Tempelhof-Schöneberg : Wildtiere müssen raus aus Tempelhofer Park

Tempelhof-Schöneberg saniert Grünflächen. Betroffen: eine Familienattraktion - das Wildgehege. Ein Hirsch starb an falscher Fütterung durch Besucher.

Damwild mitten in der Stadt: Im Franckepark in Tempelhof..
Damwild mitten in der Stadt: Im Franckepark in Tempelhof..Foto: Saara von Alten

Über eine Million Euro hat das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg aus dem Berliner Programm für Nachhhaltige Entwicklung (BENE) erhalten, um den Grünzug am U-Bahnhof Alt-Tempelhof zu sanieren. Vier Parks sind von dem Rundumschlag betroffen: Bosepark, Lehnepark, Alter Park und Franckepark. Hecken sollen gestutzt, kaputte Bänke ersetzt, Rosen neu gepflanzt und Wege erneuert werden. Unter anderem sollen so die Barrierefreiheit verbessert und die vier Parks als „vollständiges nutzbares Band“ von Grünflächen aufgewertet werden.

„Wir haben jahrelange Pflegerückstände“, sagt die Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne), die für das Grünflächenamt zuständig ist. „Aus kleinen Hecken sind mittlerweile große Bäume geworden.“ Das bedeute auch, dass die Parks weniger Sicherheit bieten, besonders nachts. Daher sollen in allen vier Parks mehr „Blickbeziehungen“ geschaffen werden. „Auflösung von Angsträumen“ heißt das im Fachjargon.

Die Parks in Tempelhof.
Die Parks in Tempelhof.Grafik: Schmidt

Aber nicht nur Bäume und Hecken sind von den Maßnahmen betroffen. Im östlichsten der vier Parks, dem Franckepark, gibt es seit fast neunzig Jahren ein Damwildgehege.  Der Park ist nach seinem ehemaligen Besitzer Theodor Francke benannt, der mit dem Anbau seltener Pflanzen dem Bezirk ein botanisches Denkmal setzte. 1929 wurden im damaligen Park zwei Damtiere und acht Fasane untergebracht, ein Jahr später wurde das Gelände auf 1000 Quadratmeter verdoppelt, sechs weitere Damtiere kamen hinzu. Seitdem wird die Population konstant bei etwa zehn Tieren gehalten, indem regelmäßig Wild in andere Gehege in Brandenburg umgesetzt wird.

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„Wir prüfen aktuell alternative Standorte“

Das Damwildgehege ist für viele in der Nachbarschaft eine Attraktion, besonders für Familien. Doch auch dieses Areal muss saniert werden: Teil des Sanierungsplans ist die Entfernung von Sedimenten aus dem Teich am Gehege und die Anpflanzung von Ufervegetation. Während der Bauarbeiten muss das Damwild umgesiedelt werden. Stadträtin Heiß sichert zu, dass das Gehege erhalten bleibt. Allerdings ist noch unklar, ob die Tiere nach den Sanierungsarbeiten wieder im Franckepark ein Zuhause finden oder woanders. „Wir prüfen aktuell alternative Standorte“, sagt die Ordnungsstadträtin. Den Franckepark wolle man als „sozialen und ökologischen Platz“ erhalten.

Hirsch "Nono" starb an falscher Fütterung

Schon einmal wurde debattiert, ob das Damwildgehege weiter an dieser Stelle bestehen soll. 2015 starb Hirsch „Nono“, vermutlich an falscher Fütterung durch Besucher. Der damalige Stadtrat für Grünflächen, Daniel Krüger (ehemals CDU, nun parteilos für die AfD Stadtrat in Pankow), stellte die Schwierigkeiten einer artgerechten Haltung des Damwilds im Franckepark dar. Im Juli 2016 stimmte die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg allerdings einem Antrag der SPD-Fraktion zu, nach dem das Damwildgehege erhalten bleiben soll. Die SPD argumentierte damals, dass die Schließung des Parks „eine Kapitulation und einen weiteren Identitätsverlust für den Ortsteil“ bedeute.

Vorige Woche starb erneut ein Hirsch, diesmal an Altersschwäche. Die Sanierung sei auch notwendig, um Gesundheitsprobleme der Tiere zu bekämpfen, wie beispielsweise Huffäule, sagt Stadträtin Heiß. Dieses Jahr passiert aber erst mal nichts: 2018 findet zunächst die Planungsphase für alle Parkteile statt. In den darauffolgenden drei Jahren sollen die vier Parks nacheinander umgebaut werden. Begonnen wird mit dem Bosepark, 2020 werden der Lehnepark und der Alte Park saniert. Laut Plan stehen im Franckepark die Umbauarbeiten und die mögliche Umsetzung der Tiere erst 2021 an.

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