujee“, „Schüsseldienst“ und „Bonvivant“ finden Sie auf genuss.tagesspiegel.de

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