zum Hauptinhalt
Leicht zu stemmen.  Über die Plattform lassen sich in Sekundenschnelle Sportkurse und Wellnessangebote spontan buchen - ohne Mitgliedschaft. Die Auswahl reicht von Fitness, Yoga, Tanzkurse bis zu Wellness und Meditation.

© mauritius images / Image Source

Tagesspiegel Plus

Sport ohne Verbindlichkeiten: Über diese Plattform können Kunden spontan Kurse oder Wellnessangebote buchen

Für die Angebote des Kreuzberger Start-ups Get Your Sports müssen Nutzer weder ein Abo noch eine Mitgliedschaft eingehen. Warum verfängt dieses Konzept vor allem bei jungen Großstädtern?

Schnell eine Runde Fitness machen in der Nähe? Ein paar Klicks auf der Internet-Plattform Get Your Sports und man findet beispielsweise ein Studio, wo „Boxen mit Enrico“ noch spontan um zwölf Uhr mittags in Mitte möglich ist. Kosten: zehn Euro. Oder etwas gegen den schmerzenden Nacken im Homeoffice tun nach der Arbeit? Man könnte den „Back & Shoulder -Yoga“-Kurs um 17 Uhr in Pankow buchen. Ebenfalls zehn Euro, ein Slot ist noch frei. Vielleicht doch lieber Street Dance am frühen Abend? Auch kein Problem, für 15 Euro gibt es noch einen Platz in einem Pankower Studio.

Ob Thaiboxen, Yoga, Bootcamp Tanzen oder Massage - alles ist binnen Sekunden buchbar

Über die Get-Your-Sports-Plattform lässt sich das alles binnen weniger Sekunden im Internet buchen: Ob Thaiboxen, Yoga, Bootcamp, Tanzen, Meditation oder Massagen: Das gleichnamige Start-up aus Kreuzberg stellt auf seiner Seite rund 200 Anbieter zur Verfügung. Das Besondere gegenüber anderen Plattformen, wie beispielsweise Urban Sports: Die Kunden können Sportkurse zentralisiert buchen ohne ein Abonnement oder eine Mitgliedschaft, sie zahlen nur den Ticketpreis für ihren gewünschten Termin in der Nähe. Abgerechnet wird direkt online, etwa über Paypal oder Klarna.

Der Trend bei jungen Leuten aus der Großstadt ist die Unverbindlichkeit

Es sei wie eine Art Booking.com, nur eben nicht für Hotels, sondern Sport- und Wellnessangebote, beschreibt Jakob Jakubov. Er ist Geschäftsführer des Start-ups und setzt mit diesem Konzept auf einen Trend, der offenbar besonders bei jungen Großstädtern in unsicheren Zeiten verfängt: Die Unverbindlichkeit.

Es ist wie eine Art Booking.com, nur eben nicht für Hotels, sondern Sport- und Wellnessangebote.

Jakob Jakubov, Geschäftsführer von Get Your Sports

Sich mit einem Mitgliedsvertrag an ein Fitness-Studio zu binden für ein Jahr, und das noch in Corona-Zeiten? „Das wollen vor allem die jungen Leute nicht mehr“, ist Jakubov überzeugt. Man habe während der Lockdown-Schließungen gesehen: Viele Mitglieder hätten sich mit einem Gutschein zufriedengeben müssen, das Geld war weg. Der Trend gehe dahin, viele verschiedene Sachen ausprobieren zu können und sich dabei nicht binden zu müssen. Offenbar so, wie es immer mehr Menschen mit Beziehungen handhaben.

Der Geschäftsführer von Get Your Sports: Jakob Jakubov

© Get Your Sports / Get Your Sports

Dass dies ein Geschäftskonzept sein könnte, hat der 31-Jährige bereits vor einigen Jahren entdeckt. In Baku in Aserbaidschan geboren und aufgewachsen nahe dem Halleschen Tor in Kreuzberg, hat Jakubov schon immer sehr gern und viel Sport getrieben. Als Junge spielte er zunächst leidenschaftlich Fußball. Doch er habe „so viel Energie gehabt“, dass seine Eltern ihn zum Thaiboxen schickten, damit er sich dort abreagieren, die ganze Kraft kanalisieren kann. „Dort lernt man vor allem Selbstdisziplin“, sagt er. „Mir hat das sehr geholfen“.

Jakubov studierte Wirtschaftsrecht und Betriebswirtschaftslehre und war später als Business Analyst für seinen Job viel in der Welt unterwegs. So kam ihm die Idee zu seinem ersten Start-up: „Wie finde ich Leute, mit denen ich auf Reisen in der fremden Stadt zusammen Sport machen kann?“, habe er sich gefragt. „Spirit“ war entstanden – eine Art Dating-Plattform wie Tinder, die Sportbegeisterte miteinander „matched“. Mit Spirit seien 120 000 aktive Sportler vernetzt worden.

Schweißtreibend. Ob Boxen oder Bootcamp: Kurse, bei denen die Kunden sich auspowern, sind laut Get Your Sports beliebt.

© Get Your Sports

Nach dreieinhalb Jahren verkaufte Jakubov das Unternehmen. Er plante den nächsten Schritt: Jakubov tat sich mit dem Softwareentwickler und Gründer Sahin Vardar, ebenfalls aus Berlin, zusammen. Dieser hatte die Idee für die Sportplattform, „doch ihm fehlte ein Team, das so etwas operativ schon einmal gemacht hat“, sagt Jakubov. Vor einem Jahr kam dann Get Your Sports auf den Markt, wenn man so will eine Weiterentwicklung von „Spirit“ - nur, dass es jetzt nicht mehr darum geht, dass sich Leute zusammenfinden, um gemeinsam Sport zu machen, sondern jeder für sich – aber ohne Verpflichtung. Den Preis für die Kurse legen die Anbieter selbst fest. Jakubov und sein Team verdienen zehn Prozent vom Kurspreis plus 99 Cent Gebühr. Kostet ein Kurs also zehn Euro, verdient Get Your Sports daran 1,99 Euro.

Die Generation Z fordert ganz klar Individualisierung. Ein Massenangebot kommt gar nicht in Frage für sie.

Jakob Jakubov, Geschäftsführer Get Your Sports

Da er Datenanalyst ist, habe er einen sehr guten Überblick über seine Kundschaft, wer das ist und was sie will. Zum einen seien da die Studierenden, die Generation Z. „Die fordern ganz klar Individualisierung“, weiß Jakubov. Irgendein Massenangebot komme gar nicht in- frage. Die andere Gruppe seien die Berufstätigen der Generation Y, also die Young Professionals, wie es in der Branche heißt: Ihnen sei Flexibilität wichtig, keine starren Verträge, und Work-Life-Balance. Der Spa-Besuch oder der abendliche Yoga-Kurs gehören bei ihnen als Ausgleich zum stressigen Joballtag einfach dazu. Die dritte Gruppe, die sich auf der Plattform umtut, seien Reisende. Sie kommen geschäftlich oder privat in die Stadt und wollen schnell und unkompliziert, vor allem spontan, einen Sportkurs buchen – weil es gerade in ihren Zeitplan oder in die Laune passt.

Dieses Prinzip könne man gut auf andere Großstädte übertragen. Für das kommende Jahr sei eine Expansion geplant: Get Your Sports soll es dann in 15 Städten geben, darunter auch Amsterdam, London und Paris. „Diese Metropolen sind ähnlich wie Berlin, man kann einfach das Konzept kopieren“, glaubt er. „Über unsere Datenanalysen haben wir zudem herausgefunden, dass wir zu 80 Prozent von Frauen genutzt werden“, sagt Jakubov.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Klar, Yoga und Pilates seien Sportrichtungen, die bei Frauen besonders nachgefragt werden. Aber ihn habe erstaunt, dass die sogenannten „Mami-Kurse“, also Sportangebote für junge Mütter, die entweder schwanger sind oder vor Kurzem entbunden haben, „sehr beliebt sind bei uns“. Dies werde man künftig noch weiter berücksichtigen. Aber auch außergewöhnliche Angebote, wie Hula-Hoop-Kurse, seien wieder in Mode. Und etwas, das so manch einer wohl gar nicht verstehen kann: Bootcamps – hier werden die Teilnehmenden im militärischen Stil „gedrillt“ mit sehr anstrengenden, kräftezehrenden Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Zirkeltrainings und Ähnlichem. Diese „Quälerei“ sei gewollt und begehrt. Der absolute Renner laut Jakubov: Ein von vier Frauen gegründetes Bootcamp namens „HIIT the Club“ in Friedrichshain. „Bei lauter Musik lassen sich die Leute bis zum Anschlag fertig machen. Und sie lieben es“, beteuert Jakubov.

Aber was steckt hinter diesem neuen Zeitgeist? Jakubov glaubt, dass es abgesehen davon, dass man sich richtig gut fühlt nach einer anstrengenden Sport-Session, auch ein „visuelles Thema“ ist: Instagram und TicToc, die Social-Media-Kanäle, spielten eine große Rolle. Denn die Kunden seien die „Sharing-Experience“ gewohnt, was heißen soll: Das junge Publikum ist bestrebt, ständig etwas auf den eigenen Insta- und TicToc-Kanälen zu teilen und will dabei gut in Form sein. Deshalb versuchten die Leute möglichst schnell ihren Körper zu optimieren. Beim regelmäßigen Besuch im Bootcamp dürfte das auch funktionieren, wenn man ein paar andere Dinge wie Ernährung berücksichtigt. Posten macht süchtig, sagt Jakubov. Und wer viel postet, der will in der Regel dabei gut aussehen.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false