Ermittler überwachten monatelang : Berliner Polizei stoppt Kokain-Lieferservice

Er belieferte Stammkunden mit Kokain, ließ sich von seiner Freundin durch Berlin kutschieren oder fuhr mit Bus und Bahn zu ihnen. Nun schlugen die Ermittler zu.

Das Kokain (Symbolbild) lieferte der Verdächtige an Stammkunden.
Das Kokain (Symbolbild) lieferte der Verdächtige an Stammkunden.Foto: picture alliance / David Ebener

Drei Monate lang waren die Drogen-Ermittler des Landeskriminalamtes dem Paar auf der Spur, überwachten die Telefone und observierten sie. Jetzt schlug die Polizei zu. Dass Pärchen steht im Verdacht, einen Liefer- und Abholservice für Kokain betrieben zu haben.

Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehle für die 24-jährige M. und ihren 23 Jahre alten Lebenspartner P. sowie für einen weiteren Komplizen. Es werde wegen bandenmäßigen Drogenhandels ermittelt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Tagesspiegel am Donnerstag sagte.

Die Berliner Polizei sprach auf Anfrage von umfangreichen Ermittlungen. Die Beschuldigten sollen dem Vernehmen nach in Berlin geborene Deutsche sein.

Die Fahndungseinheit der Direktion 4 in Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf hat das Pärchen nach Tagesspiegel-Informationen über einen längeren Zeitraum beobachtet. Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass der Mann Kokain an einen Kreis von Stammkunden ausliefert haben soll.

Im Rausch durch die Nacht

Berlin hat den Kampf gegen die Drogen verloren: Der Chef des Rauschgiftdezernats des Landeskriminalamtes spricht von einer regelrechten Kokainepidemie in der Bundeshauptstadt. Repression hat bisher nichts bewirkt. Braucht die Stadt ein Umdenken? Sollte es auch für harte Drogen eine Eigenbedarfsregelung geben? Ein Report.

Zu seinen Kunden soll P. von seiner Freundin mit dem Auto kutschiert worden sein oder P. soll mit Bus und Bahn zu seinen Abnehmern gefahren sein. Daneben soll er Kunden auch in seinen Kiez beordert haben, damit sie sich das Kokain abholen.

Er verkaufte Ampullen mit einem halben Gramm Kokain

Am späten Nachmittag soll sich P. mit einem Kunden am Rathaus Steglitz getroffen haben. Als er gerade ein sogenanntes Mikroreaktionsgefäß mit Kokain übergab, schlugen die Ermittler zu. Bei P. fanden sie sieben weitere Kokain-Gefäße.

Zugleich durchsuchten Einsatzkräfte die gemeinsame Wohnung von P. und M. Auch bei zwei weiteren Männern, die für P. als Lieferanten tätig waren oder Drogen für ihn bunkerten, wurden die Wohnungen durchsucht.

Kokain ist die neue Modedroge
Nase voll. Pulver und Pillen sollen in Berlin straffrei auf ihre Qualität geprüft werden. In Deutschland ist das einmalig.Foto: imago images / fStop Images

Bei dem Pärchen fanden die Ermittler 30 Gramm Kokain, diverse, bereits mit jeweils einem halben Gramm Kokain befüllte Mikroreaktionsgefäße, knapp 80 Gramm Amphetamin und 3000 Euro in bar.

Bei einem Komplizen entdeckte die Polizei ein Kilogramm Marihuana, 140 Gramm Kokain und zahlreiche bereits für den Handel befüllte Gefäße. Bei dem anderen Komplizen waren es einige Gramm Marihuana und 1800 Euro in bar.

Der Drogenkäufer vom Rathaus Steglitz sowie einer der beiden Komplizen sollen in ihren Vernehmungen P. schwer belastet haben. Das Paar P. und M. sowie einer der Mithelfer sollten noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt werden, der über eine Untersuchungshaft zu entscheiden hat.