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Wohnen am Wasser : Berlin öffnet die Ufer für seine Bewohner

In Mitte blickt Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) in puncto Wasser vor allem zum Humboldthafen und zum Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Am Hafen hat das Land auf dem Gelände der bisherigen „Sandstation“ gerade zwei Baugrundstücke zum Kauf ausgeschrieben. Am Kanal entsteht seit Sommer 2010 die „Europacity“ für 2000 Bewohner. Spandau plant weitere Wasserstädte an der Oberhavel bei Eiswerder und auf dem Gelände des Kraftwerks Oberhavel. Und in Reinickendorf setzt man aufs „Aus“ des Flughafens Tegel. Das mache den Tegeler See noch attraktiver, heißt es. Die Greenwich-Promenade wurde neu gestaltet, nun erhält sie noch eine Marina. Auch sollen ab 2012 auf der Insel im Tegeler Hafen und an der „Sechserbrücke“ zwei Siedlungen entstehen. Dazu gehören 16 schwimmende Häuser, auf die man im Rathaus stolz ist. Erstmals gelinge es in Berlin, „Floating Houses“ zu verwirklichen.

Am Wasser ist in der Stadt kein Vorbeikommen, sieben Prozent ihrer Flächen sind nass. Doch bis zum Mauerfall lebte und erholte man sich nur an den plätschernden Klassikern wie Müggelspree oder Wannsee, in der Innenstadt kehrte Berlin dem Wasser die Kehrseite zu. Die Spree war hinter Gleisanlagen und Fabrikhöfen verborgen, teils verlief die Grenze mitten im Fluss. Erst nach der Wende begann die Hinwendung zum Wasser, beschleunigt ab 2002 durch die Projekte im Osthafen wie den Universal-Speicher und die Label-Modezentren – auf Kurs gebracht durch die Strandbars und Trendsetter wie das „Radialsystem“ im einstigen Pumpwerk am Ostbahnhof.

An der Rummelsburger Bucht sind an den letzten schönen Herbsttagen die Spaziergänger, Radler und Jogger auf dem neu angelegten Uferweg rund um Stralau noch in Scharen unterwegs. Auf dem Wasser ist das gut funktionierende Durcheinander von Sportbooten, Ausflugsdampfern und Frachtern kein bisschen ruhiger geworden. Am nahen Osthafen relaxen die Leute eingemummelt auf Caféterrassen. Von Großstadthektik und schlechter Laune keine Spur. „Das Wasser ist eben ungemein beruhigend oder es regt an“, sagt der FU-Professor für Biopsychologie Peter Walschburger. Wellenschlag, ein glitzernder Fluss weckten im Menschen archaische Gefühle. „Das gehört zu den Lebensbedingungen, an die wir uns in Jahrtausenden angepasst haben.“ Damit man den Zauber des Wassers weiterhin ungehindert erleben kann, wollen sich Senat und Bezirke bei allen künftigen Bauvorhaben an den Grundsatz halten: „Die Ufer müssen öffentlichen zugänglich bleiben.“

Camilla Schuler hat in ihrem Haus am Rummelsburger Ufer damit keine Probleme. Sie brauche keinen Privatgarten bis zum Wasser, sagt sie. „Der Uferweg für alle ist viel bunter und interessanter.“

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