"Das Spannende ist für mich, kein Serienprodukt zu liefern"

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Architektur : „Das Problem in Museen sind die Besucher“
Anlehnung. An reetgedeckte Häuser der Region erinnert das Museum Ahrenshoop.
Anlehnung. An reetgedeckte Häuser der Region erinnert das Museum Ahrenshoop.Foto: Jens Büttner, pa/dpa

Erinnern Sie sich an Museumsbesuche als Kind?

Ja, aber wie jedes Kind empfand ich das auch manchmal als Zumutung. Das Deutsche Museum in München hat Spaß gemacht. Weil man da so viele Knöpfe drücken konnte.

Ihr Credo ist es, Gebäude „auffällig unauffällig“ mit der Umgebung zu verweben. Woran erkennt man dann einen Staab-Bau?

Man muss genauer hinsehen. Da sind Details, die Nicht-Architekten wahrscheinlich gar nicht auffallen. Bestimmte Materialien.

Zum Beispiel?

Beton finde ich immer noch gut, weil es sehr plastisch, räumlich ist, damit kann man viel machen. Für Architekten mit einer starken eigenen Handschrift spielt es keine Rolle, wo sie bauen, das kann in Hongkong oder Singapur sein – es sieht immer ähnlich aus. So etwas interessiert mich nicht. Das Spannende ist für mich gerade, kein Serienprodukt zu liefern. Sondern sich auf das Spezifische einer Situation, eines Ortes, einer Aufgabe einzulassen.

Wobei Sie schon als junger Praktikant in Paris begeistert vom Centre Pompidou waren. Das sieht nun eher wie ein Raumschiff aus!

Ja, aber es hatte die Kraft, den Ort neu zu definieren. Ich war damals oft dort in der Bibliothek, in der man lesen und Musik hören kann.

Bei dem Entwurf zu Ihrem Museum in Münster standen Sie vor dem Widerspruch, dass das Grundstück einerseits sehr zentral gelegen war, der Vorgängerbau an dieser Stelle aber wenig Kontakt zur Umgebung hatte.

Die eigentliche Adresse des Hauses sollte der Domplatz sein. Das ist ein schöner, aber – wenn nicht gerade Markt ist – sehr ruhiger Ort. Auf der anderen Seite liegt die Fußgängerzone Rothenburg. Dort gibt es viele Menschen. Da wir das Museum zu einem öffentlichen Ort machen wollten, haben wir auf beiden Seiten Eingänge geschaffen und diese miteinander verbunden. Das Erdgeschoss ist nun öffentlich, man braucht kein Ticket dafür, kann einen Kaffee trinken, in den Buchladen oder die Bibliothek gehen.

Oder einfach durchlaufen?

Genau. Für die große Skulpturenausstellung, die jetzt in Münster eröffnet wurde, hat ein Künstler sogar einen Fahrradweg durchs Haus gelegt. Das mit dem öffentlichen Raum führt allerdings auch zu unerwarteten Nebeneffekten. Wenn Markt ist, schließen viele Leute ihre Taschen in der Museumsgarderobe ein und benutzen dort die Toiletten.

Das Museum als Marktplatz. Vor dem Centre Pompidou in Paris ist immer was los.
Das Museum als Marktplatz. Vor dem Centre Pompidou in Paris ist immer was los.Foto: Roland Witsch/pa/dpa

Bekommen Sie Rückmeldungen von Künstlern, die sagen, meine Arbeiten wirken in Ihren Museumsräumen ganz besonders?

Indirekt, über die Kuratoren. Den großen Ausstellungsraum in Nürnberg, der für Wechselausstellungen genutzt wird, mögen zum Beispiel viele Künstler. Manche durften ihn schon komplett bespielen. Einer hat sogar die Sonne in den Raum gelassen, etwas, das bei Gemälden in der Regel nicht geht.

Wie stark arbeiten Sie in Ihren Entwürfen mit Tageslicht?

Ich finde es sehr angenehm, wenn man innen merkt, ob draußen die Sonne scheint oder nicht. Die Museen sind aber in den vergangenen Jahren alle auf Kunstlicht umgestiegen. Das Problem ist, wenn man einen Tageslichtraum hat und den dimmt, um optimale konservatorische Bedingungen zu erreichen, sieht es – gerade bei Grafiken, für die man 50 Lux auf der Wand haben will – aus, als wäre das Museum geschlossen. Deshalb macht man den Raum eher gleich ganz dunkel, mit einer leichten Akzentbeleuchtung aufs Bild. Ich finde es dann angenehm, wenn man als Besucher nach ein paar abgedunkelten Ausstellungsräumen auf ein großes Fenster trifft, bei dem man sich ausruhen und hinausblicken kann, und sieht, wo man sich gerade befindet.

Reden Ihnen die Konservatoren oft rein, deren Aufgabe es ist, die Werke zu schützen?

Bei einem Museum mit Malereien oder Grafiken wäre es den Konservatoren manchmal am liebsten, es gäbe nur ein dunkles Depot mit konstanter Luftfeuchtigkeit und Temperatur. So würde sich das Bild am besten halten. Das Problem im Museum ist jedoch, dass man Besucher hat, und dass die, besonders wenn es draußen regnet oder eine ganze Schulklasse hineinkommt, die Luftfeuchtigkeit ansteigen lassen. Man muss deshalb einen Kompromiss zwischen Ausstellen und Bewahren finden.

Wie funktioniert das technisch?

Früher wurde die Luftfeuchtigkeit über Klimaanlagen geregelt. Doch damit gehen sehr große Energiekosten einher, sodass in manchen Museen eine Anlage zwar eingebaut, aber nachher nicht mehr benutzt wird. Die Technik hat sich weiterentwickelt. In Münster haben wir uns für ein ganz anderes System entschieden. Durch die Wände fließt warmes oder kaltes Wasser, je nach Bedarf. In diesem Fall gibt es noch eine spezielle Geschichte. Das Parkhaus nebenan ist undicht, zwei der vier Untergeschosse stehen im Wasser. Es muss deshalb immer abgepumpt werden, und dieses Wasser nutzen wir nun zur Temperierung des Museums.

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