Berlin : Wowereit fährt den größten Klimakiller

Die Berliner Senatoren und Staatssekretäre sind mit besonders klimaschädlichen Autos unterwegs – entgegen den eigenen Vorgaben

Stefan Jacobs

Die Berliner Politik produziert viel heiße Luft: Die Dienstwagenflotte der Landesverwaltung besteht fast durchweg aus Spritschluckern mit überdurchschnittlichem Kohlendioxidausstoß. Den Rekord hält der Audi A8 von Klaus Wowereit, der pro Kilometer 334 Gramm des Klimakillers CO2 in die Luft bläst. Dieser Wert lässt laut Firmenprospekt darauf schließen, dass es sich um die Spitzenversion mit 450 PS starkem Zwölfzylindermotor handelt, die im Stadtverkehr fast 21 Liter schluckt – was mit jedem Kilometer rund ein halbes Kilo CO2 ergibt. Ob die extrem starke Motorisierung aus Sicherheitsgründen gefordert ist, wollte die für den Fuhrpark verantwortliche Innenverwaltung nicht beantworten. Fakt ist, dass es die gleiche Limousine auch mit schwächeren Motoren und rund einem Drittel geringerem Spritverbrauch gibt.

Auch die Dienstwagen der Senatoren und Staatssekretäre produzieren weit mehr CO2 als der Durchschnitt aller Autos, der zurzeit bei rund 160 Gramm liegt. So stehen auf der Liste der Innenverwaltung gleich zehn Audi A6, die mit ihrer üppigen Motorisierung ebenfalls mehr als 300 Gramm CO2 ausstoßen, aber nur zwei sparsamere Exemplare desselben Typs. Fünf der zehn Spritschlucker stehen den Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Abgeordnetenhaus zur Verfügung. Die Grünen teilten gestern mit, dass sie ihren Dienstwagen nicht nutzten und stattdessen Taxiquittungen abrechneten. Der Grünen-Abgeordnete Michael Schäfer, der die Liste über eine Kleine Anfrage erhalten hatte, bezeichnete es als skandalös, dass die Verwaltung gegen eigene Vorschriften verstößt.

Dabei wurden die Regeln schon aufgeweicht: Im Februar 2006 beschloss das Abgeordnetenhaus, dass ab 2007 „alle öffentlichen Einrichtungen nur noch Pkw beschaffen sollen, die im Stadtzyklus weniger als 6,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchen“. Als Antwort verweist der Senat auf das im Juli 2006 beschlossene Landesenergieprogramm, das die Forderungen des Antrages „weitestgehend“ beinhalte. Allerdings wurde aus der konkreten Zahl im Energieprogramm die Formulierung, dass in Ausschreibungen der Verwaltung „Angaben über die jeweils niedrigstmöglichen CO2-Emissionen“ aufgenommen werden und die Innenverwaltung „darauf hinwirken wird, dass sich künftig der Fahrzeugbestand in den zentralen Fuhrparks stärker auf erdgasbetriebene Fahrzeuge orientiert“.

Da die Leasingverträge für die Autos laut Verwaltung nur ein Jahr laufen, ließe sich schnell auf sparsamere Modelle umsteigen. Dass gerade der Autoverkehr in Berlin ein enormes Klimaproblem bedeutet, hat Umweltsenatorin Katrin Lompscher (PDS) bereits Ende Januar mitgeteilt: Anders als in allen anderen Bereichen habe der CO2-Ausstoß im Verkehr seit 1990 um 14 Prozent zugenommen. Die Abhilfe laut Lompscher: „Wir brauchen daher dringend eine Limitierung der CO2-Emission bei Kraftfahrzeugen auf 120 Gramm pro gefahrenem Kilometer.“

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