Update

Bereits 38 Verkehrstote 2020 in Berlin : Zwei Radfahrerinnen in Spandau getötet

Auf Berlins Straßen starben am Montag zwei Menschen. In einem Fall war es ein Abbiegeunfall. Dieses Jahr sind damit 38 Menschen im Straßenverkehr umgekommen.

An Unglücksorten werden regelmäßig sogenannte Geisterfahrräder aufgestellt.
An Unglücksorten werden regelmäßig sogenannte Geisterfahrräder aufgestellt.Foto: Soeren Stache/dpa

Bei Unfällen sind in Spandau am Montag zwei Radfahrerinnen getötet worden. Der erste tödliche Unfall passierte gegen 11.15. Ein 25-Jähriger überfuhr mit seinem Transporter eine Frau auf der Brüderstraße.

Die 66 Jahre alte Frau wollte nach Angaben der Polizei gerade die Straße in Richtung Wilhelmstadt überqueren.

Es ist allerdings noch unklar, ob sie dabei auf dem Rad saß, oder es schob. Darum sucht die Polizei nun Zeugen für den Unfall. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Die Frau starb im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Der Fahrer des Transporters erlitt einen Schock.

Bei dem zweiten tödlichen Unfall handelt es sich um einen Abbiegeunfall, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Das Opfer war eine 82-Jährige, die gegen 13.50 Uhr von einer 59-jährigen Autofahrerin angefahren wurde, als diese gerade mit ihrem Nissan von der Seegefelder Straße nach rechts in die Klosterstraße abbiegen wollte. Die Radfahrerin war im Altstädter Ring in Richtung Klosterstraße unterwegs.

Die Frau erlitt nach Angaben der Polizei so schwere innere Verletzungen, dass sie, trotz Reanimationsversuchen, noch am Unfallort starb.

["Diese Straße ist laut und gefährlich": Dieser Unfall wird Spandau noch lange beschäftigen: Was Fahrrad-Netzwerke und Politiker sagen, welche Idee es für diese Kreuzung gibt - und welche Frage sich die Polizei noch stellt, steht im aktuellen Spandau-Newsletter. Den gibt es in voller Länge hier: leute.tagesspiegel.de]

Der Verein „Changing Cities“ ruft am Mittwoch zu zwei Mahnwachen an den beiden Unfallstellen in Spandau auf. Der Beginn ist für 17.30 angesetzt. Nach der ersten Mahnwache am Altstädter Ring Ecke Seegefelder Straße soll es mit einem Fahrradkorso zur zweiten Unfallstelle gehen.

„Beide Unfallstellen sind Orte, die für den Kfz-Verkehr und nicht für Menschen gebaut wurden. Zwei tote Menschen im Berliner Straßenverkehr an einem Tag – in einer Stadt, die sich die Vision Zero auf die Fahne schreibt! Das ist nicht zu ertragen. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen. Wir wünschen ihnen viel Kraft für die Zeit, die vor ihnen liegt“, sagt Stefan Gammelien von Changing Cities.

[Fuhr eine der beiden Frauen bei Rot? Diese Frage stellt sich jetzt die Berliner Polizei. Denn eins ist an diesem Unfall fraglich. Mehr dazu im Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel: leute.tagesspiegel.de]

Insgesamt sind in diesem Jahr bereits 38 Menschen in Berlin bei Verkehrsunfällen gestorben. Im vergangenen Jahr waren es 40.

Beim Abbiegen passieren die häufigsten Unfälle

Von den 38 tödlich verletzten Opfern in diesem Jahr waren 14 Fußgänger, 13 Radfahrer, sieben Motorrad- oder Rollerfahrer und zwei Autoinsassen.

Abbiegeunfälle sind laut einer Unfallbilanz der Polizei die häufigste Unfallursache. Unachtsamkeit der Autofahrer, schlecht geschaltete Ampelphasen, aber auch Unvorsichtigkeit von Radfahrern oder Fußgängern selber sind oft Ursachen für diese tragischen Unfälle.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Im Januar ist am notorisch gefährlichen Kreisel am Kottbusser Tor ein Mensch gestorben, weil er unter die Räder eines abbiegenden Lastwagens gekommen ist. Im Juni starb eine Radfahrerin in Friedrichshain bei einem Abbiegeunfall.

Eine aktuelle brandgefährliche Stelle für Radfahrer in Spandau befindet sich derzeit in der Wilhelmstadt, in der Wilhelmstraße. In der Nähe eines Schulkomplexes befindet sich eine Baustelle.

Mehr zum Thema

Der Radweg führt deshalb abrupt auf die Straße und etwa zehn Meter an der Baustelle vorbei. Für Autofahrer ist es erst sehr spät erkennbar, dass der Radweg plötzlich auf ihre Spur führt, zumal die gelben Trennlinien bereits abgefahren und nicht mehr gut zu erkennen sind.