"Bildaffinität ist auch ein Problem in der Architektur"

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Architektur : „Das Problem in Museen sind die Besucher“
Musterexemplar. Das Neue Museum in Nürnberg war Staabs erster Akt für die Kunst.
Musterexemplar. Das Neue Museum in Nürnberg war Staabs erster Akt für die Kunst.Foto: imago/CTK Photo

Was müssen Sie beim Zuschnitt von Räumen bedenken?

Mal abgesehen von der ganzen Logistik, der Erschließung, der Infrastruktur – wenn ich Bilder ausstellen möchte, brauche ich viel Wand. Soll es hingegen eine erzählerische Ausstellung geben – zum Thema Geschichte oder Technik etwa – braucht man flexiblere Räume, um Inszenierungen zu schaffen, eine bestimmte Dramaturgie herstellen zu können. Die besten Ausstellungen habe ich in Häusern gesehen, die über sehr spezifische Räume verfügen. Ich glaube, unterschiedliche Kunstwerke können sich in unterschiedlichen Räumen extrem aufladen.

Wobei es einen Kurator braucht ...

... der das bespielen kann, wie ein Instrument. Im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, das einem Tortenstück mit zum Teil sehr speziellen Räumen gleicht, arbeitete der Kurator Jean-Christoph Ammann, der das wirklich wunderbar gemacht hat. Es gab dort eine Installation von Fischli & Weiss, das war einfach ein Putzeimer. Der Eimer stand in einem dieser komischen Räume unter der Treppe. Und so rief er die Irritation hervor: Hat die Putzfrau den gerade vergessen? Nur durch die Positionierung an diesem Ort hat sich diese ganz andere Fragestellung ergeben.

Seit einigen Jahren gehen die Leute mit ihren Mobiltelefonen in Ausstellungen und fotografieren alles ab.

Ich denke manchmal, warum gucken die sich das Kunstwerk nicht gleich zu Hause auf ihrem Tablet an? Diese Bildaffinität ist auch ein Problem in der Architektur. Gebäude werden heute mehr als spektakuläres Zeichen wahrgenommen als über die Raumqualität. Ein bisschen traurig. Auch das Phänomen Bilbao hängt damit zusammen, denn Gehrys Museum besitzt eben diese Bildqualität. Das Gegenteil dessen ist zum Beispiel die Alhambra. Von außen ist sie eher unscheinbar, doch dann läuft man durch eine Folge wunderschöner Höfe und Räume. Fotografisch lässt sich das gar nicht wiedergeben. Man kann nur hoffen, dass es irgendwann eine Übersättigung an Bildern gibt, sodass die Leute wieder Lust auf andere Arten von physischer Erfahrung haben.

Fenster zum Hof. Das Albertinum in Dresden bekam mit dem Umbau ein neues Herz.
Fenster zum Hof. Das Albertinum in Dresden bekam mit dem Umbau ein neues Herz.Foto: Matthias Hiekel, pa/ZB

Sie leben seit 1986 in Berlin, haben aber bisher noch gar nicht so viel in der Stadt gebaut – warum?

Das hing lange Zeit mit Hans Stimmann zusammen…

… in den 90er Jahren Senatsbaudirektor…

… er hatte seinen rigiden Stil und eine Gruppe von sechs, sieben Architekten, die auf dieser Linie lagen. Wir sind da als junge Architekten nicht hineingekommen. Im Nachhinein war das vielleicht gut so. Dadurch waren wir gezwungen, uns über den Tellerrand hinaus zu orientieren. Andererseits habe ich mich vom ersten Moment an in Berlin wohlgefühlt, ohne dass ich genau sagen könnte, warum. Es ist ja keine besonders schöne Stadt, wenn man sie zum Beispiel mit München vergleicht, und da sind auch noch die Alpen hintendran.

Sie bauen viel in Bayern. Zuletzt haben Sie das Medizinhistorische Museum in Ingolstadt und die Erweiterung des Wagner-Museums in Bayreuth fertiggestellt.

Unser erstes Projekt war das Museum in Nürnberg. Das wurde zunächst gestoppt, als Edmund Stoiber an die Macht kam. Als eine Art Trostpflaster hat man uns zum Wettbewerb für die Erweiterung des Maximilianeums in München eingeladen, und später wurde Nürnberg dann doch gebaut. Landtag und Museum waren eine gute Referenz.

Ihr erstes Museumsprojekt in Berlin ist nun die Erweiterung des Bauhaus-Archivs am Landwehrkanal. Der Entwurf sieht einen lichten, fünf Stockwerke hohen Turm vor.

Die Leute fragen immer, warum sieht das gar nicht nach Bauhaus aus? Als ob man im Bauhaus-Stil bauen müsste! Abgesehen davon, dass auch Bauhäusler ganz unterschiedlich gebaut haben. Die Pädagogik, die Lehre und der Diskurs waren inhaltliche Schwerpunkte des Bauhauses, und diese Inhalte haben wir versucht, in den Turm zu setzen und damit für die Öffentlichkeit sichtbar werden zu lassen.

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