Schule : Feinstaub: Noch läuft das Vorspiel

Verordnung in Kraft, Umweltzonen in Planung

Stefan Jacobs

Was bedeutet der Stichtag 1. März?

Keine Bange: Zu dem Termin ist nur die „Feinstaubverordnung“ des Bundes in Kraft getreten – die rechtliche Grundlage, auf der viele Städte Umweltzonen einrichten wollen. Dort dürfen Autos mit besonders hohem Schadstoffausstoß nicht mehr fahren. Den Anfang machen Stuttgart und andere Städte in Baden- Württemberg, die Stinker schon ab Juli aussperren wollen. In Berlin, Köln, Frankfurt, Dresden, Leipzig und anderen Großstädten sollen Umweltzonen erst zum Jahresbeginn 2008 eingerichtet werden, konkrete Details, etwa zu erlaubten Ausnahmen, werden hier noch erarbeitet. Nur wer mit dem Auto ins Schwabenland fahren will, sollte sich also bald um eine Plakette kümmern, die beim Befahren der Umweltzonen vorgeschrieben ist.

Wer bekommt welche Plakette?

Rote Plaketten gibt es in der Regel für Diesel, die die Abgasnorm Euro II erfüllen, gelbe für Diesel mit Euro III, grüne für Diesel mit Euro IV und – zumindest in Berlin – für alle Benziner mit geregeltem Katalysator. Diese Berliner Ausnahme für rund 120 000 hier zugelassene Autos ist bereits beschlossen, weil die Bundesverordnung eine Lücke enthält: Sie ignoriert nämlich mehrere Millionen Autos mit „US-Kat“, die die Euronormen nur deshalb nicht erfüllen, weil sie vor deren Inkrafttreten zugelassen wurden. Die Berliner Verwaltung hat beim Bund bereits zwei Mal darauf aufmerksam gemacht. Auch der ADAC protestiert. Wer welche Plakette erhält, lässt sich bei in Deutschland zugelassenen Autos anhand des Fahrzeugscheins ermitteln. Bei ausländischen Fahrzeugen soll das Baujahr Aufschluss geben.

Wo sind die Plaketten zu bekommen?

Laut Kfz-Innung sind die Plaketten für fünf Euro bereits in den rund 850 Berliner Werkstätten erhältlich, die auch Abgasuntersuchungen durchführen dürfen; außerdem bei Tüv und Dekra sowie in den Kfz-Zulassungsstellen. Für Autos, die keine der genannten Normen erfüllen, werden die Umweltzonen in der Regel wohl tabu sein. Das gilt für Pkws ebenso wie für Last- und Lieferwagen sowie für Behördenfuhrparks. Die Verwaltungen erarbeiten zurzeit Ausnahmeregelungen und prüfen Fördermöglichkeiten für Nachrüsttechnik, weil weder in der City wohnende Oldtimerfahrer unnötig schikaniert noch Handwerker mit älteren Lieferwagen ruiniert werden sollen.

Sind die angelegten Kriterien sinnvoll?

Zumindest sind sie sachlich zu begründen: Der Feinstaub aus Dieselmotoren ohne Partikelfilter kann Krebs auslösen, während Benziner mit geregeltem Kat kaum noch Gift emittieren. Das gilt übrigens auch für moderne Spritschlucker: Die produzieren zwar Massen des Klimakillers CO2, aber bei den anderen, für Menschen unmittelbar giftigen Abgasen kann ein 30 Jahre alter Kleinwagen 100 Mal schlimmer sein als ein nagelneues Dickschiff. Und der Feinstaub ist nur ein Problem: 2010 tritt eine EU-Richtlinie über die ebenfalls giftigen Stickoxide in Kraft. Die sind auch eine Diesel-Spezialität – und ein Grund dafür, dass ab 2010 auch Autos mit roten und gelben Plaketten ausgesperrt werden sollen. Diesel-Fahrer haben aber die Chance, durch Nachrüstung von Partikelfiltern eine „bessere“ Plakette zu bekommen.

Infos zu Einstufung und Nachrüstung

www.adac.de/plaketten

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