Schlösser in Potsdam und Berlin : Wer übernimmt die Schlösserstiftung in Potsdam?

Hartmut Dorgerloh soll das Berliner Humboldt-Forum retten. Einen Nachfolger für seinen Posten in Potsdam gibt es noch nicht.

Ohne Sorge. Gewiss nicht, auch nicht für den neuen Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Sanssouci.
Ohne Sorge. Gewiss nicht, auch nicht für den neuen Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Sanssouci.Foto: Sebastian Gabsch

In der Schlösserstiftung und damit auch in Potsdam geht eine Ära zu Ende: Sanssouci-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh, der seit 2002 die Geschicke der ehrwürdigen Stiftung von der Residenz am Grünen Gitter aus lenkt, verantwortlich für die unter Unesco-Schutz stehenden Schlösser und Parkanlagen in Potsdam und Berlin, soll Chef des neuen Humboldt-Forums im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss werden. Das gab die alte, neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bekannt. Der Wechsel soll schon Anfang Juni erfolgen. Ein Überblick, wie es um die Stiftung steht und jetzt weitergehen soll.

Wie wird Dorgerlohs Abschied aufgenommen?

Es ist eine tiefe Zäsur für die Stiftung. 16 Jahre lang hat der 55-Jährige die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), wie sie offiziell heißt, geführt. Sie betreut und verwaltet mit ihren etwa 550 Angestellten rund 30 Museumsschlösser und andere Museen, 800 Hektar denkmalgeschützte Parkanlagen, 100.000 Einzelkunstwerke, 150 Denkmäler und 300 bauliche Anlagen in Potsdam, Brandenburg und Berlin.

Die wichtigsten Schlösser wie Sanssouci oder Charlottenburg in Berlin werden jährlich von Hunderttausenden Menschen besucht, in die Welterbeparks zieht es Millionen Gäste aus aller Welt. Nun wird die Stiftung vor allem mit seinem Namen verbunden: Wer so lange Chef ist, macht sich nicht nur beliebt.

Klar, dass auch einige froh sind. Die meisten jedoch, selbst viele interne Kritiker, bedauern den Weggang, werden ihn vermissen. Seine Kompetenz, sein Vermögen, auch widerstreitende Interessen innerhalb der Stiftung zu versöhnen, wurde allgemein geschätzt.

Was bedeutet sein Weggang für Potsdam?

Zunächst einmal einen großen Verlust. Bei allem Zwist, der dem Wachstum der Stadt und den damit verbundenen oft strittigen Bauvorhaben im Welterbeumfeld geschuldet ist: Potsdam hat Dorgerloh viel zu verdanken. Durch sein sicheres Auftreten auf internationalem Parkett, seine weltweit geachtete Expertise, gepaart mit der Fähigkeit, sowohl Kompromisse schließen zu können als auch – wenn zum Schutz des Welterbes nötig – eine harte Linie zu fahren, hob er Sanssouci, Babelsberg und den Neuen Garten aus der Potsdamer Provinzialität auf internationales Niveau.

Die Fachwelt aus aller Herren Länder bestaunte ebenso wie die maßgeblichen Vertreter der Politik die zunehmenden denkmalpflegerischen und Sanierungserfolge. Nicht zuletzt deshalb haben die Träger der Stiftung, Brandenburg, Berlin und der Bund, insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro zur Rettung der maroden Preußenschlösser und -gärten lockergemacht.

Dementsprechend wird auch außerhalb der Stiftung in Potsdam sein Abgang betrauert. Für das hiesige Welterbe und die Stadt habe Dorgerloh „ohne Zweifel sehr viel bewegt“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Der Rathauschef würdigte die 16-jährige vertrauensvolle Zusammenarbeit, auch, wenn man „nicht immer einer Meinung“ war, sagte Jakobs in Anspielung auf strittige Bauvorhaben im Umfeld des Weltkulturerbes. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) sagte. Dorgerloh habe dem Welterbe „neue Impulse gegeben und die preußischen Schlösser und Gärten international noch bekannter gemacht“.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Zeit drängt. Dorgerloh wird am Humboldt Forum gebraucht, das eineinhalb Jahre vor der Eröffnung nicht fertig ist, kein akzeptiertes, ausgereiftes Konzept hat und bisher keine Chefs, nachdem Favoriten abgesprungen waren. Ähnlich wie wie Brandenburgs frühere Kulturministerin Sabine Kunst als Präsidentin die Humboldt-Universität konsolidieren soll, wird auch der Chefposten des Humboldt-Forums ein Krisenjob.

Möglichst zum 1. Juni soll er das Amt übernehmen, sagte ein Sprecher von Grütters. Für die Suche nach einem Nachfolger als Generaldirektor ist die wahrscheinlichste Variante die Einsetzung einer Findungskommission. So war es auch bei Dorgerloh. Er, der damals Referatsleiter für Denkmalpflege im Brandenburger Wissenschaftsministerium war und als Gründungsbeauftragter das hoch gelobte Konzept für das Haus für Brandenburgisch-Preußische Geschichte (HBPG) entwickelt hatte, setzte sich damals unter 21 Bewerbern durch. Möglich ist aber auch eine internationale Ausschreibung. Entschieden wird erst, wenn Dorgerloh tatsächlich vom Stiftungsrat des Humboldt-Forums gewählt ist.

Wer kommt als Nachfolger infrage?

Ein anerkannter Kunsthistoriker, Preußen-, Museums- und Architekturkenner sollte die Frau oder der Mann schon sein, der oder die die Stiftung künftig lenkt. Konkrete Namen kursieren bislang nicht. Es ist aber zu erwarten, dass der Job für für viele externe Experten attraktiv ist. Die gibt es in anderen Museen, an Hochschulen, in Stiftungen.

Aber: Dorgerloh war außerhalb Brandenburgs auch nicht bekannt, als er 2002 Generaldirektur wurde. Und die Hauptträger der Stiftung sind die Bundesländer Brandenburg und Berlin, deren Votum maßgeblich ist. Klar ist zumindest, wer die Stiftung übergangsweise führt, bis ein regulärer Nachfolger ernannt ist: Interimschef wird Heinz Berg werden, Direktor der Generalverwaltung.

Welches Erbe hinterlässt Dorgerloh?

Die Stiftung, die Dorgerloh verlässt, ist mit der bei seinem Amtsantritt kaum zu vergleichen. Es gab einen gewaltigen Sanierungsstau. Und die Strukturen der Stiftung, der Service, die Museumspädagogik, das Bewusstsein für Kosten und Geld, waren nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Und heute?

Dorgerloh, ein Pragmatiker, ein penetranter Verhandler, hat in seiner Amtszeit das bisher größte Sanierungsprogramm der Stiftungsgeschichte durchsetzen können. 155 Millionen Euro gaben die Stiftungsträger für das erste Sonderinvestitionsprogramm aus, das 2017 auslief.

Das zweite fällt noch weitaus üppiger aus: 400 Millionen Euro darf die Stiftung bis 2030 für die Sanierung von Schlössern und Gärten ausgeben, die Liste umfasst mehr als 60 Projekte, darunter Dauerbrenner wie das Neue Palais, Schloss Charlottenburg und das Orangerieschloss, aber erstmals auch viele kleinere Vorhaben, die im Schatten der Besucherattraktionen immer mehr verfielen.

Dass die Stiftung damit nun erstmals in der Lage ist, den Sanierungsstau wirklich abzuarbeiten, ist maßgeblich Dorgerlohs Verdienst. Und Dorgerloh provozierte die Stadt Potsdam mit seinen Plänen für einen Pflichteintritt für den Schlosspark Sanssouci. Ein Versuch, der bislang scheiterte.

Welche Aufgaben warten auf den Neuen?

Der künftige Generaldirektor oder die Generaldirektorin wird keinen Ruhejob haben. Das Bauprogramm hat erst begonnen, muss weiter klug gemanagt werden. Es wird darum gehen, die sanierten Gebäude gut zu pflegen, um den Standard zu halten, das alles in Zeiten des Fachkräftemangels.

Die Schlösser und Gärten Potsdam Sanssouci gehören aus guten Gründen zum Unesco-Welterbe. Sie müssen sich in den Ausstellungen an großen Museen der Welt messen lassen, Versailles, Petersburg, London. Der oder die Neue muss das Pflegedefizit in den Gärten beheben, was angesichts des Klimawandels nicht einfacher wird.

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Er oder sie muss weiter klug und eloquent um mehr Personal kämpfen – und damit letztlich um mehr Geld. Er oder sie muss den manchmal immer noch recht behäbigen Tanker Schlösserstiftung ins digitale Zeitalter führen. Im Prinzip, sagt ein Stiftungsinsider, „brauchen wir als Nachfolger noch einmal genau so jemanden wie Hartmut Dorgerloh“.

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