Ein Jahr Ehe für alle : Tausende Lesben und Schwule heiraten

Seit einem Jahr dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Bei vielen Standesämtern gab es seitdem großen Andrang - auch in Berlin.

Mehr als 10.000 gleichgeschlechtliche Paare trauten sich seit der Gesetzesänderung vor einem Jahr.
Mehr als 10.000 gleichgeschlechtliche Paare trauten sich seit der Gesetzesänderung vor einem Jahr.Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Nach teilweise jahrzehntelangem Warten haben Tausende gleichgeschlechtliche Paare im vergangenen Jahr in Deutschland geheiratet. Seit dem 1. Oktober 2017 können Homosexuelle das genau wie Heterosexuelle. Mehr als 10.000 gleichgeschlechtliche Paare trauten sich seit der Gesetzesänderung, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Standesämtern ergab. Detaillierte Zahlen für ganz Deutschland werden vom Statistischen Bundesamt bisher nicht erhoben. Besonders in Großstädten war die Nachfrage nach der Ehe für alle groß. Der Anteil der gleichgeschlechtlichen Ehen lag dort häufig bei mehr als zehn Prozent - die meisten Paare ließen aber ihre bereits geschlossenen eingetragenen Lebenspartnerschaften in Ehen umwandeln.

„Die Ehe für alle war ein wichtiger Schritt für ein gerechteres und offeneres Deutschland“, sagte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD), Markus Ulrich, anlässlich des einjährigen Jubiläums. Lücken sieht der LSVD allerdings weiterhin bei der Anerkennung von Familienkonstellationen beispielsweise bei lesbischen Paaren, bei denen eine Partnerin ein Kind bekommt.

In Berlin wurden allein in acht von zwölf Bezirken insgesamt 1537 schwule und lesbische Paare getraut. Aus den anderen Ämtern der Hauptstadt waren zunächst keine Daten verfügbar. Münchens Standesämter vermeldeten 833 Trauungen von Männer- und Frauen-Paaren. Allerdings waren die Behörden in der bayerischen Landeshauptstadt vor der Gesetzesänderung von einer deutlich höheren Nachfrage ausgegangen.

Köln ist besonders beliebt

Die Rheinmetropole Köln ist besonders beliebt bei Homosexuellen. Dort heirateten 1056 Schwule und Lesben. Das entsprach einem Anteil von 18 Prozent an allen Eheschließungen. Ähnlich hoch war er im sächsischen Leipzig mit rund 19 Prozent. Auch in Hamburg (800), der Stuttgarter Innenstadt (708) und Frankfurt am Main (673) gaben sich viele Schwule und Lesben (erneut) das Ja-Wort. Während sich in den Großstädten oft deutlich mehr Männer trauten, gab es in vielen kleineren Städten mehr lesbische Eheschließungen.

Einige Gemeinden verzichten darauf, die gleichgeschlechtlichen Ehen statistisch festzuhalten. „Ehe für alle heißt Ehe für alle - das wird bei uns gar nicht gesondert erfasst“, erklärte der Sprecher der kleinen Gemeinde Bad Mergentheim in Baden-Württemberg, Carsten Müller. Viele Paare wünschten sich, am gleichen Datum zu heiraten, an dem auch ihre Lebenspartnerschaft eingetragen wurde, wie ein Sprecher der Stadt Rostock erklärte. Auch Trauungen an besonderen Orten, wie am Kap Arkona auf Rügen oder auf der Nordseeinsel Sylt in Schleswig-Holstein, waren sehr beliebt.

Weniger Andrang in kleineren Städten

Mehr als zwei Drittel aller Paare ließen bundesweit ihre teils sehr lange bestehenden Lebenspartnerschaften in Ehen umwandeln. In Bremen waren es sogar drei Viertel. Dagegen bildete Mainz einige der wenigen Ausnahmen. In der Stadt in Rheinland-Pfalz wurden 123 neue Ehen geschlossen, nur 94 Lebenspartnerschaften wurden umgewandelt. Der Anteil der Homo-Ehen an allen Trauungen war mit fast einem Viertel deutlich höher als in anderen Städten. Die Umwandlungen der Partnerschaften werden in den Ämtern ebenfalls mit einer feierlichen Zeremonie begangen.

Besonders in den ersten Monaten nach der Gesetzesänderung war der Ansturm auf die Standesämter groß. In einigen Regionen blieb er jedoch aus. Nur neun homosexuelle Paare heirateten nach Behördenangaben in der 100.000-Einwohner-Stadt Cottbus in Brandenburg. Generell machten gleichgeschlechtliche Ehen in vielen kleineren Städten weit weniger als zehn Prozent aller Ehen aus. In den niedersächsischen Orten Buxtehude, Uelzen oder Cloppenburg trauten Standesbeamte nur in zwei bis fünf Prozent aller Fälle ein gleichgeschlechtliches Paar. (dpa)

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