Ein Glas Roederer Cristal beim Klang von Oriental-House

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Casa Cook auf der Insel Kos : Der Pauschalrulaub für Hipster
Felix Denk
Das Hotel ist im skandinavischen Stil eingerichtet.
Das Hotel ist im skandinavischen Stil eingerichtet.Foto: Casa Cook

Spätestens hier sollte jetzt etwas Schnöseliges stehen. Man sucht ja förmlich den Fehler, wenn ein Pauschalanbieter plötzlich auf Zeitgeist macht und überhaupt: Kos. Ist jetzt nicht das It-Girl unter den griechischen Inseln. Aber tatsächlich ist es gar nicht so leicht, ohne arg ins Geschmäcklerische abzudriften.

Klar, man kann über die Musik maulen. Relativ laut verfolgt einen die Kickdrum dieses, nennen wir es, mystischen Oriental-House durch den Tag und bis kurz vor den Strand. Man kann auch fragen, ob es notwendig ist, dass es neben dem wirklich großen Pool noch jede Menge kleiner Pools gibt, die sich die Bungalows teilen. Zumal das Meer gleich vor der Nase liegt.

Und wenn wir schon dabei sind: Die Bar macht ganz schön auf dicke Hose. Hier gibt es den P. Diddy-Wodka (Belvedere) in sehr großen Flaschen, Jay-Zs Ex-Lieblings-Champagner (Roederer Cristal) und sogar ein Wein von Pétrus für 1200 Euro steht auf der Karte, als wollte man den Luxushotel-Kritiker Heinz Horrmann beeindrucken, der nun wirklich nicht zur Zielgruppe gehört. Andererseits: Der Barrel Aged Negroni, der ist schon ein ziemlich guter Sundowner, auch wenn er mit zwölf Euro nicht unbedingt zum Happy- Hour-Tarif über den Tresen geht.

Ja, die Barpreise, da wollen sie noch mal ran, sagt Petros Kallergis. Auch an die Weinkarte. In der lokalen Weinszene ist eine Menge passiert. Leider spricht darüber fast niemand, weil die Weine kaum nach Deutschland kommen. Aber gerade weil sie sich über diese Themen Gedanken machen, fühlt sich die Casa Cook nicht wie ein von Konzernstrategen entworfener Millenials-Vergnügungspark an, sondern trotz der Größe von 100 Zimmern wie ein individuell geführtes Boutique-Hotel.

Foto: Casa Cook

Der Tag des Chefkochs beginnt am Acker

Das hat auch eine Menge mit Michalis Chondrompilas zu tun, Arme wie Keulen, Tätowierungen wie ein Seebär. Er sitzt auf dem Barhocker vor der offenen Küche. Hinter ihm räumt der Service das Frühstück ab, während schon die ersten Burger gebraten werden. Er macht gerade etwas, das für seinen Arbeitstag relativ untypisch ist: Pause.

Seit 7.30 Uhr ist der Chefkoch bei der Arbeit. Sein Tag beginnt auf dem Acker. Davon hat die Casa Cook zwei Stück. Einer liegt kurz vor dem Resort, ein anderer auf dem Weg zum Flughafen, wo es ein bisschen hügeliger wird. Dort etwa wachsen die Orangen, die man zum Frühstück als Saft serviert bekommt. „Wir verwenden nichts Tiefgefrorenes und keine Fertigprodukte“, sagt Chondrompilas. Solche Konzepte, die unter dem Begriff Farm- to-Table laufen, sind eine radikalisierte Form der Regionalküche und gerade angesagt in der Spitzengastronomie.

Den ganzen Tag bereiten die Köche frische Speisen zu.
Den ganzen Tag bereiten die Köche frische Speisen zu.Foto: Casa Cook

Für das weltberühmte Noma, das im Frühjahr als Bauernhofrestaurant wiedereröffnet, mag das handhabbar sein. Für ein Hotel mit 100 Zimmern, in dem 200 Gäste gleichzeitig à la carte essen wollen, ist es so ungewöhnlich wie aufwändig. Ausgedacht hat sich das der italienisch- griechische Sternekoch Ettore Botrini, der aus Kos stammt.

Mit Leben füllt es jeden Tag Chondrompilas. Und dafür braucht man gute Nerven. Morgens entscheidet er, was abends gekocht wird. Neben einer festen Karte mit modern-mediterranen Gerichten gibt es jeden Tag wechselnde Specials. Die Tomaten, die hier in den griechischen Salat kommen, sind so süß, dass man Marmelade aus ihnen machen könnte, was übrigens eine Spezialität der Insel ist.

Die meint es ohnehin gut mit Chondrompilas. Unter der griechischen Sonne wächst und gedeiht fast das gesamte Obst und Gemüse, das er braucht. Das Fleisch für die Lammkeule kommt von Kos. Kalamari, Oktopus und den Seebarsch mit seinem kräftigen Fleisch kriegt er von Fischern der Nachbarinsel.

In der ersten Saison war die Casa Cook fast ausgebucht, sagt Kallergis. Nächstes Jahr wolle man eines der profitabelsten Hotels im Land werden. Für weitere Standorte auf Korfu, Ibiza und in Kroatien laufen bereits die Planungen. Viele Paradiese für Pauschalhipster.

HINKOMMEN

Kos wird von Berlin aus einmal die Woche direkt von Condor angeflogen, ab Hamburg geht täglich eine Maschine.

UNTERKOMMEN

Das Hotel ist vom 21. April bis zum 4. November geöffnet. Eine Woche im Doppelzimmer inklusive Rail & Fly, Frühstück, Flug und Transfer ab 903 Euro pro Person. Buchbar unter thomascook.de.

 

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