Umbenennung : Wem gehört die Zitadelle - Spandau oder Berlin?

„Spandau“ muss im Namen bleiben, fordern Bezirkspolitiker. Die Marketingleute von "Partner für Spandau" sehen das anders.

Wahrzeichen. Den Juliusturm trägt der Bezirk sogar im Wappen.
Wahrzeichen. Den Juliusturm trägt der Bezirk sogar im Wappen.Foto: Mike Wolff

Spandau in der Identitätskrise. Seit 800 Jahren ist der Juliusturm auf der historischen Zitadelle das Wahrzeichen des Bezirks, der seine Zwangseingemeindung nach Berlin vor knapp einem Jahrhundert bis heute nicht verwunden hat. Lange warb man für sich als Havelstadt, bis nach dem Mauerfall viele dachten, Spandau sei eine Gemeinde fern im Havelland. Seitdem bezeichnet man sich am westlichen Havelufer lieber als Zitadellenstadt. Umso größer war der Schock, als die Zitadelle Spandau jetzt zur Zitadelle Berlin wurde.

Es geschah im Rahmen der jüngsten Bemühungen, die historische Festung touristisch besser zu vermarkten. Kürzlich wechselte das Führungsteam des Kulturamtes, die Zitadellenführungen wurden neu an den Berliner Museumsdienst vergeben und seit Kurzem hat der Bezirk auch eine eigene Tourismusbeauftragte. So wurde, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, im Internet und in offiziellen Publikationen aus der Zitadelle Spandau die Zitadelle Berlin. Damit, so erläuterte Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU), soll die Festung künftig weltweit besser vermarktet werden. Prompt regt sich Widerstand in der Bezirksverordnetenversammlung.

„Es heißt ja auch nicht Funkturm Charlottenburg"

„Wir halten das für einen großen Fehler“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Haß. Sein FDP-Kollege Matthias Unger findet es „traurig und schade“. Die Zitadelle solle weiter als Spandauer Bauwerk beworben werden, findet auch Oliver Gellert von den Grünen. Im Kulturausschuss will man sich jetzt dafür einsetzen, den Berlinern die Zitadelle wieder zu entreißen und als Spandauer Institution zu bewahren.

Sven-Uwe Dettmann, Geschäftsführer der Bezirksmarketinggesellschaft "Partner für Spandau", kann die Aufregung nicht verstehen. Derartige „Abgrenzungstendenzen“ hätten seit dem Mauerfall keine Berechtigung mehr. Man müsse den Besuchern vermitteln, dass die Zitadelle ein wichtiger Teil Berlins ist, den man unbedingt gesehen haben muss und der nicht weit weg ist, sondern noch in der Hauptstadt liegt. Dank der engeren Zusammenarbeit mit Visit Berlin kämen wesentlich mehr Touristen in den Bezirk. „Es heißt ja auch nicht Funkturm Charlottenburg oder Fernsehturm Mitte“, sagt Dettmann. Matthias Unger sucht indessen bereits nach einem Kompromiss. Vielleicht könnte es ja Zitadelle Berlin-Spandau heißen. Oder doch lieber Zitadelle Spandau bei Berlin?

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