Ökobauern-Finanzierer : Regionalwert AG Berlin-Brandenburg gibt neue Aktien aus

Eine kleine Aktiengesellschaft bietet auch Kleinanlegern die Chance, sich an der Gründung von Bio-Lebensmittelproduzenten zu beteiligen.

Bio aus Brandenburg: Anne Luther und Marlene Vondran verkaufen in Berlin Produkte der Gärtnerei Apfeltraum aus Müncheberg (Archivbild von 2014).
Bio aus Brandenburg: Anne Luther und Marlene Vondran verkaufen in Berlin Produkte der Gärtnerei Apfeltraum aus Müncheberg...Foto: Mike Wolff

In Berlin ist die Nachfrage nach besonders ökologisch produzierten Lebensmitteln hoch, die Zahl der Bio-Produzenten im nahen Brandenburg aber relativ gering. Deshalb werden Bio-Händler und -Erzeuger zunehmend kreativ, um im Vertrieb und bei Finanzierungsmodellen, um diese Situation zu ändern.

Ein Beispiel: Die Regionalwert AG Berlin-Brandenburg, die zum Ziel gesetzt hat, ökologisch arbeitende Betriebe durch Investitionen zu unterstützen. Die aktuelle Aktienausgabe läuft noch bis zum Freitag (6. September 2019). „Unsere Geschäftstätigkeit umfasst die Beteiligung an Unternehmen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette“, sagt Vorstand Jochen Fritz. Neben Bauernhöfen sollen demnach auch Verarbeiter, Handel und Gastronomie gefördert werden. Wenn zum Beispiel ein Betrieb neue Produktionsräume bauen oder Land kaufen wolle, stelle die Regionalwert AG für die Investition Eigenkapital zur Verfügung, sagt Fritz.

Das notwendige Kapital wird durch die Ausgabe von Namensaktien eingesammelt. Diese Aktien können ausschließlich über die Umweltfinanz Wertpapierhandelshaus GmbH gezeichnet werden. Sie gelangen nicht in den freiverkäuflichen Verkehr. Bei der aktuellen Finanzierungsrunde werden Aktien zu einem Nennwert von einem Euro ausgegeben. Der Ausgabepreis beträgt 1,05 Euro. Der aktuelle Zeichnungsstand beträgt rund 500.000 Euro.

Die Aktionäre werden Teilhaber der Betriebe, in die die Regionalwert AG investiert. Zu bestimmten Zeiten können sie sich vor Ort ein eigenes Bild von deren Bewirtschaftung machen. Außerdem informieren die Betriebe regelmäßig über ihre unternehmerischen Pläne und wie sie ökologische und soziale Kriterien einhalten.

Die Bio-Supermarktkette Bio Company beteiligte sich mit 5000 Aktien. Wer noch schnell eine Aktie zeichnen möchte, hat am heutigen Abend Gelegenheit dazu bei der Letztzeichner-Party in den Prinzessinnengärten. Am Zapfhahn wird es Bier der Dorfbrauerei „Die braut“ aus der Uckermark geben, an der Regionalwert AG beteiligt ist.

Hinweis der Redaktion: Mit Berichten über diese - für Erzeuger von Biolebensmitteln - eher ungewöhnliche Form der Finanzierung ist ausdrücklich keine Investitionsempfehlung verbunden. Der Tagesspiegel empfiehlt grundsätzlich keine konkreten Finanzprodukte. Eine genaue Prüfung der Konditionen obliegt immer der Anlegerin beziehungsweise dem Anleger selbst. Grundsätzlich sind auch Kleinanleger gut beraten, sich bei ihrer Entscheidung nicht allein von ökologischen oder ethischen Motiven leiten lassen. In schlechter Erinnerung ist vielen Anlegern sicher noch das Insolvenzverfahren des Windkraft-Finanzierers Prokon im Jahr 2014.

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