Berlin : Schwein gehabt

Nach der Premiere ist vor der Premiere: Nächste Woche wird der rote Teppich mehrfach ausgerollt – zuerst für den Film „Rudi Rüssel“

Andreas Conrad

Die Zeilen waren überschaubar, mit denen der später weltberühmte Star sein Berliner Debüt als Schauspieler gab – in einem Lotto-Werbefilm. „Was würden Sie sagen, wenn Sie plötzlich eine Million hätten“, wurde er aus dem Off gefragt. Seine schlagfertige Antwort: „Ich? Eine Million?“ Das war 1985, in einer Zeit, als Hugh Grant im Filmabspann oft noch als Hughie lief und sich mit TV-Auftritten und eben auch Werbefilmchen über Wasser hielt. Bei der Premiere von „Mitten ins Herz“ am vergangenen Dienstag hatte er diese Anekdote über seine West-Berliner Dreharbeiten auf der Bühne des Cinestar zum Besten gegeben, einen Lacher gelandet und vorbildlich gezeigt, dass RoteTeppich-Zeremonien auch in Berlin keineswegs in Routine erstarren müssen, auch wenn die gefühlte Premierendichte hier bei, sagen wir, jedem zweiten Tag liegt. Manchmal noch dichter, wie in dieser Woche: Am Dienstag wird gefeiert, am Mittwoch schon wieder.

Die Premierenwoche beginnt mit einer ausgemachten Sauerei für die ganze Familie: „Rennschwein Rudi Rüssel 2 – Rudi rennt wieder“. Fortsetzungen sind zu erfolgreich, als dass wir sie Hollywood überlassen sollten, und so darf Rudi nach dem ersten Einsatz 1995 wieder ran, erneut unter der Regie von Peter Timm und nach Motiven aus Uwe Timms Kinderbuch. Gedreht wurde in Köln und Brandenburg, eine abenteuerliche Geschichte, die das arme Schwein in eine dieser modernen Patchwork-Familien verschlägt.

Zur Premiere am Dienstag im Colosseum in der Schönhauser Allee 123 gegen 17 Uhr wird auch Sebastian Koch erwartet, zurück von der Oscar-Verleihung für „Das Leben der Anderen“, in „Rudi 2“ ein alleinerziehender Vater. Weiter kommen Dominique Horwitz und Andreas Schmidt, die zwei Ganoven spielen, Sina Richardt, Töchterlein seiner Filmfreundin, und natürlich Regisseur Timm.

Tags darauf, gegen 19.30 Uhr, ist Horwitz schon wieder im Premiereneinsatz, diesmal für Volker Schlöndorff, der im Kino in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, „Strajk – die Heldin von Danzig“ präsentiert – eine in Polen nicht unumstrittene Verfilmung des Solidarnosz-Stoffes. Erwartet wird auch Katharina Thalbach, die die Titelheldin, eine Kranführerin, spielt. Deren reales Vorbild allerdings wollte den Film verbieten lassen.

Noch eine dritte Premiere steht in diesem Monat an, diesmal dürfte Katharina Thalbach ein zweites Mal über den roten Teppich marschieren. Auch Detlev Buck hat sich an einem Kinderbuch versucht, nach der Vorlage von Cornelia Funke drehte er „Hände weg von Mississippi“ – die familiengerechte Geschichte der Rettung einer Stute. Am 17. März ist Premiere mit dem Regisseur und seinen Hauptdarstellern, wiederum im Kino in der Kulturbrauerei, womit zugleich die Holzkohlesaison eröffnet wird: Nach dem Film wird zum Grillabend geladen.

Doch auch ohne Premiere gibt es prominente Filmgäste am laufenden Band, die bei ihren Berlin-Besuchen für Interviews bereitstehen: Am Dienstag Ralf Möller und Marcus Nispel („Pathfinder“), am 22. März Rowan Atkinson („Mr. Bean macht Ferien“), Ende des Monats Ex-Bond-Girl Halle Berry („Verführung einer Fremden“) und am 3. April schließlich Mark Wahlberg („Shooter“).

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