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SUV-Unfall in Berlin : Porschefahrer raste nach Krampfanfall mit Tempo 104 in Menschengruppe

Bei einem SUV-Unfall Anfang September starben vier Menschen. Die Staatsanwaltschaft spricht nun von einem Krampfanfall als Ursache.

Der bei dem Verkehrsunfall in Berlin-Mitte zerstörte SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben.
Der bei dem Verkehrsunfall in Berlin-Mitte zerstörte SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben.Foto: Paul Zinken/dpa

Der SUV-Fahrer, der Anfang September bei einem Unfall auf der Invalidenstraße vier Menschen getötet hat, war mit 104 Stundenkilometern in die Gruppe gefahren. Weil der Mann einen epileptischen Krampfanfall hatte, soll der Wagen durchgehend beschleunigt haben. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Mittwoch mit.

Die Behörde reagierte damit auf einen Bericht des RBB, wonach die Unfallursache geklärt sei. Die Staatsanwaltschaft erklärte nun erstmals auch offiziell, dass sie von einem Krampfanfall als Ursache ausgeht.

Tatsächlich waren die Details - bis auf das Tempo des Wagens - schon bekannt. Klare Hinweise auf einen epileptischen Anfall waren unmittelbar nach dem Unfall bekannt geworden und hatten sich schnell erhärtet.

Die zentrale Frage in dem Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung bleibt: Hätte der 42-jährige M. angesichts seiner Erkrankung überhaupt Auto fahren dürfen und hätte er vorhersehen können, dass er hinter dem Steuer einen Anfall erleidet?

Doch dazu wollte sich die Staatsanwaltschaft am Mittwoch nicht äußern. Der Anwalt des Fahrers hatte gegenüber der Behörde erklärt, dass ein „akuter medizinischer Notfall“ vorgelegen habe. Die Ermittler prüfen, ob überhaupt eine Straftat vorliegt, ob der Fahrer fahrlässig oder im festen Wissen um die Gefahr vorsätzlich gehandelt haben könnte.

Bereits kurz nach dem Unfall gab es Hinweise aus Polizeikreisen, über die der Tagesspiegel berichtet hat, wonach M. einen epileptischen Anfall gehabt haben soll. Dadurch soll M. einen Krampf im Bein erlitten haben, weshalb er das Gaspedal durchdrückte.

Der Protest der Anwohner

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Das hatte auch seine 67-jährige Mutter, die als Beifahrerin im Wagen saß, unmittelbar nach dem Unfall den Ermittlern erklärt. Demnach soll M. direkt vor dem Unfall - wie auch sonst - Medikamente genommen haben. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte Medikamente regelmäßig einnahm“, hieß es nun.

M. war am 6. September mit seinem Porsche Macan auf der Invalidenstraße gegen einen Ampelmast gerast. Der Wagen hat sich überschlagen und vier Menschen, die an der Ampel standen, in den Tod gerissen. Ein Kleinkind, dessen 64 Jahre alte Großmutter sowie ein Spanier (28) und ein Brite (29), die sich in Berlin ein Leben aufbauen wollten, kamen ums Leben.

Die Polizei sperrte die Unfallstelle sofort weiträumig ab.
Die Polizei sperrte die Unfallstelle sofort weiträumig ab.Foto: Stephan Haselberger

Die Staatsanwaltschaft hat einen Unfallgutachter eingeschaltet, die Softwaredaten des Porsche-SUV und die Aufnahmen der Dashcam eines Taxis wurden ausgewertet. Die Patientenakten von M. durften wegen rechtlicher Hürden nicht beschlagnahmt werden. Deshalb suchten Ermittler in seiner Wohnung Hinweise darauf, ob M. tatsächlich an Epilepsie erkrankt ist, und stellten auch Beweismittel sicher.

Gegen M. wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt. Er lag nach dem Unfall für kurze Zeit unter Polizeischutz im Krankenhaus.

Blumen und Kerzen haben Menschen an der Stelle abgelegt, an der vier Personen bei einem Verkehrsunfall starben.
Blumen und Kerzen haben Menschen an der Stelle abgelegt, an der vier Personen bei einem Verkehrsunfall starben.Foto: Paul Zinken/dpa

Falls der SUV-Fahrer Epileptiker ist, müsste geklärt werden, ob er dies der Führerscheinbehörde mitgeteilt hat. An Epilepsie Erkrankten wird es verboten, Auto zu fahren, sofern sie ihre Krankheit melden. Der Führerschein wird ihnen aber nicht entzogen. Erst nach verschiedenen Fristen, in denen sie nachweisbar keinen Anfall mehr hatten, dürfen sie sich wieder hinter das Steuer setzen.

Auch der Berliner Senat reagierte auf den Unfall. Der Unfallort soll zu einem Modellprojekt für „Verkehrssicherheit und neue Mobilität in verdichteten Kiezen“ werden. Die Verkehrsverwaltung will schnellstmöglich eines geschützten Radweges an der Invalidenstraße zwischen Nordbahnhof und Brunnenstraße errichten.

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Die Verkehrsverwaltung und der Bezirk Mitte wollen zudem Tempo 30 auf dem gleichen Straßenabschnitt einführen. Beide Maßnahmen sollen möglichst bis Jahresende umgesetzt werden.

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