Schuldneratlas 2019 : Jeder achte Berliner ist überschuldet

Männer sind stärker verschuldet als Frauen. Berliner sind stärker im Minus als der Durchschnittdeutsche.

Im Vergleich zu 2918 ist die Überschuldungsquote in Berlin gestiegen – sie ist aber immer noch hoch.
Im Vergleich zu 2918 ist die Überschuldungsquote in Berlin gestiegen – sie ist aber immer noch hoch.Foto: Oliver Berg/dpa

Arm aber sexy...aber arm eben zuerst. Die Verschuldung der Berliner liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Etwa jeder achte erwachsene Berliner ist laut Schuldneratlas 2019 überschuldet. Die Überschuldungsquote liegt bei 12,31 Prozent – der Durchschnitt liegt bei zehn Prozent.

In Berlin sind Monat liegen also die Ausgaben von 371.792 Berlinern deutlich über ihren Einnahmen – und es ist keine Besserung ihrer finanziellen Lage in Sicht. So definiert sich Überschuldung.

Diese Zahlen gab der Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei und des Inkassodienstleisters Creditreform Berlin-Brandenburg, Jochen Wolfram, am Mittwoch bekannt. Berlins Nachbarland steht besser da - in Brandenburg liegt die Überschuldungsquote mit 9,83 Prozent leicht unter der bundesweiten Quote.

In diesem Bezirk ist die Überschuldung am höchsten

Der leichte Rückgang in Berlin von minus 0,12 Prozentpunkten gegenüber 2018 sei vor allem durch die erhöhte Einwohnerzahl wegen des anhaltenden Zuzugs begründet. In Brandenburg sank die Quote um 0,9 Prozent.

In beiden Bundesländern gibt es große regionale Unterschiede: So seien im Berliner Stadtbezirk Spandau mit 15,78 Prozent wie in den Vorjahren die meisten Verbraucher von Überschuldung betroffen. Die geringste Überschuldungsquote in der Hauptstadt weise Steglitz-Zehlendorf mit 7,92 Prozent auf. In Brandenburg gibt es im Landkreis Potsdam-Mittelmark die geringste Schuldnerquote (7,44 Prozent). Die Stadt Brandenburg an der Havel weise aktuell dagegen die höchste Quote in der Mark mit 15,74 Prozent auf.

Als Hauptgründe für die private Verschuldung gelten den Angaben zufolge Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sucht und Unfall, aber auch unwirtschaftliche Haushaltsführung sowie Trennung, Scheidung und Tod. Aber auch gescheiterte Selbstständigkeit und längeres Niedrigeinkommen zählen zu den Risikofaktoren.

Laut Creditreform werde künftig wieder mit einer steigenden Überschuldung gerechnet. Gründe seien die Konjunkturschwäche in Deutschland sowie der bevorstehende Brexit und der Handelsstreit zwischen der EU und den USA, sagte Wolfram.

Männer sind öfter verschuldet, als Frauen

Der Creditreform-Geschäftsführer verwies darauf, dass in der Vergangenheit Männer doppelt so häufig verschuldet waren wie Frauen. Nun nähere sich das Verhältnis an. So lag die Überschuldungsquote der Berliner zuletzt bei 15,8 Prozent (minus 0,21 Punkte) und bei den Berlinerinnen bei 8,77 Prozent (minus 0,02). Bei den Männern in Brandenburg sank die Quote um 0,19 Prozent auf 11,87. Bei den Brandenburgerinnen ging sie um ebenfalls nur geringfügig um 0,02 Punkte auf 7,71 Prozent zurück.

Als Gründe für die Schuldnerquote bei Frauen nannte Wolfram steigenden Konsum, aber auch die Tatsache, dass Alleinerziehende in den meisten Fällen Frauen seien. Insbesondere kurz nach einer Trennung sei das Überschuldungsrisiko hoch.

Auch bei den Altersgruppen gebe es Unterschiede. So entwickele sich ein zunehmendes Überschuldungsproblem in der wirtschafts- und konsumaktiven Altersgruppe der 40- bis 49-jährigen Berliner. Hier sei die Quote spürbar von 16,70 (2018) auf 16,87 Prozent gestiegen. In Brandenburg gab es hier eine Erhöhung um 0,27 Punkte auf 13,81 Prozent.

Ebenfalls eine steigende Verschuldung wiesen - zwar auf niedrigen Niveau - Senioren ab 70 Jahren auf, so Wolfram. Diese hätten allerdings kaum die Möglichkeit, die Schulden aus eigener Kraft zu tilgen. (epd)

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