• Volksbegehren in Bayern und Hamburg: Diskussion ums Turboabi ist auch in Berlin noch nicht tot

Gymnasialverband warnt vor der Einheitsschule

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Volksbegehren in Bayern und Hamburg : Diskussion ums Turboabi ist auch in Berlin noch nicht tot

Einige Bundesländer lassen den Gymnasien die Wahl zwischen zwölf und 13 Jahren. Das allerdings lehnt der Verband der Oberstudiendirektoren ab. "Ein Option, die es Gymnasien in Berlin ermöglichen würde, nach zwölf oder dreizehn Jahren zum Abitur zu führen, führt langfristig zur Einheitsschule“, sagt Ralf Treptow, der als Vorsitzender des Verbandes der Oberstudiendirektoren die Gymnasialleiter vertritt. „Wir brauchen organisatorische, inhaltliche und pädagogische Unterscheidungsmerkmale zwischen den Sekundarschulen und Gymnasien“, argumentiert er. Die Situation in Berlin, wo es an den Sekundarschulen bereits die Möglichkeit zum Abitur nach 13 Jahren gebe, sei nicht mit der in Bayern zu vergleichen, das nach wie vor ein dreigliedriges Schulsystem mit Gymnasium, Real- und Hauptschule hat. „An meiner Schule hat noch kein einziges Elternteil die Rückkehr zu G9 gefordert“, sagt Treptow, der das Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow leitet. Es gebe auch eine entsprechende Übereinkunft in der Schulkonferenz. „Statt über ein 13. Schuljahr an den Gymnasien Berlins zu diskutieren, sollte endlich ernsthaft über fünfte und sechste Klassen an den Gymnasien geredet werden, damit auch in Berlin flächendeckend G8 realisiert wird.“

In der GEW gibt es keine einheitliche Position zu dem Thema. Die kurze Oberstufe sei für Gymnasien mit schwächerer Schülerklientel durchaus eine Herausforderung, sagt die Vorsitzende Sigrid Baumgardt. Andererseits seien die Berliner Schulen reformmüde, was wiederum gegen die Rückkehr zur 13-jährigen Variante spräche. Darauf weist auch Treptow hin: „Wir haben einen Schulfrieden. Ich hoffe, dass dieses Versprechen der Koalition noch gilt“, sagt er. Bislang deutet nichts darauf hin, dass es dort ein Umdenken gibt. „Das ist momentan kein Thema in der SPD-Fraktion“, sagt Bildungspolitiker Ilkin Özisik. Auch die Bildungsverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf. "G8 auf dem Gymnasium und G8/G9 auf der ISS hat sich bewährt", bilanziert Sprecherin Beate Stoffers die bisherigen Ergebnisse. Wichtig sei, dass die Schulen die Eltern beim Entscheidungsprozess für die Schulform beraten. Im Übrigen habe die "Berlin-Studie" gezeigt, dass "die große Mehrheit der Eltern und Lehrkräfte hinter der Schulstrukturreform.steht". Für eine geglückte Abiturzeitverkürzung an den Gymnasien sprächen auch die guten Resultate.

Während in Bayern und Hamburg die G-9-Befürworter damit argumentieren, dass die 17-jährigen Schulabgänger zu unreif seien, um eine berufliche Entscheidung zu treffen, kann das die Berliner IHK nicht bestätigen. „Wir sind für das Abitur nach zwölf Jahren“, sagte Geschäftsführer Thilo Pahl. Jedoch solle man den Unterrichtsstoff so organisieren, dass den Jugendlichen auch Zeit zur Persönlichkeitsreifung bleibe.

Treptow weist darauf hin, dass auch Gymnasiasten ja die Möglichkeit hätten, sich 13 Jahre Zeit zum Abitur zu nehmen, indem sie beispielsweise ein Jahr in der Oberstufe wiederholen, was tatsächlich auch häufig geschieht.

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