"Bald werden Leute Facebook haben, die ohne Klo leben"

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Ex-Facebook-Manager Antonio García Martínez : „Zuckerberg schaut einem nie in die Augen“
Hannes Grassegger
Lebensereignis hinzugefügt: Audienz beim Papst.
Lebensereignis hinzugefügt: Audienz beim Papst.Foto: dpa

Wo standen Sie in der Hierarchie?

Ich war mittlere Ebene, ein Produktmanager, einer von Dutzenden. Nach innen war ich nicht das höchste Tier. Wenn ich aber als Facebooker Firmen außerhalb sprechen wollte, kam im Handumdrehen deren Chef angelaufen. Die wussten, der da ist nur zwei Sprünge von Zuckerberg entfernt.

Damals blies Google zum Großangriff. Man wollte das soziale Netzwerk Google+ einführen.

Das war der totale Wahnsinn. Über dem Aquarium blinkte plötzlich ein Warnschild aus Leuchtbuchstaben auf: „Lockdown“. Zuckerberg beorderte uns per Mail um 13:45 Uhr zum Aquarium, es war, als ob eine Regierung den Ausnahmezustand verhängt. Zuckerberg ist eigentlich ein schlechter Redner, aber jetzt begann er, frei zu sprechen: dass es um alles oder nichts gehe. Die oder wir. Es begann wie eine Lektion und endete als Schlachtrede. Langsam wurde aus unserer Verunsicherung eine Kampfstimmung. Am Ende zitierte er Cato. Er sagte Carthago delenda est – , gemeint war: Google muss zerstört werden. Zuckerberg ist ja so ein Harvard-Bubi, er kennt die Klassiker. Facebook sieht Google als die alte Welt, als so was wie die Griechen. Man selber ist Rom.

Und dann?

Die Leute jubelten. Die Posterpresse wurde angeworfen. Carthago delenda est. Wir wurden angehalten, durchzuarbeiten. Unsere Familien bekamen Besuchszeiten am Wochenende. Rund um die Uhr versuchten wir, unser Produkt zu verbessern, Detailarbeit an allen Ecken und Enden.

Facebook sagt, es kämpfe für eine offenere Welt.

Das ist ernst gemeint. Sie haben eine Luftfahrtfirma gekauft, damit sie via Senderdrohnen Facebook in alle Ecken der Welt bringen können. Bald werden Leute Facebook haben, die ohne Klo leben.

Und alle wollen einen Facebook-Account?

So oft, wie die Leute das täglich nutzen, denke ich, Facebook ist legales Crack.

Darf man intern Facebook benutzen?

Die ganze Zeit. Das gilt als Arbeit. Alles ist Facebook dort. Für alles gibt es Gruppen. Außerdem gibt es ein internes Netzwerk zur Zusammenarbeit, nur für Mitarbeiter.

Sie haben den Börsengang miterlebt, dabei wurden viele Mitarbeiter auf einen Schlag zu Millionären.

Da hat Zuckerberg wieder eine Rede gehalten, 2012 war das. Noch während er sprach, gingen einige hochrangige Mitarbeiter via Handy auf Immobiliensuche in San Francisco. Was mich am meisten überraschte, war, dass am nächsten Morgen um acht wieder alle wie wild weiterarbeiteten.

Dabei hätten sie eigentlich sofort aufhören können.

Genau, aber ich bekam das Gefühl, denen geht es nicht ums Geld, sondern um eine Mission. Dort feiert man nicht seinen Geburtstag, sondern seinen „Faceversary“, den Jahrestag des Einstiegs in der Firma. Es gibt Blumen und Geschenke, die Leute gratulieren. Dann werden ständig „Hack-athons“ abgehalten – wildes, spielerisches Drauflosprogrammieren. Auch an Orten, wo es gar keine Programmierer gibt. Man pflegt die Rituale. Jeden Freitag dürfen alle die großen Führer befragen. Oft auch Zuck. Danach gibt’s Drinks.

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